2021-08-17

BRUNO BAUER: Criticism of the Gospels and History of their Origin – in English

I promised myself long ago that if I ever found software capable of reading and translating Old German fonts then my first priority would be to translate Bruno Bauer’s Kritik der Evangelien und Geschichte ihres Ursprungs = Critique of the Gospels and a History of their Origin.

Now if you do know of an already existing English translation of those three volumes please do be kind enough to let me know so I don’t waste any more time on this project.

Till then, using Kritik der Evangelien und Geschichte ihres Ursprungs. Volume 1 as my source, here is the first installment of that first volume which contains Books 1 and 2. It’s mostly machine translated but still quite readable, I think. If you would like to suggest smoother translations of any passages do leave a comment or email me. Thanks again.

Where there are footnotes I have coloured the row to make it easier to follow the page order in table format.

I’ll be adding more over the coming months and probably years if I am to complete all 3 volumes (=7 books). So check back from time to time in case there are updates.

First Book

The Fourth Gospel

Page III

Vorwort

Preface

III Der reislauf der Hypothesen, die den Ursprung der Evangelien zn deuten suchten — d e r Hypothesen wenigstens, die der Geschichte angehören und dazu dienten, selbst durch ihren S tu rz dazu dienten, die richtige S tellung der Frage herbeizuführen, w ar vollendet, als ich vor zehn Jahren mit dem auftrat, was ich für den Anfang der Lösung hielt.

Und noch dafür halte — wenn ich auch nicht einmal von der verkommensten Corporation das Zeugniß erwarte, daß ihre Zeit vorüber sey.

Am wenigsten würde es sich für denjenigen ziemen, der die Grundlage der religiösen und kirchlichen Gewohnheit untersucht, von dem Gegner dieses Zugeständniß zu erwarten. Er würde nur den Irrth um des Gegners erneuern und am Leben erhalten.

Nur die religiösen Neuerer zogen vom Himmel das Feuer herab, mit dem sie die Ungläubigen, die sie weder gewinnen noch widerlegen konnten, zu vernichten drohten.

Aber es nie vermochten. Jehova, der alle G ötter der Erde widerlegen wollte, hat sich ruhig darein ergeben müssen, daß Zeus init seiner olympischen Tafelrunde die Gesetze der idealen Schön heit aufrecht erhalt und der Capitolinische Gott heute noch durch seine Sprüche die Nechtsstremgkeiten der civilisirten W elt ent scheidet. Zeus und Jupiter haben seine schrecklichsten Drohun  gen überlebt; er hat nicht einmal den niedrigsten Fetisch wider-legen können, wenn die Widerlegung nur in der völligen Ver nichtung besteht.

The course of hypotheses, which tried to interpret the origin of the Gospels – at least of those hypotheses, which belong to history and served, even by their truth, to bring about the correct solution of the question, was completed, when I appeared ten years ago with what I considered to be the beginning of the solution.

And I still think so – even if I do not expect even from the most degenerate corporation the testimony that its time is over.

Least of all would it behoove him who examines the basis of religious and ecclesiastical custom to expect this concession from the opponent. He would only renew and keep alive the error for the sake of the opponent.

Only the religious innovators drew down from heaven the fire with which they threatened to destroy the unbelievers whom they could neither win nor refute.

But they never succeeded. Jehovah, who wanted to refute all the gods of the earth, had to surrender calmly to the fact that Zeus, with his Olympic Round Table, upholds the laws of ideal beauty, and that the Capitoline God, with his sayings, still today decides the fights of the civilized world. Zeus and Jupiter have survived his most terrible threats; he has not been able to refute even the lowest fetish, if the refutation consists only in the complete negation.

IV Vergebens haben auch die Schöpfer der christlichen Gemeinde die ungeheure Schaar der Sünder zusammengebracht, um m it ihrer Hilfe das Privilegium des Judenthums zu stürzen und die Härte des gesetzlichen Gottes brechen — es war vergeblich, daß die kühnen Neuerer das Vorrecht des Judenthums profa- nirten und den Völkern Preisgaben — vergeblich der Urtheils spruch der Verwerfung und Vernichtung, den sie über das privilegirte Volk Jehova’s ausspracken — das Judenthum besteht doch noch, nachdem es dem Christenthum auf allen seinen Eroberungszügen gefolgt ist, um es an seine Schwäche zu mah nen und an die Maaßlosigkeit seiner Drohungen zu erinnern. Die Tochter, die das Kind des Himm els seyn w ollte, hat die Flüche und Schmähungen ihrer leiblichen M utter nicht ersticken können.

Die Welt ist groß und hat auch für die Vergangenheit noch Raum genug, wenn sie bereits den neuen Vorrechten als Schauplatz dient. Die alten Vorrechte finden immer noch eine S tä tte , auf der sie neben den neuen Privilegien ihre Existenz behaupten.

Wohl aber werden die Späteren den Früheren, die sie vergeblich m it der völligen Vernichtung bedrohten, immer ihre Zeugungskraft rauben. Die Welt gibt dem Alten Raum zur Existenz, die Neuerer aber nehmen die K ra ft des Fortschritts und der geschichtlichen Gestaltung für sich allein in Anspruch und werden dieselbe, wenn der Kampf um dieß Vorrecht auch Jahrhunderte dauert, am Ende sich ausschließlich aneignen. Ihr Auftreten ist das gewisse Zeichen, daß das A lte sich erschöpft — gerade in der Hervorbrmgung des Neuen seine Kraft erschöpft hat.

In vain, too, did the creators of the Christian congregation bring together the immense multitude of sinners in order to overthrow the privilege of Judaism with their help and to break the severity of God’s law – it was in vain that the bold innovators profaned the privilege of Judaism and exposed it to the nations – in vain the sentence of condemnation and annihilation, which they pronounced on the privileged people of Jehovah – Judaism still exists, after having followed Christianity on all its conquests, in order to remind it of its weakness and of the intemperance of its threats. The daughter, who wanted to be the child of heaven, has not been able to stifle the curses and insults of her biological mother.

The World is big and still has room enough for the past, if it is already serving as a stage for the new prerogatives. The old prerogatives still find a place on which they can maintain their existence alongside the new privileges.

But probably the later ones will always rob the earlier ones, which threatened them in vain with complete annihilation, of their procreative power. The world gives the old room for existence, but the innovators claim the power of progress and of historical formation for themselves alone and will, if the struggle for this prerogative lasts for centuries, in the end appropriate it exclusively for themselves. Their appearance is the certain sign that the old has exhausted itself – has exhausted its power precisely in the bringing forth of the new.

V Zeus wird keine Ideale mehr zeugen — das Gesetzbuch des Capitolinischen Gottes ist geschlossen — die Synagoge hat neben der Kirche Nichts mehr entdecken und gestalten können, was für die Welt von Werth gewesen Ware.

So wird auch das Christenthum bleiben und niemals widerlegt, niemals zum Geständniß gebracht werden, daß es widerlegt sey, — es wird die Freude desselben Triumphes genießen, den das Judenthum und der niedrigste Fetischdienst über seine Ansprüche auf Alleinherrschaft davontrugen.

Es wird unbesieglich und unwiderleglich dastehen. Seine Existenz wird keine Gefahr leiden, wenn es auch erkannt und sein Ursprung erforscht ist. ES wird ihm nie an Bekennern fehlen, die Nichts davon ahnen, daß ihr Lebensgrund nur Eine zener Schichten war, auf denen der immer höher steigende Boden der Geschichte ruht, nie an Lehrern, die durch ihre Unklar heit und durch die Unbestimmtheit ihres Geistes dazu geschaffen sind, der Verwirrten und abgeschwächten Ueberlieferung einer Macht, die durch die Klarheit und Scharfe ihrer innern Gegensätze die Welt sich unterworfen hatte, als Träger zu dienen.

Um so sicherer wird es bestehen, da die Zerflossenheit des Bewußtseyns, in welcher sich seine strengen Gegensätze verloren haben, die Apathie, die aus den erfolglosen Kämpfen der letzten Jahre nur die Lehre von dem Vortheil der Passivität gezogen hat, die Gleichgültigkeit gegen das Detail und die Verehrung der Phrase ihm als Wall und Schutzwehr dienen.

Es kann nicht mehr kämpfen — aber es braucht auch nicht mehr zu kämpfen, da die Abgestumpftheit der Gegensätze, die es als sicherer Schirm umgibt, alle Angriffe, wenn die Ergebnisse der Forschung als Angriffe bezeichnet werden könnten, zurückweist.

Zeus will no longer beget ideals – the law book of the Capitoline God is closed – the synagogue, besides the church, has no longer been able to discover and form anything of value for the world.

Christianity, too, will remain and never be refuted, never be made to confess that it is refuted, – it will enjoy the same triumph that Judaism and the lowest fetish service won over its claims to autocracy.

It will stand invincible and irrefutable. It will suffer no danger when its existence is recognized and its origin investigated. It will never lack confessors who suspect nothing of the fact that their foundation of life was only one of those layers on which the ever higher rising ground of history rests; it will never lack teachers who, by their obscurity and by the indeterminacy of their spirit, are made to serve as bearers of the confused and attenuated tradition of a power which, by the clarity and sharpness of its inner contrasts, had subjugated the world to itself.

It will exist all the more securely because the dissolution of consciousness, in which its strict opposites have been lost, the apathy that has drawn from the unsuccessful struggles of recent years only the lesson of the advantage of passivity, the indifference to detail and the veneration of the phrase serve it as a rampart and protective defense.

It can no longer fight – but it also no longer needs to fight, since the dulness of the opposites that surrounds it as a safe screen repels all attacks, if the results of research could be called attacks.

VI Was hat es zu bedeuten, wenn nachgewiesen wird, daß sich uns im Marcusevangelium der ursprüngliche Typus der evangelischen Geschichte erhalten hat? *) — Nichts wenn die allgemeine Gleichgültigkeit gegen das Detail dem kirchlichen Bew ußt seyn zur Hilfe kommt und eS berechtigt, aus der Auflösung der Evangelien sich zur Phrase des Evangeliums zu retten und die Unterschiede und Gegensätze der wirklichen Evangelien mittelst jener Phrase auszugleichen und abzustumpfen.

Was verschlägt es der Kirche, wenn nachgewiesen wird, daß der In h a lt der Evangelien das Werk verschiedener Epochen, das Erzeugniß von Standpunkten ist, die durch eine lange Reihe von geschichtlichen Erfahrungen und Erschütterungen von einander getrennt sind? Nichts! Denn die Gewohnheit schützt sie gegen diesen Beweis — die Gewohnheit, die selbst diejenigen beherrscht, die der Heiligkeit des Buchstaben längst den Gehorsam gekün digt haben und die Unbestimmtheit ihres Unglaubens durch die Verehrung des Jota wieder gut machen.

Der herrschenden Formlosigkeit wird die vereinfachte Unter suchung, die aus dem schriftstellerischen Bau der Evangelien ihr gegenseitiges Verhältniß und ihren Ursprung bestimmt, als Formalismus, als reiner Formalismus gelten und das kirchliche Bewußtseyn wird sich freuen, daß seine Gleichgültigkeit gegen Zusammenhang und Proportion an der populären Abneigung gegen die straffe Bestimmtheit eine Stütze findet.

What does it mean if it is proved that in the Gospel of Marcuse the original type of the Gospel story has been preserved for us? *Nothing if the general indifference to detail helps the ecclesiastical consciousness and entitles it to save itself from the disintegration of the Gospels to the phrase of the Gospel and to balance and blunt the differences and contrasts of the real Gospels by means of that phrase.

What does the Church miss if it is proved that the content of the Gospels is the work of different epochs, the product of points of view separated from each other by a long series of historical experiences and shocks? Nothing! For habit protects them against this proof – the habit that dominates even those who have long since renounced obedience to the sanctity of the letter and make up for the indeterminacy of their unbelief by the veneration of the iota.

To the prevailing formlessness, the simplified investigation, which determines from the scriptural construction of the Gospels their mutual relationship and their origin, will be regarded as formalism, as pure formalism, and the ecclesiastical consciousness will rejoice that its indifference to coherence and proportion finds a support in the popular aversion to strict definiteness.

VI * *) sich erhalten hat! — wenn es nämlich unumstößlich feststcht, daß nur im Marcusevangelium die einzelnen Abschnitte correct gestaltet sind und ih r inneres Ebenmaaß sich zur Harmonie des Zusammenhangs er weitert, der sie selbst wieder zu einem fast vollendeten Ganzen zusammen- faßt, so sind einzelne Mängel seiner Darstellung, einzelne Inkorrektheiten und Dissonanzen doch so groß, daß es den Ruhm der absoluten Priorität nicht behaupten kann. Seine Vorzüge vor den beiden andern synoptischen Evangelien werden für immer feststehen; nachdem sie aber ge sichert sind, kommt es darauf an, sie m it seinen Mängeln — Mängeln, die seiner eignen Korrektheit Widerstreiten — ernstlich zusammenzubringen und die Frage nach seinem Ursprünge so wie nach seinem Verhältuiß zu den beiden andern synoptischen Evangelien noch einmal aufzunehmen. Es ist nicht das Urevangelium, aber es hat uns dasselbe am treusten erhalten. *) has been preserved!- Even if it is irrefutably certain that only in the Gospel of Mark are the individual passages correctly arranged and their inner symmetry increases to the harmony of the context, which itself combines them into an almost complete whole, the individual deficiencies of its presentation, individual inaccuracies and dissonances are so great that it cannot claim the glory of absolute priority.  Its merits over the other two synoptic Gospels will be established forever; but after they are established, it is necessary to bring them seriously together with its defects – defects which contradict its own correctness – and to take up again the question of its origin as well as of its relation to the other two synoptic Gospels. It is not the original Gospel, but it has preserved it most faithfully for us.
VII Das Heiligthum ihrer evangelischen Geschichte w ird der Kirche unverletzt erhalten bleiben, denn draußen vor den Pforten steht zur Wache die große Schaar der Ungläubigen, die die Schätze, welche ihr die göttliche Eingebung geschenkt hat, dem mysteriösen Kalten der Ueberlieferung verdanken. Fragt diese ungläubigen Wächter, ob die Ueberlieferung fähig ist, einen großen historischen Plan mit sämmtlichem Detail mit sich umher zu tragen oder zersplitterte Einzelheiten zu behalten, ob in der Menge der verschiedenartigsten Köpfe das Ganze sich als solches und m it seinem ursprünglichen Zusammenhang erhalten kann, ob bei den wechselnden Interessen der Epochen, bei der unaufhör lichen Umgestaltung der einzelnen Lebenskreise das Detail sich nicht allmählig umsormen, endlich verschwinden und zerstieben muß — ob die Ueberlieferung das Gedächtniß hat, um große, kunstreich gefügte Abschnitte zu behalten, den Athem, um sie nn- mer in Einem Zuge herzusagen, Schubfächer für kleinliche, an sich gleichgültige Notizen — fragt sie: sie werden sich im Dienst ihrer Göttin , der Tradition nicht irre machen lassen und ihre Standhaftigkeit w ird den letzten Nest des kirchlichen Dogma’s von der In spiration beschützen.

Dieser dürftige Rest kann sich sogar auf den Schutz der Ungläubigen verlassen, die der Ueberlieferung die Kraft zuschrejben, einzelne Theile der evangelischen Geschichte zu schaffen, de nen sie nicht nur als Canal, sondern auch als Quelle gilt: — fragt sie, ob die Ueberlieferung der Gemeinde in ihrer mystischen Unbestimmtheit fähig ist, einen Plan zu entwerfen und das Detail zu schaffen, ob es außer dein Schriftsteller und Künstler ein Wesen gibt, Welches die Form und Gestalt erzeugen kann, ob es außer der Form bestimmten Gehalt gibt, fragt sie, ob die Ueberlieferung die Hand um zu schreiben hat, den Geschmack, um zu componiren, die Urtheilskraft, um das Zusammenhängende zu verbinden, Fremdes abzuschneiden — die Frage wird vergeb lich seyn, die Schamanen fahren fort, das Heiligthum zu um kreisen und drinnen werden die Kirchlichen eurer lächeln, wenn ihr beweisen wollt, daß Plan wie Detail der evangelischen Geschichte der schriftstellerischen Kunst ihren Ursprung verdanken.

The sanctuary of its evangelical history will be preserved to the church unharmed, for outside the gates the great crowd of unbelievers stands guard, who owe the treasures that divine inspiration has given them to the mysterious coldness of tradition. Ask these unbelieving guardians whether tradition is capable of carrying around a great historical plan with all its details or of retaining fragmented details, whether in the multitude of the most diverse minds the whole can be preserved as such and with its original coherence, whether in the changing interests of the epochs, whether, with the changing interests of the epochs, with the incessant transformation of the individual circles of life, the detail must not gradually reshape itself, finally disappear and dissipate – whether tradition has the memory to retain large, artistically composed sections, the breath to recite them all at once, pigeonholes for petty, intrinsically indifferent notes – she asks: they will not let themselves be misled in the service of their goddess, the tradition, and their steadfastness will protect the last nest of the ecclesiastical dogma of inspiration.

This meager remnant can even rely on the protection of the unbelievers, who ascribe to tradition the power to create individual parts of evangelical history, for which it is not only a canal but also a source: – it asks whether the tradition of the church in its mystical indeterminacy is capable of drawing up a plan and creating the detail, whether there is a being apart from the writer and artist which can produce the form and shape, whether there is definite content apart from the form, it asks whether the tradition has the hand to write, the taste, the taste to compose, the power of judgment to connect the coherent, to cut off the extraneous – the question will be in vain, the shamans will go on circling the sanctuary and inside the ecclesiastics will smile at you if you want to prove that plan and detail of Protestant history owe their origin to the literary art.

VIII Für wen ist der Beweis da, daß allgemeine Grundsätze, allgemeine Anschauungen es waren, was der Gemeinde ihr Daseyn gab — daß auch die ersten Thatsachen des christlichen Bewußtseyns vom Versöhnungstod und der Auferstehung des Messias anfangs den Werth und die Form von allgemeinen Sätzen hatten und erst später zur Biographie und Suetonifchen Anekdotensammlung wurden — daß die allgemeinen Elemente, das allgemeine Wesen, das Princip und sein Verhältniß zum Beste henden, zum Gesetz und Heidenthum der Gegenstand waren, mit dem sich die erste Gemeinde beschäftigte — daß erst später die gewonnenen allgemeinen Grundsätze durch einzelne Collisionen und Aeußerungen Jesu ihre Bestätigung erhielten, die einzelnen Fälle und Aeußerungen daher mit dem allgemeinen Interesse, welches sie bestätigen und zur Anschauung bringen sollen, immer in Widerspruch stehen? – – für das kirchliche Bewußtseyn wenig stens und für diejenigen, die der mysteriösen Ueberlieferung ihre heilige Geschichte verdanken, wird dieser Beweis niemals da seyn. For whom is there proof that general principles, general views were what gave the congregation its existence – that even the first facts of Christian consciousness of the atoning death and resurrection of the Messiah at first had the value and form of general propositions and only later became a biography and a collection of anecdotes – that the general elements, the general essence, that the general elements, the general essence, the principle and its relation to the existing, to the law and to paganism were the subject with which the first church was concerned – that only later the general principles gained received their confirmation by individual collisions and utterances of Jesus, the individual cases and utterances are therefore always in contradiction with the general interest which they are to confirm and bring to view? – For the ecclesiastical consciousness at least and for those who owe their sacred history to the mysterious tradition, this proof will never be there.
IX In der Sandwüste ihrer Unklarheit und Zerflossenheit wer den die Träger des kirchlichen Bewußtseyns unbesieglich und unwiderleglich jedem Fortschritt der Cultur widerstehen und wenn sie gegen die Forschung eines Bundesgenossen bedürften, so ist er ihnen in jenen gewaltigen Geistern gewiß, die in ihrem Unglauben so sicher sind, daß sie den Kamps unnöthkg, das Detail des Beweises einen Ueberfluß, die Ausführung eine unnütze Last nennen. Allerdings benutzt die Kirche diese Bundesgenossen, aber sie schlagt sie zuletzt, wenn sie ihre Hilfe benutzt hat, unfehlbar auf das Haupt. So brach sich der letzte europäische Völker aufstand zuerst am Bollwerke der Staatskirche E nglands, auf dem Festtande mußten sich die Neformbestrebungen der Haupt städte der kirchlichen Gewohnheit des platten Landes gefangen geben, die bescheidnen Grundrechte des deutschen Parlaments konnten den Uebergang vom Papier ins Leben nicht finden, weil sie sich im Labyrinth der kirchlichen R uinen, die die bürgerliche Aufklärung gegen den ernstlichen Angriff vertheidigt, verloren, und jetzt gibt die Kirche die Zügel der Regierung denjenigen in die Hand, von denen sie erwarten kann, daß sie die Völker für den oberflächlichen Auffland gegen ihr uraltes Privilegium bestrafen werden.

Die Kirche bleibt, aber es wird ihr mittelst der Forschung das Detail ihres Besitzes entzogen werden.

Die Unbestimmtheit der Geister, die sie als schützender Wall umgibt und in deren Nebelbildern sich ihre Voraussetzungen in abgeschwächter Gestalt wiederholen, wird bleiben — wenn die Kirche im Christenthum nur die äußerliche Ausführung eines längst geweissagten und in der Erw artung des jüdischen Volks feststehenden und dogmatisch ausgebildeten Planes sah, wird die Aufklärung darauf bestehen, daß das Christenthum weiter Nichts als „die Anwendung einer Vorgefundenen messianischen Dogmatik auf die Person Je su ” sey — aber diese Aufklärung w ird auch bei ihrem Mangel an Selbstgefühl die Beute jedweder Gewalt bleiben — sie wird sich als der geistlose Niederschlag des Christenthums erhalten und den negirenden und schöpferischen Geist desselben wird die Forschung als Gewinn davontragen und in die Zukunft mit hinübernehmen, indem sie die Chimäre jener vor christlichen messianischen Dogmatik beseitigt und den Beweis lie fert, daß die Gemeinde ihre Dogmatik selbst geschaffen hat und im ersten Selbstgefühl ihrer höhern Macht und Würde den Quell der Ueberzeugung enthielt, daß sie der Zweck des A . T . und dieses ihre Weissagung sey.

In the sandy desert of their obscurity and dissolution, the bearers of ecclesiastical consciousness will invincibly and irrefutably resist any progress of culture, and if they were in need of an ally against research, they are sure of one in those mighty spirits who are so secure in their unbelief that they call the campsöthkg, the detail of the proof an abundance, the execution a useless burden. To be sure, the church uses these confederates, but in the end, when it has used their help, it unfailingly strikes them on the head. Thus the last European peoples’ uprising broke out first at the bulwark of the state church of England, on the mainland the reform efforts of the capitals had to surrender to the ecclesiastical custom of the plains, the modest fundamental rights of the German parliament could not find the transition from paper to life, because they were lost in the labyrinth of ecclesiastical r uines which the bourgeois Enlightenment defends against serious attack, and now the church is giving the reins of government into the hands of those whom it can expect to punish the peoples for the superficial rebellion against its ancient privilege.

The Church remains, but by means of research the detail of its possession will be taken from it.

The vagueness of the spirits that surrounds it as a protective wall and in whose nebulous images its presuppositions are repeated in a weakened form will remain – if the church saw in Christianity only the outward execution of a plan long since prophesied and fixed and dogmatically formed in the expectation of the Jewish people, the Enlightenment will insist,  that Christianity is nothing more than “the application of a found messianic dogmatics to the person of Jesus” – but this Enlightenment, even with its lack of self-awareness, will remain the prey of any violence – it will remain as the spiritless precipitation of Christianity and the negating and creative spirit of the same will be carried away by research as a profit and carried over into the future, by eliminating the chimera of that pre-Christian messianic dogmatics and providing the proof that the congregation created its dogmatics itself and contained in the first self-feeling of its higher power and dignity the source of the conviction that it was the purpose of the O . T . and that this is its prophecy.

X Die Verwirrung des Bewußtseyns, in der sich alle Unterschiede der Evangelien verlieren, wird bleiben, aber unschädlich wird sie werden, wenn der grellste Widerspruch, der sich im vier ten Evangelium concentrirt, der Widerspruch zwischen dessen neuen Tendenzen und Absichten und zwischen Voraussetzungen, die nur in den synoptischen Evangelien zu Hause, in diesen nur wirklich ausgeführt sind, von den Gläubigen wohl gelaugnet, aber nicht mehr umgefloßen werden kann.

Das Alterthum ist so geschwächt, das Bewußtseyn der Gegenwart, in dem das gesammte Alterthum verwest, ist so theilnahmlos geworden, daß es nicht einmal an sich selber mehr Interesse nimmt und die Frage , die endlich einmal gestellt wer den m uß, die Frage , ob Paulus wirklich der Verfasser der Briefe seyn kann, die die bisherige theologische Kritik für unan greifbar und unverletzlich hielt, die Frage also, ob die Revolution, die den neuen Gehalt und die Uebermacht des Christen thums über die Gegensätze der alten Welt constituirte, eine rein jüdische That war oder aus der Reibung der chaotischen Kämpfe aller Culturelemente der alten Welt sich entzündete — für eine höchst gleichgültige Frage hält. Aus Gleichgültigkeit gegen sich selbst ignorirt das Alterthum die Forschung — aber es meidet sie auch deshalb, weil es nicht erkannt seyn, d. h. sich nicht auf geben will und weil eS in feiner Halbheit, Geschwachtheit und Verstimmung doch noch einmal zu siegen hofft. War doch die europäische Erschütterung des Jahres 1848 eine Folge der pas-siven Auflösung, der das gesammte Alterthum anheimgesallen ist — warum soll der Verfa ll nicht öfter noch zu Augen blicken führen, in denen wiederum ganze Theile des alten Ge bäudes krachend Zusammenstürzen? Es wird geschehen, aber der Verfall, auch der krachende Zusammensturz wird nie ein Sieg und die verfallende Culturw elt des Westens, der es vor ihrer Selbsterkenntniß graut, wird doch die Beute des Herrn werden, der erst das große Terrain schaffen wird , auf dem es sich zu kämpfen verlohnt und die Forschung als Siegerin über das Alterthum sich bewähren wird.

The confusion of consciousness, in which all differences of the gospels are lost, will remain, but it will become harmless, when the most glaring contradiction, which is concentrated in the fourth gospel, the contradiction between its new tendencies and intentions and between presuppositions, which are only at home in the synoptic gospels, in these only really executed, can be denied by the believers, but can no longer be circumvented.

The antiquity has become so weakened, the consciousness of the present, in which the entire antiquity is decaying, has become so indifferent that it no longer even takes an interest in itself, and the question that must finally be asked, the question of whether Paul can really be the author of the epistles, which previous theological criticism held to be intangible and inviolable, The question whether the revolution that constituted the new content and the supremacy of Christianity over the antagonisms of the old world was a purely Jewish act or was ignited by the friction of the chaotic struggles of all cultural elements of the old world – is considered a highly indifferent question. Out of indifference to itself, antiquity ignores research – but it also avoids it because it does not want to be recognized, i.e. because it does not want to give itself up, and because it hopes to win once again in its subtle half-heartedness, weakness and disgruntlement. If the European upheaval of 1848 was a consequence of the passive dissolution to which the entire antiquity fell victim, why should the fall not more often lead to glimpses in which whole parts of the old edifice once again collapse with a crash? It will happen, but the decay, even the crashing collapse, will never be a victory, and the decaying cultural world of the West, which is afraid of its self-knowledge, will nevertheless become the prey of the Lord, who will only create the great terrain on which it is worth fighting and research will prove itself as the victor over antiquity.

XI Die Auflösung der christlichen Welt wird ihren Gang gehen, aber wir werden uns in ihr orientiren und mitten im allgemeinen Verfall uns selbst behaupten, indem wir ihr Vorbild, die Auflösung des morgenländischen und classischen Alterthums und das Christenthum selbst als diese Auflösung kennen lernen.

Diese Auflösung der alten Welt und den Aufgang des Christenthums wird das vorliegende Werk schildern. Um den wirklich geschichtlichen Grund und Boden zu gewinnen, werden wir zuvor das D etail der heiligen Geschichte untersuchen und das schriftstellerische Verhältniß der Evangelien sowohl zueinander als zu den gleichzeitigen und vorangehenden Erzeugnissen des christlichen Bewußtseyns den Ursprung der evangelischen Anschauung überhaupt deuten lassen*).

Das spätere Machwerk wird zum Ursprünglichen führen: — den Anfang macht daher das späteste, das vierte Evangelium.

The dissolution of the Christian world will take its course, but we will orient ourselves in it and assert ourselves in the midst of the general decay by getting to know its model, the dissolution of the Oriental and Classical antiquity, and Christianity itself as this dissolution.

The present work will describe this dissolution of the ancient world and the rise of Christianity. In order to gain the real historical ground, we will first examine the tail of sacred history and let the scriptural relationship of the Gospels both to each other and to the contemporaneous and preceding products of Christian consciousness interpret the origin of the evangelical view in general*).

The later work will lead to the original: therefore, the latest, the fourth Gospel, makes the beginning.

XI * *) werde ich namentlich meinen frühern Arbeiten auf diesem Gebiete die W iderlegung angedeihen lassen, die Andere ohne Erfolg versucht haben — aber zugleich die durchgreifende W iderlegung, die ihrem blei benden Gehalt die Vollendung gibt, die er verdient und soweit ich sie ihm jetzt zu geben im Stande bin. *In this way, I will give my earlier works in this field the rejection that others have attempted without success – but at the same time the thorough rejection that will give their lasting content the completion that it deserves and that I am now able to give it.
Page 3

1.

Das Zeugniß des Täufers und die Findung der Jünger.

C. 1., 19. — C. 2., 2.

1.

The Testimony of the Baptist and the Finding of the Disciples.

C. 1, 19. – C. 2, 2.

3/4 Das Geschick, mit dem der vierte Evangelist im historischen Eingang seiner Geschichtsarbeit den Vorläufer seines Herrn zum Mittelpunkt einer Gruppirung macht, in welcher die Furcht und Hoffnung des Alten den Mann, der vom Aufgang des Neuen, der längst erwarteten Heilssonne Zeugniß ablegt, befeinden und sich von ihm zum Gnadenspender Hinweisen lassen,——-

der glückliche Gedanke, ein Werk, in welchem Haß und Liebe um den Herrn sich streiten, die Mordsucht ihm beständig nachstellt und der blutige Haß vor seiner Majestät ohnmächtig abprallt, mit der Dissonanz zu beginnen, die jeden Abschnitt desselben durchzieht, und in der Sicherheit, mit der der Täufer die Botschafter der feindseligen Obrigkeit zurechtweist, die Harmonie anzudeuten, in welche sich im Verlauf des Werks die schroffsten Dissonanzen auflösen,——-

die Büancirung, mit der der Evangelist seine erste Gruppe abtheilt und die Erwartung des Neuen in drei Bildern darstellt, — wie er die Erwartung zuerst in dem Argwohn und in der ungenekgten Angst der Prieflerschaft abbildet, sodann den Täufer mit ausgeflreckter Hand in dieser auf das Neue hinweisenden Haltung in der Mitte stehen läßt und endlich durch die Jünger, die sich durch das Zeugniß ihres Lehrers zur Nachfolge Jesu getrieben fühlen, den Uebergang vom Kreis der Erwartung zu dem der Erfüllung vermittelt und den letztern wirklich eröffnet,——-

The fate with which the fourth evangelist, in the historical entrance of his historical work, makes the forerunner of his Lord the center of a grouping, in which the fear and hope of the old man oppose the man who bears witness to the rising of the new, the long awaited sun of salvation, and allow himself to be pointed out by him as the giver of grace,——-.

the happy thought of beginning a work in which hatred and love contend for the Lord, murderousness constantly pursues him, and bloody hatred impotently rebounds before his majesty, with the dissonance that pervades every section of it, and in the certainty with which the Baptist rebukes the messengers of the hostile authorities, to suggest the harmony into which the most abrupt dissonances dissolve in the course of the work,——-

the description, with which the evangelist divides his first group and presents the expectation of the new in three pictures, – how he depicts the expectation first in the suspicion and in the unseen fear of the priesthood, then he lets the Baptist stand in the middle with his hand outstretched in this attitude pointing to the new, and finally, through the disciples, who feel driven to follow Jesus by the testimony of their teacher, he mediates the transition from the circle of expectation to that of fulfillment, and really opens the latter. ——-

4/5 die Gewalt, mit der er beide Kreise aneinander kettet, indem sein Herr in dem Kreise der Erwartung schon dasteht, aber noch verborgen für den Unglauben, wenn der Täufer zu den Abgesandten der Priesterschaft sagt: mitten unter euch steht er, aber ihr kennt ihn nicht — in dem er ihn sodann, während der Täu- fer von ihm vor den Jüngern zeugt, zwar schon sichtbar, aber ge- heimnißvoll und gleichsam im Zwielicht vorüberschweben läßt——

die entscheidende Gewalt endlich, mit der er den Leser in die Welt des Heils versetzt und in dem Kreis der Erfüllung, in welchem der Herr in voller Lebendigkeit vor den gläubigen Jüngern dasteht und der Himmel geöffnet ist und die Engel Gottes hinauf und herabsteigen auf des Menschen Sohn, so- gleich heimisch werden läßt, so daß kein Wunder, wäre es noch so groß und überraschend und zöge es die ganze Kraft des Himmels in ein einzelnes irdisches Ereigniß herab, ihn befremden kann——-

— das Alles kann künstlerisch, die Composition, die dar- aus hervorgegangen ist, ein Kunstwerk scheinen.

Aber was für ein Kunstwerk? Gehört es jener Periode an, in welcher die gestaltende Kraft sich an ihrem Gegenstände noch mühsam versucht und in den steifen Gestalten, in den eckigen Bewegungen, in den harten Gruppen, die sich noch nicht selber deuten, in den Figuren, die ihr Wesen noch nicht zur vollendeten Erscheinung bringen können und des beschriebenen Papierstreifens bedürfen, der ihre Seele aus dem Leibe zieht und dem Auge zur Anschauung bringt, von ihrer Ohnmacht Zeugniß ablegt — jener Periode der ersten Versuche, an welche uns die steife, eckigte Haltung des Täufers mahnt, wenn wir sehen, wie er regungslos mit aufgehobenem Arme dasteht und statt in der Handlung uns sein Wesen zu eröffnen, die steife Bildsäule bleibt, die sich darauf verläßt, daß die Unterschrift, die ihr der Künstler in dem Sockel eingegraben hat, sie kenntlich machen wird — jener Periode, die allen ihren Figuren immer nur dieselbe Haltung gibt, so daß nun, wenn der Täufer den Arm aufgehoben und auf den Messias gezeigt hat, auch seine Jünger den Arm erheben und einander den Erlöser weisen und endlich der Herr auch nur den Arm ausheben und auf den geöffneten Himmel zeigen kann?

the force with which he chains the two circles together, in that his Lord is already present in the circle of expectation, but still hidden from unbelief, when the Baptist says to the emissaries of the priesthood: in the midst of you he stands, but you do not know him – in which he then, while the Baptist testifies of him before the disciples, lets him float by, already visible, but secretly and as it were in twilight——

the decisive force, finally, with which he transports the reader into the world of salvation and makes him feel at home in the circle of fulfillment, in which the Lord stands before the believing disciples in full life and heaven is open and the angels of God ascend and descend upon the Son of Man, so that no miracle, however great and surprising it may be and however much the whole power of heaven may be drawn down into a single earthly event, can alienate him.

– All this can seem artistic, the composition that emerged from it a work of art.

But what kind of work of art? Does it belong to that period in which the creative force is still laboriously trying out its object and in the stiff figures, in the awkward movements, in the hard groups that do not yet interpret themselves, in the figures that have not yet reached their essence? who are not yet able to bring their essence to a complete appearance and need the written strip of paper that pulls their soul out of the body and brings it to the eye, bears witness to their powerlessness – that period of the first attempts, of which the stiff, angular posture of the Baptist reminds us when we see him motionless with his head raised, that period which always gives all its figures only the same posture, so that now, when the Baptist has raised his arm and pointed to the Messiah, his disciples can also raise their arms and point to the Redeemer, and finally the Lord can also only raise his arm and point to the open sky?

5/6 Oder gehört das Werk jener spätern Periode an, die schon jenseits der vollendeten Kunstgestaltung liegt und wenn sie sich auch noch in der Gestaltung versuchen will, die plastischen Formen, die sie vor Augen hat und wo möglich zu übertreffen gedenkt, nur noch ins Phantastische hinaustreiben und an die Stelle der ruhig bewegten Gegensätze nur übertriebene, Haltungslose Contraste setzen kann? Weist uns die unsichere Haltung Jesu, der nicht weiß, wohin er seinen Fuß setzen und bis wie weit er vorschreiten soll, während der Täufer auf ihn hinzcigt und sein Zeugniß über ihn in ganzer Ausführlichkeit hersagt, weist uns die aufdringliche Absichtlichkeit, mit der der Evangelist dreimal hintereinander den Täufer zum Ablegen seines Zeugnisses bewegt, weist uns endlich der Haltungslose Pomp, mit dem der heilige Geschichtschreiber seinen Herrn die ersten Jünger auf seine Macht und Herrlichkeit aufmerksam machen läßt, so wie der Umstand, daß der Evangelist sein Geschichtswerk sogleich mit dem schroffsten Contrast zwischen den obrigkeitlichen Vertretern des Alten und dem Herold des Neuen, zwischen der Stumpfheit des officiellen Judenthums und der spekulativen Reflexion des Täufers über den Zusammenhang des Heils eröffnet, zu die-ser spätern Periode der zugleich verschwimmenden und verrenkten Gestaltung hin?

Welche Fragen! Ich gebe euch die Geschichte, erwidert der Evangelist, genau wie sie ist — weiter Nichts. Von dem Augenblicke an, wo der Täufer vor den Abgesandten der Obrigkeit sein Zeugniß abgelegt, zähle ich nach Tagen, ich gebe Ort und Stunde an, wo der Herr zum erstenmal mit seinen Jüngern verkehrt, ich bestimme die Augenblicke, in denen mein Herr seine Jünger einen nach dem andern an sich gezogen, ich sage es euch, wie viel Tage verflossen, bis der Herr von diesem Schauplatz seines Auftretens in Kana, wo er sein erstes Wunder der That vollbrachte, anlangte, — und ihr fragt noch, welcher Kunstperiode mein Werk, mein Geschichtswerk angehört?

Allerdings! Die Frage bleibt — nur wird die Beantwortung zugleich diese Behauptung des Evangelisten in ihr wahres Licht setzen. Die Untersuchung des historischen Eingangs, der uns zu jenen Fragen Anlaß und dem Evangelisten zu seiner protestirenden Behauptung den Muth gab, wird die Entscheidung sicher vorbereiten.

Or does the work belong to that later period, which already lies beyond the perfection of artistic design, and if it still wants to try its hand at design, the plastic forms, which it has in mind and where possible intends to surpass, can only drift into the fantastic and in place of the calmly moving contrasts only exaggerated, postureless contrasts? Does the uncertain posture of Jesus, who does not know where to set his foot and how far to advance, while the Baptist points to him and recites his testimony about him in full detail, point us to the obtrusive intentionality with which the evangelist persuades the Baptist three times in succession to give his testimony, finally points us to the postureless pomp, with which the sacred historian makes his Lord draw the attention of the first disciples to his power and glory, as well as the fact that the evangelist immediately opens his work of history with the most abrupt contrast between the authoritative representatives of the old and the herald of the new, between the bluntness of official Judaism and the speculative reflection of the Baptist on the context of salvation, points us to this later period of at once blurred and dislocated design?

What questions! I give you the story, the evangelist replies, exactly as it is – nothing more. From the moment when the Baptist gave his testimony before the emissaries of the authorities, I count by days, I indicate the place and hour when the Lord first met his disciples, I determine the moments when my Lord drew his disciples to himself one by one, I tell you how many days passed until the Lord arrived from this scene of his appearance in Cana, where he performed his first miracle of deed, – and you still ask to which artistic period my work, my work of history belongs?

Indeed! The question remains – only the answer will at the same time put this assertion of the evangelist in its true light. The examination of the historical entrance, which gave us reason for these questions and gave the evangelist the courage for his protesting assertion, will certainly prepare the decision.

—— ——
6/7 Zuerst die Gesandtschaft der Priester an den Täufer (V. 19—28.).

Die „Juden” — so nennt der Verfasser in seiner Entfremdung gegen den geschichtlichen Boden, auf dem sein Evangelium sich bewegt, die obrigkeitliche Macht, die er sich immer nur in feindlichem Gegensatz gegen das Heilswerk denkt — haben also Leviten und Priester als Botschafter an den Täufer abgeschickt, die ihn fragen, ob er wirklich der Messias sey. Der Evangelist läßt sie zwar anfangs nur fragen: „wer bist du?” — allein so unbestimmt und allgemein läßt er sie nur deshalb fragen, weil er zugleich eine bestimmte einzelne Frage hinstellen und doch auch eine Art von Ueberschrift für die folgenden Fragen geben, d. h- andeuten will, daß die Botschafter für jeden Fall den Auftrag hatten, den Täufer nach seiner eigentlichen Bestimmung zu fragen. Daß er sich aber in Wirklichkeit als ihre erste Frage die denkt, ob der Täufer der Messias sey, erhellt nicht nur aus der kategorisch abweisenden und verneinenden Antwort desselben: „ich bin nicht der Messias”, sondern auch aus dem Gewicht, welches er auf diese Antwort legt, indem er sie mit dem wiederholten: „er bekannte”, einführt und sogar noch hinzufügt: „er läugnete nicht”, (daß er nämlich nicht der Messias sey). Aus alledem aber, was selbst die Evangelien über die persönliche Haltung des Täufers, was sie als die Summe und als das Wesen seiner geschichtlichen Wirksamkeit berichten, erhellt wenigstens so viel, daß der Täufer nie auf den Gedanken kam, sich für den Messias zu halten, und daß er weder durch Wort noch durch That zu der Vermuthung Anlaß gab, er könne am Ende selbst der Messias seyn. Schickte daher die Obrigkeit zu Jerusalem an ihn eine Botschaft, so mußte er bereits durch eine längere Wirksamkeit und durch das Aufsehen, das er unter dem Volk erregt hatte, ihre Aufmerksamkeit erregt und mußte sie es selbst, auch wenn sie es nicht der Mühe für werth hielt, vor der Absendung ihrer Botschaft Erkundigungen über ihn von weitem einzuholen, bestimmt genug erfahren haben, daß er es sich nie hatte einfallen lassen, sich für den Messias auszugeben.

First, the message of the priests to the Baptist (vv. 19-28).

The “Jews” – so the author calls in his alienation against the historical ground on which his gospel moves, the sovereign power, which he always thinks of only in hostile opposition to the work of salvation – have thus sent Levites and priests as ambassadors to the Baptist, who ask him whether he really is the Messiah. The evangelist lets them ask at the beginning only: “who are you? – But he lets them ask in such a vague and general way only because he wants to pose a specific question and at the same time give a kind of heading for the following questions, i.e. to indicate that the ambassadors had the task to ask the Baptist about his actual destiny. That the first question he had in mind was whether the Baptist was the Messiah, is not only clear from his categorically negative answer: “I am not the Messiah”, but also from the weight he puts on this answer, introducing it with the repeated: “he confessed”, and even adding: “he did not deny”: “he did not deny” (that he was not the Messiah). But from all that even the Gospels report about the personal attitude of the Baptist, what they report as the sum and as the essence of his historical activity, at least this much is clear: that the Baptist never had the idea to think of himself as the Messiah, and that he neither by word nor by deed gave rise to the assumption that he himself could be the Messiah in the end. Therefore, if the Jerusalem authorities sent a message to him, he must have already attracted their attention through his prolonged activity and through the stir he had caused among the people, and they must have known for certain enough, even if they did not consider it worth the trouble to make inquiries about him from afar before sending their message, that he had never taken it into his head to pretend to be the Messiah.

7/9 Die erste Frage ist daher unmöglich — abgeschnitten durch den Typus der heiligen Geschichte, wie er in den drei ersten Evangelien vorliegt — abgeschnitten durch das vierte Evangelium selbst, welches mit diesem Typus wenigstens so weit über- einstimmt, daß es Nichts zu berichten weiß, was nur im entferntesten das Volk und dessen Obern auf den Gedanken bringen konnte, der Täufer könne wohl selbst der Messias seyn oder sich für den Verheißenen halten. Wenn sie aber auch kraft dieses Typus vom vierten Evangelium zurückgewiesen wird, so ist sie doch in demselben zu Hause, da es dem Verfasser desselben gerade eigen ist, mit gesuchter Absichtlichkeit und Reflerion auf das Zeugniß des Täufers ein besonderes Gewicht zu legen, und da es somit in seinem Interesse lag, diesem Zeugniß einen offiziellen Charakter zu geben, ein Interesse, welches er befriedigte, indem er die Botschaft der höchsten Obrigkeit in Bewegung setzte, damit der Täufer Gelegenheit erhielt, seinem Zeugniß die gerichtliche Notarietät — wir können es geradezu sagen: diplomatische Authenticität zu geben, denn die Mächte des Alten und Neuen sollen in diesem Zwiegespräch in einen offenkundigen Verkehr treten, der jeden Zweifel über ihre Natur und Bestimmung niederschlägt.

Frage und Antwort sind vom Evangelisten gemacht — von ihm erst ist der Vorläufer in eine Collision und in eine Untersuchung gezogen, die nach dem, was selbst die Evangelien über die Art seines Auftretens und seiner Wirksamkeit, so wie über seine Predigt berichten, schlechterdings unmöglich waren.

Die Abgesandten der Juden fragen nun den Täufer, ob er EliaS sey. Wie aber? Nur gelegentlich sollen die Gegner des Neuen, noch dazu die verstockten, verblendeten Gegner auf den Gedanken gekommen seyn, der Täufer könne vielleicht der Elias seyn, den der Prophet Maleachi als den Herold des Messias verheißt? Diese schwierige Arbeit, das Wesen einer Persönlichkeit als die ideale Einheit der Elemente zu deuten, die sie aus der Vergangenheit in ihr Selbstbewußtsein zusammen gefaßt hat, sollen die Priester, die nach dem Evangelisten selber nur die befangenen und verfinsterten Vertreter der alten gottvergessenen Welt sind, in der blinden Angst ihres Inquisitoriums vollbracht haben? Vielmehr hat nur der spätere höhere Stand Punkt das Glück und die Fähigkeit, die vorbereitenden Elemente, die eine geschichtliche Persönlichkeit in der Vergangenheit besitzt, in Eine Anschauung zusammenzufassen. Im Ernst und in der Ausbreitung seiner geschichtlichen Arbeit war nicht einmal der Täufer selbst dazu fähig, diese theoretische Selbstanschauung in der Vergangenheit zu vollziehen — erst auf einer spätern Höhe ist es möglich, diesen Zusammenhang der nähern und entfernteren Vergangenheit zu übersehen und in Ein Symbol zusammenzufassen.

The first question is therefore impossible – cut off by the type of the holy story as it is in the first three gospels – cut off by the fourth gospel itself, which agrees with this type at least so far that it does not know anything to report, which could only remotely make the people and their rulers think that the Baptist could be the Messiah himself or consider himself to be the promised one. But even if it is rejected by the Fourth Gospel by virtue of this type, it is nevertheless at home in it, since it is characteristic of its author to place special emphasis on the testimony of the Baptist with deliberateness and reflection, and since it was thus in his interest to give this testimony an official character, an interest which he satisfied by setting in motion the message of the highest authority so that the Baptist would have the opportunity to give his testimony the judicial notarial authenticity – we might even say diplomatic authenticity: diplomatic authenticity, because the powers of the old and the new are to enter into a manifest intercourse in this dialogue, which puts down every doubt about their nature and destiny.

Question and answer are made by the evangelist – only by him the forerunner is drawn into a collision and into an investigation, which were absolutely impossible after what even the gospels report about the kind of his appearance and his effectiveness, as well as about his sermon.

The emissaries of the Jews now ask the Baptist if he is Elijah. But how? Only occasionally the opponents of the new, even more so the obdurate, blinded opponents, should have had the idea that the Baptist could perhaps be the Elijah whom the prophet Malachi promises as the herald of the Messiah? This difficult work of interpreting the essence of a personality as the ideal unity of the elements which it has gathered from the past into its self-consciousness is supposed to have been accomplished by the priests, who, according to the evangelist himself, are only the biased and darkened representatives of the old God-forsaken world, in the blind fear of their inquisitions?  Rather only the later higher state point has the luck and the ability to summarize in One view the preparatory elements which a historical personality possesses in the past. In the seriousness and in the expansion of his historical work not even the Baptist himself was able to accomplish this theoretical self-view in the past – only on a later height it is possible to overlook this connection of the nearer and more distant past and to summarize it in One Symbol.

9/10 Unter dem Volk war aber doch zur Zeit des Täufers die Erwartung des verheißenen Elias allgemein verbreitet! Ja, sie war es, wenn nur an diesem Punkte der Weltgeschichte, wo ein neues — ein neues! — Princip aufgehen und die gesammte alte, die jüdische sammt der heidnischen Welt, in einem vollständigen Umschwung des Bewußtseyns untergehen sollte, wenn nur hier, an diesem Wendepunkt der Geschichte das Unding stattfand, daß das Neue vor dem — Neuen schon vorhanden war und die Persönlichkeiten, die das Neue erst schaffen und aus der Tiefe ihres Innern hervorziehen und gestatten sollten, vielmehr dasselbe schon gestaltet vorfanden und ihre Wirksamkeit nur auf das Eine Wort zu beschränken brauchten: wir sind die Gestalten, die euch, dem Volke, längst vor Augen standen!

Aber die jüdischen Zeugnisse, die es doch beweisen, daß v das Volk zur Zeit des Täufers den Elias erwartete! Sie gehören vielmehr einer spätern Zeit an, sind allmählig aus der Berührung mit der christlichen Vorstellung entstanden und Jahrhunderte bedurfte es, eines Kampfs von Jahrhunderten, ehe der Elias als diese stehende Persönlichkeit, die den Gefangenen Israels am Ende der Tage geschickt wird, aus der christlichen Welt in das Targum Jeruschalmi sich einbürgern konnte. Nur das widergeschichtliche Interesse der christlichen Apologetik, die sich selber aufgeben müßte, wenn sie Etwas von der Natur der geschichtlichen Entwicklung ahndete und die Geschichte nicht mehr mit der Voraussetzung tödtete, daß diese fertig abgeschlossen war, ehe ihre Heroen auftraten und sich persönlich abmühen mußten, konnte auf jene jüdischen Zeugnisse Gewicht legen — nur die Unkritik der Aufklärung, die eine geschichtliche Erscheinung nur erklären kann, indem sie das durchgängige Ebenbild derselben als Voraussetzung ihr vorausschickt und das Neue als Wiederholung dieser Voraussetzung faßt, war fähig, Bertholds Christologie hervorzubringen — nur die Gewohnheit, die zugleich die Theologie des gegenwärtigen Jahrhunderts und die ersten Versuche der neuern Kritik fesselte, war im Stande, auf Bertholds Buch wie auf ein Evangelium zu schwören.

Im synoptischen Geschichtskreise ist es Jesus vielmehr, der zuerst den Täufer als den verheißenen Elias deutet und mit seiner Deutung den Jüngern etwas Neues, vorher noch nicht Aufgeschlossenes sagen will; — in demselben GeschichtskreiS hat sich auch noch das Gefühl dafür erhalten, daß diese Anschauung von dem Zusammenhang zwischen dem Täufer und der Verheißung des kommenden Elias eine neue sey, die sich noch nirgends vorfand, indem Jesus seiner Deutung den Zusatz nachschickt *): (Matth. 41, 14) „wenn ihr es annehmen wollt.”

Aber im vierten Evangelium erklärt der Täufer auf die Frage der Botschafter, er sey nicht Elias?

But at the time of the Baptist the expectation of the promised Elijah was common among the people! Yes, it was, if only at this point in the history of the world, where a new – a new! – If only here, at this turning point of history, the absurdity took place that the new was already present before the new and that the personalities who were supposed to create the new and to draw it out of the depths of their inner being and to allow it, found it already formed and had only to limit their effectiveness to the one word: “We are the figures that have long been before your eyes, the people!

But the Jewish testimonies, which prove that the people were expecting Elijah at the time of the Baptist! They rather belong to a later time, have gradually arisen from the contact with the Christian conception and it took centuries, a struggle of centuries, before Elijah could naturalize himself from the Christian world into the Targum Yerushalmi as this standing personality, who is sent to the captives of Israel at the end of days. Only the anti-historical interest of Christian apologetics, which would have to give itself up if it suspected something of the nature of historical development and no longer killed history with the presupposition that it was finished before its heroes appeared and had to struggle personally, could put weight on those Jewish testimonies – only the uncriticism of the Enlightenment, Only the uncriticism of the Enlightenment, which can only explain a historical phenomenon by sending the consistent image of it as a precondition before it and grasping the new as a repetition of this precondition, was capable of producing Berthold’s Christology – only the habit, which at the same time bound the theology of the present century and the first attempts of modern criticism, was able to swear on Berthold’s book as on a gospel.

In the synoptic historical circle, it is Jesus who first interprets the Baptist as the promised Elijah and with his interpretation wants to tell the disciples something new, something that had not been revealed before; – in the same historical circle, the feeling has also been preserved that this view of the connection between the Baptist and the promise of the coming Elijah is a new one, which was not yet found anywhere, in that Jesus adds to his interpretation *): (Matth. 41, 14) “if you want to accept it.”

But in the fourth gospel, the Baptist, when asked by the messengers, declares that he is not Elijah?

10* *) Wir lassen es hier noch unentschieden, ob das Subject, welches in dieser Beziehung wirklich thätig war, Jesus ist oder der spätere evangelische Geschichtschreiber. *) We leave it undecided here, whether the subject, who was really active in this relation, is Jesus or the later evangelical historian.
10/11 Das mag der Evangelist selber verantworten! Wir werden es erklären, aber nicht damit zu vertuschen suchen, daß wir etwa unter Voraussetzung jenes Volksglaubens behaupten, der Täufer habe sich in idealem Sinne allerdings für den verheißenen Etias gehalten und nur deshalb die Frage der Priester verneint, weil sie die Verheißung deS Maleachi von der Wiederkehr der empirischen Person des Elias verstanden hätten, — denn war es ihm so leicht, aus einer Frage, die unbefangen genug lautet, auf entfernte Hintergedanken zu schließen, so hätte es ihm auch keine Schwierigkeit gemacht, jene falsche Voraussetzung der Gesandten zu berichtigen, und er wäre sogar eine in diesem Sinne motivirte Antwort dem Ansehn seiner Obrigkeit, sich selbst, der Nachwelt und zunächst seinen Schülern schuldig gewesen.

Auch die folgende Frage: „bist du der Prophet?” verneint der Täufer. Allerdings mußte er sie auch verneinen, wenn er die erste, ob er der Messias sey, bereits verneint hat, da der Ausdruck „der Prophet” etwas so Ausschließliches hat, die Vorstellung einer so hohen Würde erweckt, daß er nur von dem Messias verstanden werden kann und auch von dem vierten Evangelisten selbst (E. 6, 14) zur Bezeichnung des Messias gebraucht wird. Dennoch aber ist doch offenbar der Fortgang des Gesprächs, ist die Stellung der Frage der Art, daß sie zu einer niedrigeren Stufe der Würde herabsteigen soll, und ihr Sinn kann kein anderer als der seyn: „wenn du also weder der Messias, noch Elias bist, so bist du wenigstens der Prophet?”

Allerdings ist es so — dann aber auch desto schlimmer für den Evangelisten, denn dann zeigt es sich, daß hier nicht wirkliche Menschen sprechen, sondern er selbst nur alle möglichen theokratischen Würden und Titel zusammengetragen und ungeschickt genug so gruppirt hat, daß er in der Meinung, zu einer niedem Stufe, ja zur niedrigsten Stufe herabzusteigen, sich wieder auf die höchste verirrt hat.

The evangelist himself may be responsible for this! We will explain it, but we will not try to cover it up by claiming that the Baptist had considered himself to be the promised Elijah in an ideal sense and had denied the question of the priests only because they had understood Malachi’s promise of the return of the empirical person of Elijah, – For if it was so easy for him to infer distant ulterior motives from a question that is unbiased enough, it would not have been difficult for him to correct the false assumption of the messengers, and he would even have owed an answer motivated in this sense to the prestige of his authority, to himself, to posterity and first of all to his disciples.

Also the following question: “Are you the prophet? However, he also had to answer it in the negative, if he had already answered the first question, whether he was the Messiah, since the expression “the prophet” has something so exclusive, the idea of such a high dignity, that it can only be understood by the Messiah and is also used by the fourth evangelist himself (E. 6, 14) to designate the Messiah. Nevertheless, the course of the conversation, the position of the question, is obviously to descend to a lower level of dignity, and its meaning can be no other than: “if you are neither the Messiah nor Elijah, are you at least the prophet?”

Of course it is so – but then also the worse for the evangelist, because then it shows that here not real men speak, but he himself has only gathered all possible theocratic dignities and titles and clumsily enough grouped them in such a way that in the opinion of descending to a lower level, even to the lowest level, he has again strayed to the highest.

11/13 Das Wort Prophet machte diese Verirrung möglich. Der Täufer war ein Prophet — (wenn auch nicht der Prophet) — „es ist kein größerer Prophet denn Johannes” sagt Jesus Luk. 7, 28; aber, heißt es zugleich in der Schrift des Matthäus: „er war auch mehr denn ein Prophet”;——doch abgesehen von dem bloßen Wort „Prophet” gehören alle diese Bestimmungen nicht hieher: ein Schriftsteller, der in der Meinung, zu einer niederen, ja zur letzten Stufe der theokratischen Würden herab- zusteigen, wider Wissen sich zur höchsten verirrt, hatte für die Feinheit jener Bestimmungen des Lukas und Matthäus kein Ohr; er mag es verantworten, daß er eben so wie den Namen des Elias den Ausdruck Prophet in dieses Fragespiel verwebt hat; wir werden es erklären, wie er zu seinem neuen Fehlgriff kam, denselben aber nicht vertuschen, indem wir behaupten, er habe den Faden seiner Erzählung etwas stark zusammengezogen d. h. im Grunde doch wieder nur ungeschickt erzählt und es nicht erwähnt, daß der Täufer „in gewisser Beziehung” auch den Botschaftern der Obrigkeit gegenüber auf den Titel eines Propheten Anspruch gemacht habe.

Nein! der Evangelist deutet nirgends an, daß er nur kurz erzähle und Einzelnes, d. h. gerade die wichtigsten, die erklärenden und die Schwierigkeiten lösenden Aeußerungen des Täufers auslasse; er deutet auch nirgends darauf hin, daß die barschen Sitten deS Bußpredigers „an der Kürze seiner Aeußerungen” d. h. an der Zweideutigkeit und Ungewißheit Schuld seyen, die er nun über seine ganze geschichtliche Persönlichkeit verbreitender Evangelist will auch nicht im Entferntesten andeuten, daß der Täufer in seiner Heiligkeit das Privilegium zu einem barschen und zurückstoßenden Benehmen gegen seine Obrigkeit zu besitzen glaubte; er will vielmehr das Gespräch in seinem vollständigen Verlauf geben und sehen wir, wie die Priester, nachdem sie sich in Fragen erschöpft haben, am Ende ihrer Weisheit flehen und den Täufer nur noch fragen können: „was sagst du von dir selbst?”, so ist die Absicht des Schriftstellers vollkommen klar: wenn nämlich nun das Zeugniß des Täufers über sich selbst folgt — er sey nämlich die Stimme des Predigers in der Wüste — so sollte dasselbe auf seiner rechten Höhe stehen, nachdem die Priester vorher ihre Weisheit erschöpft und ihren endlichen Verstand vergebens mit der Weisheit des göttlichen Rathschlusscs gemessen hatten: — in ihren vergeblichen und nimmer treffenden Fragen offenbarte sich das abgestorbene Wesen der alten Priesterschaft, zeigte cS sich, daß das Alte seinen ursprünglichen Geist und Sinn verloren hatte und in das Neue, welches sich in eigner Kraft ankün- digte und allein verstand, nicht mehr hineinfinden konnte.

The word prophet made this aberration possible. The Baptist was a prophet – (even if not the prophet) – “there is no greater prophet than John” says Jesus Luk. 7, 28; but, it says at the same time in the writing of Matthew: “he was also more than a prophet”;——but apart from the mere word “prophet” all these determinations do not belong here: A writer, who in the opinion of descending to a lower, even to the last level of the theocratic dignities, strays against knowledge to the highest, had no ear for the subtlety of those provisions of Luke and Matthew; he may be responsible for the fact that he has woven the term prophet into this interrogation just as he has woven the name of Elijah; we will explain how he came to his new blunder, but will not cover it up by claiming that he has pulled the thread of his narrative together somewhat strongly, i.e. basically again only untruthful. We will explain how he made his new mistake, but we will not cover it up by claiming that he pulled the thread of his story a bit tight, that is, that he basically told it clumsily again, and that he did not mention that the Baptist “in a certain sense” also claimed the title of a prophet to the ambassadors of the authorities.

No! The evangelist nowhere indicates that he is telling only briefly and omitting particulars, i.e. just the most important, the explanatory and the difficulty-solving utterances of the Baptist; he also nowhere indicates that the harsh manners of the penitent preacher are “due to the brevity of his utterances,” i.e. to the ambiguity and unambiguity of his words. Nor does the evangelist remotely wish to imply that the Baptist, in his holiness, felt privileged to behave harshly and repulsively toward his authorities; rather, he wishes to give the conversation in its full course, and we see how the priests, having exhausted themselves in questions, plead at the end of their wisdom and can only ask the Baptist: “what sayest thou of thyself? “The writer’s intention is perfectly clear: when the Baptist’s testimony about himself follows – for he is the voice of the preacher in the wilderness – it should stand on its right height, after the priests had previously exhausted their wisdom and measured their finite understanding in vain against the wisdom of the divine counsel: – In their vain and never hitting questions the dead nature of the old priesthood revealed itself, showed that the old had lost its original spirit and sense and could no longer find its way into the new, which announced itself in its own power and understood alone.

13/15 Zu diesem Behuf legte der Evangelist aus ihrem Zusammenhang gerissene Stichworte der synoptischen Sprüche über den Täufer den Priestern in den Mund und brächte er es dahin, daß die Leuchten, die in dem synoptischen Gesichtskreis die Persönlichkeit des Täufers in ein überraschendes und zugleich durchdringendes Licht setzen, in seiner Haltungslosen Darstellung sich in Irrlichter verkehren, die so schnell und bedeutungslos wie sie für einen Augenblick durch die Luft fahren, auch wieder verschwinden. Ob der Evangelist die synoptischen Werke persönlich kannte und in diesem Augenblicke vor Augen hatte, — diese Frage, obwohl sie jetzt schon beantwortet werden könnte, wollen wir noch unentschieden und ihre Beantwortung vollständig reifen lassen. Eben so, wenn Lukas mit demselben unglücklichen Pragmatismus, mit dem der Vierte die Priester auf ihre erste Frage brächte, das Volk auf die Vermuthung bringt (E. 3-, 15.), der Täufer möchte wohl der Messias seyn, so streichen wir zwar jetzt bereits die Frage, ob diesen beiden Berichten zwei ver- schiedne Vorsälle zu Grunde liegen — denn der des Vierten hat sich uns bereits aufgelöst — so streichen wir auch die fernere Voraussetzung, daß beiden Berichten ein und derselbe Vorfall zu Grunde liege, und die damit zusammenhängende Frage, welchem von beiden der Nuhm größerer Genauigkeit und Zuverlässigkeit gebühre — denn wiederum: der des Vierten eristirt für uns nicht mehr als historischer Bericht — es ist für uns genug, wenn wir für jetzt die Frage richtig stellen, ob der Vierte durch den Bericht des Lukas zu seiner Darstellung gebracht war, ob er die Priester an die Stelle des Volks setzte, die Vermuthung deS Volks in die Frage der Priester verwandelte und dem Zeugniß des Täufers über sein Verhältniß zum Messias dadurch ein größeres Gewicht zu geben glaubte, daß er es ihn vor einer ofsiciellen Gesandtschaft der Obrigkeit ablegen ließ. Die Antwort über das gegenseitige Verhältniß der heiligen Schriftsteller wird sich uns mit der letzten Entscheidung über die geschichtliche Grundlage der Berichte vollends ergeben, wenn wir den synoptischen Geschichtskreks betreten.

Dann erst werden wir auch die Frage beantworten können, ob es möglich war, daß der Täufer aus einer gelegentlichen Frage, aus einer irrthümlichen Vermuthung, aus dem Ohnge- fähr, daß Plötzlich eine Gesandtschaft seiner Gegner vor ihm erschien und ihm ihre unpassenden Einfälle vortrug, aus diesem Zufall die Kraft und den Anlaß nehmen konnte, einen Spruch zu bilden, der seine geschichtliche Erscheinung in ihrer abgeschlossenen Totalität zur Anschauung bringt und die einzelnen Seiten seiner Persönlichkeit in den Einen Punkt zusammen- faßt, in dem sie ihre letzte Erklärung finden — dann wird es sich zeigen, wann solche Sprüche entstehen, die zu gleicher Zeit als stehende oft gebrauchte Formeln und doch auch nur als die einmalige. Alles deutende Inschrift auf dem Gestell einer Bildsäule erscheinen — dann werden wir erfahren, wann es erst Bedürfniß wird und gelingt, die Erscheinung einer geschichtlichen Persönlichkeit in Ein Bild und ihr Wesen in Ein Stichwort zusammenzufassen.

For this purpose, the evangelist put into the mouths of the priests key words of the synoptic sayings about the Baptist, torn out of their context, and made it so that the lights, which in the synoptic circle of vision put the personality of the Baptist in a surprising and at the same time penetrating light, in his attitudeless representation turn into will-o’-the-wisps, which as quickly and meaninglessly as they pass through the air for a moment, also disappear again. Whether the evangelist knew the synoptic works personally and had them before his eyes at this moment, – this question, although it could be answered now, we still want to leave undecided and its answer to mature completely. Likewise, when Luke, with the same unfortunate pragmatism with which the fourth would bring the priests to their first question, leads the people to suspect (E. 3-, 15. ) that the Baptist might well be the Messiah, we now already delete the question whether these two reports are based on two different incidents – for that of the fourth has already dissolved itself for us – so we also delete the further assumption that both reports are based on one and the same incident, and the related question which of the two is entitled to the honor of greater accuracy and reliability – for again: it is enough for us to ask the question correctly for now, whether the Fourth was brought to his account by Luke’s report, whether he put the priests in the place of the people, transformed the conjecture of the people into the question of the priests and thought to give greater weight to the testimony of the Baptist about his relationship to the Messiah by having him give it before an official delegation of the authorities. The answer about the mutual relationship of the sacred writers will be fully revealed to us with the final decision about the historical basis of the reports, when we enter the synoptic historical circle.

Only then will we be able to answer the question whether it was possible that the Baptist, out of an occasional question, out of an erroneous assumption, out of the fear that suddenly a delegation of his opponents appeared before him and presented him with their inappropriate ideas, could take from this coincidence the strength and the occasion to form a saying, It will become clear when such sayings arise, which at the same time are often used as standing formulas, and yet only as the unique inscription on the face of the man. Then we will know when it becomes necessary and successful to summarize the appearance of a historical personality in one image and its essence in one keyword.

15/16 Daß wir zu diesen ernstlichen Fragen hier noch keinen Anlaß haben, zeigt sich uns noch zum Ueberfluß, wenn wir hören, wie die Abgesandten der Priesterschaft, die auf einmal, (V. 24) ohne daß diese ihre Qualität mit ihrer folgenden Frage im entferntesten Zusammenhänge stände *), zur Schute der Pharisäer gehören sollen, sich völlig damit einverstanden erklären, daß Johannes taufen dürfe, wenn er der Messias oder Elias oder der Prophet wäre, und daher verlangen, daß er seine Berechtigung angebe, da er zu keinem jener Titel sich bekannt habe, — und wenn wir ferner hören, wie der Täufer weiter Nichts antwortet, als daß er in Wasser taufe, daß aber der unendlich Größere, der ihnen unbekannt schon mitten unter ihnen stehe, nach ihm komme. Uns kann es nach dem Ergebniß der obigen Kritik allerdings gleich seyn, daß der Täufer in seiner Antwort von seiner Berechtigung kein Wort sagt,wenigstens nichts mehr, als was er so eben gesagt hatte, als er sich die Stimme dessen nannte, der zur Zubereitung der Wege des Herrn auffordert — uns kann es auch Nichts verschlagen, daß er in seiner Antwort nicht daran denkt, seine Berechtigung mit der des EliaS und deS Propheten in irgend ein Verhältniß zu setzen — für uns nämlich haben sich diese Stichworte eben nur als Stich – Worte ausgewiesen, die der Verfasser ins Leere verklingen läßt, nachdem er sie einmal angebracht hat; aber wohl hätte es den Priestern unmöglich seyn müssen, sich mit einer Antwort zu begnügen, die auf ihre Frage keine Rücksicht nimmt und ihnen nichts Neues sagt — doch sie sind eben keine wirkliche Personen mit eigenem Willen, Personen, die ein Bewußtseyn über ihre eigenen Worte haben — sie sind Maschinen, ihre Fragen leblose Hebel, die der Verfasser fortwirft, Mittel, die er vergißt, so bald er den Täufer mit ihrer Hilfe zu Worte gebracht hat, und ihre Bewußtlosigkeit über ihre eigenen Worte ist vielmehr diejenige, mit der der Evangelist den Pragmatismus seines eigenen Werkes gebildet hat.

In einem Abschnitt, in welchem die Zusammenhangslosig- keit und die Widersprüche so groß und auffallend sind, wird es uns endlich nicht mehr befremden, wenn der Täufer in Einem Athemzuge von demjenigen, der nach ihm kommt, sagt, daß er bereits mitten unter seinen Jüngern stehe — in einen AuS- spruch nämlich, der ursprünglich, im synoptischen Gesichtskreis, die Gränzscheide der alten und neuen Welt, der Erwartung und der Erfüllung bezeichnen soll und allein vor dem Zusammentreffen des Täufers mit Jesu seine richtige Stelle hat, hat der Vierte unpassend genug die entgegengesetzte Voraussetzung, daß die Taufe Jesu durch Johannes bereits vollzogen ist, eine Voraussetzung, deren Haltbarkeit uns sogleich der folgende Absatz (V. 29—34) lehren wird, eingefügt.

The fact that we have no reason to ask these serious questions here, becomes even more evident when we hear how the delegates of the priesthood, who all of a sudden, (v. 24) without this quality of theirs being remotely connected with their following question *), are supposed to belong to the Pharisees’ company, fully agree that John may baptize if he were the Messiah or Elijah or the Prophet, and therefore demand that he state his credentials, since he has not professed any of those titles, – and when we further hear how the Baptist answers nothing more than that he baptizes in water, but that the infinitely greater one, who unknown to them is already standing among them, comes after him. According to the result of the above criticism, we can be sure that the Baptist, in his answer, does not say a word about his justification, at least nothing more than what he had just said when he heard the voice of the one who had been baptized. We are also not deprived of anything that in his answer he does not think of putting his justification in any relation to that of Elijah and the prophet – for us, these keywords have just turned out to be keywords that the author lets fade away into the void once he has put them there; But it should have been impossible for the priests to be content with an answer that takes no account of their question and tells them nothing new – but they are not real persons with their own will, persons who have a consciousness of their own words – they are machines, Their questions are lifeless levers that the author throws away, means that he forgets as soon as he has brought the Baptist to words with their help, and their unconsciousness of their own words is rather that with which the evangelist has formed the pragmatism of his own work.

In a passage in which the incoherence and the contradictions are so great and striking, it will at last no longer surprise us when the Baptist says in a breath of the one who comes after him that he is already standing in the midst of his disciples – in an expression, namely, that originally, in the synoptic circle of vision, the dividing line of the old and new world, of expectation and fulfillment, and which alone has its proper place before the meeting of the Baptist with Jesus, the Fourth has inappropriately enough the opposite premise, that the baptism of Jesus by John has already been accomplished, a premise whose tenability the following paragraph (vv. 29-34) will teach us, inserted.

15 *) *) denn BertholdS Christologie der Juden zur Zeit Jesu unterliegt mit den Evangelien, deren tautologische Wiederholung sie ist, derselben Kritik und die einzige anderweitige Stelle, die als Zeugniß für die Voraussetzung. welche der Forderung der Priester zu Grunde liegt, angeführt werden könnte, Justin, opp. dial. c. Tryph. Paris 1636 p. 226, wonach die Sendung des Elias den Zweck hat, daß er den Messias salbe und Allen offenbar mache, ist Nichts als spätere Reflexion über die Bedeutung der Taufe des Johannes für das messianische Werk und hat eine so wörtliche Berührung mit unserm Evangelium (C. 1. 31), daß nur Eins der Fall seyn kann: — entweder hat der Verfasser jenes Dialogs die Ausdrücke unserm Evangelium entlehnt oder der Evangelist hat mit jenem, wenn er nicht unmittelbar aus seinem Werke schöpfte, eine gemeinsame Quelle benutzt – eine mehrfache Möglichkeit, über die erst der Verlauf der Untersuchung die Entscheidung bringen wird.erlauf der Untersuchung die Entscheidung bringen wird. * Berthold’s Christology of the Jews at the time of Jesus is subject to the same criticism as the Gospels, whose tautological repetition it is, and the only other passage that could be cited as a testimony to the presupposition underlying the priests’ claim is Justin, opp. dial. c. Tryph. Paris 1636 p. 226, according to which the purpose of Elijah’s mission was to anoint the Messiah and make him known to all, is nothing but a later reflection on the significance of John’s baptism for the Messianic work and has such a literal contact with our Gospel (C. 1. 31), that only one thing can be the case: – either the author of that dialogue borrowed the expressions from our gospel or the evangelist used a common source with it, if he did not draw directly from its work – a multiple possibility, about which only the course of the investigation will bring the decision.
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17/18 Wie aber! Alles das soll der Evangelist selbst gemacht und noch dazu die Elemente, die ihm der synoptische Geschichts- kreis bot, zu seinem neuen Werke benutzt haben? Kann man aber genauer als er erzählen, sorgfältiger verfahren? Zeugt es nicht für den geschichtlichen Charakter des Berichts, wenn der Verfasser ausdrücklich angibt (V. 28.), die pricsterliche Gesandtschaft habe den Täufer zu Bethanien am Jordan, wo derselbe taufte, gesprochen? Wer anders endlich als ein Augenzeuge war im Stande, es anzugeben, daß das Zeugniß des Täufers, welches jetzt folgt, am Tage darauf ausgesprochen war?

Ehe wir jedoch einer chronologischen Notiz, zu deren Bildung jeder Andre fähig war, so große Bedeutung beilegen, müßte es dem Verfasser gelungen seyn, der Situation, die er jetzt schildern will, auch nur den geringsten Grad von Wahrscheinlichkeit mitzutheilen. Der Täufer soll nämlich Jesum auf sich zukommen sehen und in diesem Augenblick auf ihn Hinweisen und ein ausführliches Zeugniß über ihn vortragen. Aber dieser Augenblick ist so wunderbar wie das Kommen Jesu — Beides entflieht der Anschauung — BeideS ist nur möglich, wenn es mit Gewalt der Natur entrückt wird, d. h. Beides ist unmöglich. Hinzeigen konnte nämlich der Täufer nur dann auf den Herrn, wenn dieser nicht mehr so weit entfernt war, daß sein Fingerzeig gewaltsam, gezwungen oder haltlos erscheinen mußte. In der That konnte er erst dann auf ihn hinzeigen, als derselbe so nahe herangekommen war und sich in der Distanz befand, daß diejenigen, zu denen er sprach, sein Zeugniß und dessen Gegenstand ohne Zwang vergleichen und die Distanz zwischen dem” Zeugen und dem Herrn ruhig mit ihrem Auge durchlaufen konnten. Da aber Jesus kommen soll und das Zeugniß des Täufers außerordentlich ausführlich und nicht nur in Betracht seiner formellen Länge, sondern auch wegen des Gewichts seines Inhalts keine geringe Zeit zum Vor- trag und für die Auffassung verlangt, so müßte Jesus längst herangekommen seyn, ehe es zu Ende war, und gerade das Hauptbild, welches der Evangelist entwerfen will, die Situation, daß der Täufer auf den Heiland hin weist und von ihm zeugt, würde zerrinnen und sich auflösen.

But how! The evangelist should have done all this himself and should have used the elements, which were offered to him by the synoptic history circle, for his new work? But is it possible to be more precise than he narrates, to be more careful? Does it not testify to the historical character of the report when the author expressly states (v. 28) that the priestly delegation spoke to the Baptist at Bethany by the Jordan, where he was baptizing? Finally, who else but an eyewitness was able to state that the testimony of the Baptist, which now follows, was pronounced on the following day?

However, before we attach so much importance to a chronological note, which every Andrew was capable of forming, the author should have succeeded in communicating even the slightest degree of probability to the situation, which he now wants to describe. The Baptist is supposed to see Jesus coming towards him and at this moment point to him and give a detailed testimony about him. But this moment is as miraculous as the coming of Jesus – both escape the view – both are only possible, if it is raptured by force of nature, i.e. both are impossible. The Baptist could only point to the Lord when he was no longer so far away that his finger pointing had to appear violent, forced or groundless. In fact, he could only point to him when he had come so close and was at such a distance that those to whom he was speaking could compare his testimony and its object without compulsion and could calmly pass through the distance between “the” witness and the Lord with their eyes. But since Jesus is supposed to come and the testimony of the Baptist is extraordinarily detailed and requires not only in view of its formal length, but also because of the weight of its content no small time for the presentation and for the understanding, Jesus would have had to come long before it was finished, and just the main picture that the evangelist wants to create, the situation that the Baptist points to the Savior and testifies about him, would melt away and dissolve.

18 Die Situation wird sich aber sogleich wieder herstellen und ihre Haltung behaupten, wenn wir den Evangelisten das seyn lassen, was er wirklich ist — den Maler, der seinen Figuren ein für allemal ihre Stellung gibt und die Länge des Papierstreifens, auf welchem das Innen der einen Figur geschrieben steht, nach Belieben bestimmen kann. Nur der Maler konnte Jesum kommen lassen — rein und allein in der Absicht, damit der Täufer auf ihn Hinweise; nur für den Maler existirte die Frage nicht, ob Jesus sonst noch Etwas mit dem Täufer in diesem Augenblicke zu schaffen hatte und endlich zu ihm herangetreten sey; nur für den Maler bleibt Jesus trotz seiner schreitenden Haltung in jener mittlern Distanz, in welcher die hinweisende Bewegung und das Zeugniß des Täufers allein möglich war, unbeweglich stehen; nur für den Maler schickte es sich, daß er jetzt, nachdem der Täufer zu den Abgesandten der Obrigkeit gesagt hatte, der Herr stehe, obwohl ihnen unbekannt, mitten unter ihnen, denselben aus seiner Verborgenheit hervortreten, aber für die Erst nur so weit hervortreten ließ, daß der Täufer, der geschichtliche Herold des Zukünftigen, mit dem Finger auf ihn hinzeigen konnte. But the situation will be restored immediately and will maintain its position, if we let the evangelist be what he really is – the painter, who gives his figures their position once and for all and can determine the length of the strip of paper, on which the inside of one figure is written, at will. Only the painter could let Jesus come – purely and solely with the intention that the Baptist would point to him; only for the painter the question did not exist whether Jesus had anything else to do with the Baptist at this moment and had finally approached him; only for the painter Jesus remains standing motionless in spite of his striding posture in that middle distance in which the pointing movement and the testimony of the Baptist alone was possible; Only for the painter was it fitting that now, after the Baptist had said to the emissaries of the authorities that the Lord, although unknown to them, was standing in their midst, he let him emerge from his concealment, but for the first only so far that the Baptist, the historical herald of what was to come, could point to him with his finger.
18/20 Wenn der Täufer nun sagt: „Siehe das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt”, so hören wir aus diesen Worten seine und des Evangelisten Voraussetzung, daß diese Anschauung vom Messias schon längst seinen Jüngern so fest stand, wie ihm selbst, daß sie überhaupt seiner Zeit und seinem Volke so geläufig war, daß Jesus sich nur zu zeigen und als den Erwarteten irgendwie zu documentiren brauchte, damit die langst gestaltete Erwartung sich in den einfachen Glauben an die Erfüllung verwandelte. Siehe das Lamm Gottes! das find nicht Worte, die der prophetische Geist dem Täufer und nur ihm in diesem Augenblicke eingab, sie sind kein Erzeugniß einer augenblicklichen Begeisterung oder übernatürlicher Erleuchtung, kein momentaner Lichtblick, nicht Plötzlich hcrvorbrechende Ahndung, sondern eine feste, sichre, vom Täufer längst besessene Anschauung des Heilswerks, wie es sich auf seiner höchsten Spitze im Leiden des Erlösers vollendet — sie find ein Gemeingut, welches auch seine Jünger mit dem Volke besaßen, ein abgeschlossenes Dogma, eine Theorie, die ihres Gegenstandes vollkommen gewiß ist — der seiner selbst gewisse Ausdruck, in welchem die Totalität der christlichen Idee zur reflectirten Einheit zusammengefaßt ist.

Freilich tritt nun diese Voraussetzung deS Vierten mit dem synoptischen Geschichtskreis in Widerspruch, in welchem Jesus erst spät, als er seinen letzten Weg antrat, den Seinigen die Nothwendigkeit seines Leidens eröffnete, ohne daß sie sich in diesen für sie schrecklichen und neuen Gedanken finden konnten. Nach dem Bericht des Vierten sollen sogar mehrere Jünger des Herrn erst dem Täufer gefolgt und noch dazu gerade dadurch zur Nachfolge Jesu bewogen seyn, daß ihnen der Täufer in demselben das Lamm Gottes zeigte — ihnen wenigstens hätten jene Eröffnungen Jesu nicht befremdend scheinen, für sie hätten sie nicht neu und kein Aegerniß seyn dürfen, da der Gedanke des messia- nischen Leidens ihnen vollkommen geläufig war, als sie sich noch in der Umgebung des Täufers befanden, und da sie diesen nur deshalb verließen und sich Jesu anschlossen, weil sie endlich den Dulder gefunden hatten, dessen Bild in ihrer Erwartung längst vollendet dastand.

When the Baptist says: “Behold the Lamb of God, who bears the sin of the world”, we hear from these words his and the evangelist’s presupposition that this conception of the Messiah had already been as firm to his disciples as it was to him, that it was so familiar to his time and his people that Jesus only had to show himself and somehow document himself as the expected one, so that the long-formed expectation was transformed into simple faith in the fulfillment. Behold the Lamb of God! These are not words that the prophetic spirit gave to the Baptist and only to him at this moment; they are not the product of a momentary enthusiasm or supernatural enlightenment, not a momentary ray of hope, not a sudden foreboding, but a firm, certain vision of the work of salvation, long possessed by the Baptist, It is a common property which his disciples also possessed with the people, a closed dogma, a theory which is completely certain of its object – the expression certain of itself, in which the totality of the Christian idea is united in a reflected unity.

Of course, this presupposition of the Fourth comes into contradiction with the synoptic historical circle, in which Jesus only late, when he started his last way, opened the necessity of his suffering to his people, without that they could find themselves in this for them terrible and new thought. According to the report of the Fourth, even several disciples of the Lord first followed the Baptist and were moved to follow Jesus precisely because the Baptist showed them the Lamb of God in him – to them at least, these revelations of Jesus should not have seemed strange, to them they should not have been new and should not have been a distress, Since the idea of the Messiah’s suffering was completely familiar to them when they were still in the vicinity of the Baptist, and since they only left him and joined Jesus because they had at last found the sufferer whose image had long since been completed in their expectation.

20/21 Es bleibt aber nicht nur bei diesem Widerspruch mit dem synoptischen Geschichtskreis, sondern es kommt der andere hinzu, daß der Täufer in demselben sich selbst noch so zweifelhaft über Jesus ausspricht, daß er noch nicht weiß, ob er in ihm den Verheißenen anerkennen oder eines Andern warten soll — ein Ding der Unmöglichkeit, wenn in der Weise, wie es der Vierte darstellt, seinem Bewußtseyn die Tiefe der christlichen Idee schon vollständig aufgeschlossen war, wenn er seinen Jüngern das Lamm Gottes mit Fingern gezeigt und wenn ein gründlich zwischen ihm und Gott vorbereitetes Wunder — die Erscheinung bei der Taufe Jesu — ihm den offenbart hat, in dem er seinen ewigen Meister finden sollte.

Der Widerspruch wird sich zunächst damit lösen, daß die eine Seite desselben wegfällt, nämlich der Bericht des Vierten sich auflöst und das Bewußtseyn des Täufers von dem Inhalt, der es mit der synoptischen Gestalt in Zwietracht bringt, befreit wird.

„DaS Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt”, war nämlich eine Kategorie, die für den Täufer unerreichbar war, da für ihn die letzte Voraussetzung noch nicht exiflirte, die zur Vollendung dieser religiösen Anschauung gehörte. Aus der Weissagung Jesaia, C. 53., der die Worte: „das der Welt Sünde trägt,” allerdings entnommen sind, konnte nämlich die Bezeichnung des Subjects als des „Lammes Gottes” nicht hervorgehen, da das Lamm, dessen sie gedenkt, nur ein Bild ist, nur als Bild der Sanftmuth und Geduld, mit der der geschilderte Dulder seine Leiden trägt, erwähnt wird, mithin nur gelegentlich und beiläufig auftritt und das gewöhnliche Schaaf bleibt, wie es zur Schlachtbank und zur Schur geführt wird.  Im Spruche des Täufers dagegen ist die Analogie des Lamms und des Messias nicht nur diese äußere, die nur das Benehmen des Dulders bezeichnet, sondern sie bezieht sich auf das Wesen der Persönlichkeit des Messias — sie bezeichnet nicht nur die Art seines Leidens, sondern sein Leiden selbst und die göttliche Bestimmung desselben — kurz, das Lamm ist hier ein religiöses Symbol, in der Weissagung des Propheten nur ein gelegentliches Bild — das Lamm, das Lamm selbst ist das Subject, Welches im Spruch des Täufers der Welt Sünde trägt, mit dessen innerer Natur und Bestimmung das Tragen der Sünde zusammenhängt und welches kraft dieser seiner eigenen Natur fähig war, das Symbol des Messias zu werden.

But it does not remain only with this contradiction with the synoptic historical circle, but the other one is added, that the Baptist in the same still expresses himself so doubtfully about Jesus that he does not know yet whether he should recognize in him the promised one or wait for another – a thing of the impossibility, if in the way the fourth represents it, This is an impossibility if the depth of the Christian idea was already completely opened to his consciousness in the way the Fourth describes, if he showed the Lamb of God to his disciples with his fingers and if a thoroughly prepared miracle between him and God – the appearance at the baptism of Jesus – revealed to him the one in whom he was to find his eternal Master.

The contradiction will be resolved, first of all, by the fact that one side of it will fall away, namely, the account of the Fourth will dissolve, and the consciousness of the Baptist will be freed from the content which puts it at odds with the synoptic figure.

The “Lamb of God who bears the sin of the world” was a category that was unattainable for the Baptist, since for him the last condition that belonged to the completion of this religious conception did not yet exist. From the prophecy of Isaiah, C. 53, from which the words “which bears the sin of the world” are taken, the designation of the subject as the “Lamb of God” could not emerge, since the lamb, which it commemorates, is only an image, is only mentioned as an image of the meekness and patience with which the described sufferer bears his sufferings, and therefore only appears occasionally and casually and remains the usual sheep, as it is led to the slaughter and to the shearing.  In the saying of the Baptist, on the other hand, the analogy of the lamb and the Messiah is not only this external one, which designates only the behavior of the tolerator, but it refers to the essence of the personality of the Messiah – it designates not only the nature of his suffering, but his suffering itself and the divine destiny of it – in short, the lamb is here a religious symbol, in the prophecy of the prophet only an occasional image – the lamb, the lamb itself is the subject, Which in the saying of the Baptist of the world sin carries, with whose inner nature and destiny the carrying of the sin is connected and which by virtue of this its own nature was able to become the symbol of the Messiah.

21/22 Es ist nicht das Lamm des Propheten, sondern dasjenige, von dem Paulus spricht, wenn er an die Korinther (I. 5, 7.) schreibt: „auch unser Paschaopfer ist für uns hingeschlachtet, nämlich Christus” — d. h. nicht die Juden allein, auch wir haben ein Paschalamm. Mochte immerhin die Symbolik des Pascha auf das Tragen der Sünde der Welt keine unmittelbare Beziehung haben, so bleibt doch das Paschalamm die Voraussetzung des Symbols, das wir in dem Spruch des Täufers vorfinden, eine Voraussetzung, die sich allerdings auf dem Boden deS höhern Standpunkts wesentlich verändert, wie Alles, was derselbe dem niederen, der inneren Verwandschaft wegen, zu entlehnen pflegt. Die Verwandtschaft war aber im gegenwärtigen Fall nicht zu entfernt, da auch im jüdischen Paschaopfer der Zweck einer Befreiung vom Tode und vom geschichtlichen Elend lag — das Lamm, dessen Darbringung und Genuß den Juden Derschonung vom Tode und die Befreiung aus dem Diensthausr erwarb, das trug auch die Fähigkeit in sich, das Symbol des Opfers zu werden, welches die Welt vom Tode und der Knechtschaft der Sünde erlöste. Zur hohen Würde dieses Symbols konnte es aber erst erhoben werden, als die Gemeinde das Bild des leidenden und sterbenden Messias bereits besaß und nach den Abbildern desselben in der Vergangenheit der göttlichen Geschichte suchte — d. h. der Evangelist theilt dem Täufer eine Anschauung mit, die erst dem christlichen Glauben, der sich in der Geschichte des göttlichen Ratschlusses zu orientiren suchte, zugänglich war. It is not the lamb of the prophet, but the one of which Paul speaks when he writes to the Corinthians (I. 5, 7.): “also our passover sacrifice was slain for us, namely Christ” – i.e. not the Jews alone, we also have a passover lamb. Even if the symbolism of the Passover has no direct relation to the bearing of the sin of the world, the Passover lamb remains the prerequisite of the symbol which we find in the saying of the Baptist, a prerequisite which, however, is essentially changed on the ground of the higher point of view, as everything which the latter tends to borrow from the lower, because of the inner relationship. But the relationship was not too remote in the present case, since in the Jewish passover sacrifice there was also the purpose of deliverance from death and from the misery of history – the lamb, the offering and enjoyment of which earned the Jews deliverance from death and deliverance from the house of bondage, also carried within itself the ability to become the symbol of the sacrifice which redeemed the world from death and the bondage of sin. But it could be raised to the high dignity of this symbol only when the congregation already possessed the image of the suffering and dying Messiah and searched for the images of the same in the past of divine history – i.e. the evangelist communicates to the Baptist a view that was accessible only to the Christian faith, which sought to orient itself in the history of the divine counsel.
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22/23 Der Vierte läßt sogar den Täufer speculiren — es ist ihm nicht genug, daß derselbe den Messias als die Erfüllung des alttestamentlichen Vorbildes bezeichnet, sondern er legt ihm auch, während der Herr immer noch auf ihn zukommt, die speculative Lösung eines Widerspruchs in den Mund, der für die Gemeinde in dem geschichtlichen Auftreten des Heilandes zu liegen schien und nur in der Ewigkeit desselben, wie seiner Herrschaft über die Geschichte seine Auflösung finden konnte.

„Der ists, sagt der Täufer V. 30., von dem ich früher äußerte: nach mir kommt derjenige, der vor mir ward, weil er eher war als ich” — d. h. nach mir tritt derjenige auf, der schon vor mir auftrat, weil er überhaupt eher als ich war — nach mir derjenige, der sich schon vor mir offenbart hat, weit er als der Ewige, als der Präexistente der Herr der Zeit ist.

Das ist Speculation — die Speculation, auch die religiöse tritt aber erst auf und ist nur möglich, wenn die Reflexion auf empirisch gegebene Verhältnisse mit Schwierigkeiten zusam- mentrifft und mit Collisionen zu kämpfen hat, die sich zwischen zwei gleich feststehenden Voraussetzungen erheben. Welche Schwierigkeit, welche Collision hätte aber den Täufer so weit treiben sollen, daß er erst in dem Gedanken der Präexistenz des Messias Beruhigung fand? Etwa der Umstand, daß der Herr erst nach ihm auflrat und somit als der Geringere erscheinen konnte? Dieser Umstand hätte sogar der einzige seyn können, der ihm Bedenken erregte — wenn es überhaupt Jemanden Unfällen konnte, unter zwei Persönlichkeiten die eine deshalb für geringer zu halten, weil sie später als die andre aufgetreten sey: — ein müßiger Einfall erzeugt aber keine Speculation und für den Täufer war er um so unmöglicher, für ihn konnte der Umstand, daß der Messias erst nach ihm auftrete, um so weniger eine Schwierigkeit bilden, da er sich von vornherein als den Vorläufer bezeichnete d. h. für die evangelische Anschauung von vornherein als der Geringere feststand.

The fourth even lets the Baptist speculate – it is not enough for him that he calls the Messiah the fulfillment of the Old Testament model, but he also puts into his mouth, while the Lord is still coming towards him, the speculative solution of a contradiction, which seemed to lie for the congregation in the historical appearance of the Savior and could only find its resolution in the eternity of him, as well as in his rule over history.

“He it is, says the Baptist, v. 30, of whom I said before: after me comes the one who was before me, because he was earlier than I” – i.e. after me appears the one who already appeared before me, because he was earlier than I in the first place – after me the one who already revealed himself before me, because he is the eternal one, the pre-existent one, the Lord of time.

This is speculation – the speculation, also the religious one, however, only occurs and is only possible when the reflection on empirically given conditions meets with difficulties and has to struggle with collisions which arise between two equally fixed presuppositions. But which difficulty, which collision should have driven the Baptist so far that he only found reassurance in the thought of the pre-existence of the Messiah? The circumstance that the Lord appeared only after him and could therefore appear as the lesser? This circumstance could even have been the only one that caused him misgivings – if it could at all happen to someone to consider one of two personalities as inferior because it appeared later than the other: – an idle idea, however, does not produce speculation and for the Baptist it was all the more impossible, for him the circumstance that the Messiah appeared only after him could form all the less of a difficulty, since he designated himself from the beginning as the forerunner, i.e. for the evangelical faith he was the first to appear. That is, for the evangelical view, he was determined from the outset to be the lesser one.

23/24 Aber wohl entstand für die Gemeinde eine große/ drückende Schwierigkeit, als ihre Welt als eine selbstständige und zugleich als eine wesentlich neue den andern Welten des religiösen Bewußtseyns, namentlich aber der jüdischen Welt gegenüber stand. Da hatte sie die Frage zu beantworten, die Schwierigkeit zu lösen, wie sie dazu komme, ihr Bewußtsein als neu und doch auch als absolut zu betrachten, wie sie den Umstand, daß ihr Stifter erst in so spater Zeit aufgetreten, mit ihrer Behauptung, daß derselbe der Inbegriff aller Wahrheit, die Wahrheit selbst sey, vereinigen könne. Da half der Gedanke an die Offenbarungen des A. T., in welchem eine Lichtgestalt erscheint, die von Jehova ausgeht, von dem Einen unterschieden ist und doch Wieder in ihn zurückgeht und mit ihm identisch ist. Dieses Wesen, antwortete die Gemeinde, antwortete der Evangelist, welches die Propheten schauten (L. 12., 41.), welches eher denn Abraham war, ist über den Wechsel der Geschichte erhaben, ein unendlich mit sich identisches d. h. ein ewiges, es hat sich vorübergehend schon im A. T. offenbart, es ist sogar der einzige Inhalt und der Ursacher alter dieser Offenbarungen und ist nun auf bleibende Weise, in der ganzen Fülle seines Wesens in der Geschichte erschienen.

Als aber einmal diese Anschauung möglich geworden war und sich gestaltete, da schien es passend und natürlich, daß der Mann, der im Wendepunkt des Alten und Neuen stand, der Täufer dieses aufklärende Wort über den Zusammenhang beider Offenbarungs- und Geschichtskreise auSsprach.

But a great/pressing difficulty arose for the community, when its world stood as an independent and at the same time as an essentially new one opposite the other worlds of religious consciousness, especially the Jewish world. There she had to answer the question, to solve the difficulty, how she could come to regard her consciousness as new and yet also as absolute, how she could unite the circumstance that her founder appeared only in such a late time with her assertion that he was the epitome of all truth, the truth itself. Then the thought of the revelations of A. T. helped, in which a light figure appears, which goes out from Jehovah, is different from the One and yet goes back into him again and is identical with him. This being, answered the congregation, answered the evangelist, which the prophets saw (L. 12, 41.), which was earlier than Abraham, is above the change of history, an infinitely identical with itself, i.e. an eternal one, it has temporarily already revealed itself in the Old Testament, it is even the only content and the originator of ancient revelations and has now appeared in history in a permanent way, in the whole fullness of its being.

But once this view had become possible and developed, it seemed fitting and natural that the man who stood at the turning point of the old and the new, the Baptist, should speak this enlightening word about the connection between the two circles of revelation and history.

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24/25 Noch Ein Zeugniß hat der Täufer abzulegen, während der Herr immer noch auf ihn zugeht d. h. in jener Distanz stehen bleibt, die es dem Täufer möglich macht, immer noch auf ihn hinzuweisen und mit der nothwendigen Ruhe seinen Jüngern zu erzählen, wie seine Wassertaufe das von Gott geordnete Mittel war, welches es ihm möglich machte, den Messias zu finden (V. 31—34). Vorher, erzählt er nämlich, habe er ihn nicht gekannt d. h. habe er nicht gewußt, in welcher bestimmten Person der Erwartete zu finden sey. Damit derselbe aber Israel offenbar würde, darum sey er, der Täufer, mit der Wassertaufe gekommen — und so habe er denn den Geist auf den Herrn wie eine Taube herabfahren sehen und nach einer göttlichen Verheißung, die ihn auf dieses Wunder verwiesen hatte, erkannt, daß dieser der Sohn Gottes sey.

Indem wir vereinzelte Stichworte aus der synoptischen Erzählung von der Taufe Jesu vernehmen, hören wir doch Nichts davon, daß der Täufer Jesum getauft habe, vermeidet der Vierte jeden Ausdruck, der dem Täufer eine thätige Beziehung zu seinem Herrn geben könnte. Dennoch aber will auch er, der Vierte, den Täufer sagen lassen, daß jene wunderbare Erscheinung bei der Taufe Jesu eingetreten sey — nach seiner Darstellung schreibt sogar der Täufer seiner Taufe einzig und allein den Zweck zu, daß sie ihm die persönliche Bekanntschaft mit dem Messias vermitteln sollte, damit er dann von dem, den ihm die göttlich verheißene Erscheinung als den Sohn Gottes kenntlich machte, vor ganz Israel zeuge. Er kam mit der Taufe, damit er mittelst derselben seinen Herrn finde, und der Herr kam zu seiner Taufe, damit für ihn, den Täufer jene wunderbare Erscheinung eintrat.

The Baptist has yet another testimony to bear, while the Lord still approaches him, i.e. remains at that distance that makes it possible for the Baptist to still point to him and to tell his disciples with the necessary calmness how his water baptism was the means ordered by God that made it possible for him to find the Messiah (v. 31-34). Before, he says, he did not know him, that is, he did not know in which particular person the expected one was to be found. But in order that he might be revealed to Israel, he, the Baptist, came with the baptism of water – and so he saw the Spirit descending on the Lord like a dove, and after a divine promise, which had referred him to this miracle, he recognized that he was the Son of God.

While we hear isolated cues from the synoptic account of the baptism of Jesus, we hear nothing about the Baptist baptizing Jesus, the Fourth avoids any expression that could give the Baptist an active relationship to his Lord. Nevertheless, he, the fourth, also wants the Baptist to say that the miraculous appearance occurred at the baptism of Jesus – according to his account, even the Baptist ascribes to his baptism the sole purpose that it should give him the personal acquaintance with the Messiah, so that he then testifies before all Israel about the one whom the divinely promised appearance made known to him as the Son of God. He came with the baptism, so that he might find his Lord by means of it, and the Lord came to his baptism, so that for him, the Baptist, that miraculous appearance might occur.

25/26 So kommt es denn aber mit dieser Darstellung des Vierten darauf hinaus, daß nicht nur jene wunderbare Erscheinung, die im synoptischen GeschichtSkreiS für Jesum berechnet war und für ihn allerdings auch eine persönliche Bedeutung hatte, nur ein Mechanismus ist, der allein dem Täufer seine Dienste leisten und für ihn nur als äußerlicher Fingerzeig auf den Messias dienen sollte, — kommt es ferner darauf hinaus, daß die Wassertaufe des Johannes, die bei den Synoptikern den allgemeineren Zweck hat, daß sie das Volk für das nahe Himmelreich vorbereiten und so von innen heraus das Volk bearbeiten und dem Zukünftigen zuwenden sollte, nur ein mechanisches Mittel ist, welches dem Täufer die persönliche Bekanntschaft mit dem Messias verschaffen sollte — kommt es endlich darauf hinaus, daß die Taufe Jesu, die im synoptischen Ge- schichtSkreis Zweck für sich selber ist und für Jesum selber Bedeutung hat, zu einem äußeren, mechanischen Mittel geworden ist, durch welches der Täufer erfahre, wer der Messias ist.

Die Stichworte der synoptischen Erzählung flimmern durch die Darstellung des Vierten — aber die Angelegenheit selbst, um die eS sich in der Taufe Jesu handelt, ist vollkommen verkehrt, zwischen einen vollkommen entgegengesetzten Ausgangspunkt und ein entgegengesetztes Ziel geschoben, die lebensvollen Ver-hältnisse der synoptischen Darstellung sind inS Mechanische herabgezogen und eingezwängt — der Vierte hat diese vollständige Umwandlung bewirkt und beabsichtigt und der Grund, der ihn zu dieser Veränderung bewog, läßt sich noch bestimmt genug angeben. In seinem Evangelium konnte die Taufe für das Selbstbewußtseyn Jesu und für die Entwickelung desselben keine Bedeutung mehr haben, sobald in ihm der ewige, von Ewigkeit her vollendete und seiner selbst bewußte Logos erschienen war, — jener Logos, der persönlich alle Fülle der Wahrheit ist und als das ewige göttliche Denken keines äußern Anstoßes bedarf, um über sich und seine Bestimmung zur Klarheit und Gewißheit zu gelangen. Darum mußte die Taufe so gut wie verschwiegen, nur dunkel und auf Umwegen angedeutet werden, da die synoptische Voraussetzung doch nicht ganz unterdrückt werden konnte; darum mußte ferner das Taufwunder nur des Täufers wegen stattfinden und so geschah es denn endlich, daß die Mechanik des ganzen Verhältnisses auch noch weiter griff und selbst der Wassertaufe des Johannes ihre lebendige und geschichtliche Beziehung auf das Volk entzog und diese Beziehung nur auf dem Umwege wiederherstellte, daß der Täufer, wenn er durch die Wassertaufe den Herrn kennen gelernt hätte, auch vor dem Volk von ihm zeugte.

Die Umkehrung aller Verhältnisse und die Verwandlung lebendiger Zwecke in todte, mechanische Mittel ist aber nicht ohne ihre Strafe geblieben. Der Evangelist hat den Ewigen hochstellen wollen, indem er ihn so viel wie möglich der Verwicklung mit der Wassertaufe entrückte, und er ist nun, indem er den ganzen Gehalt der synoptischen Darstellung zur Kräftigung des Zeugnisses des Täufers verwandte, jener Angst des Glaubens verfallen, für welche Dieser, diese bestimmte Person nicht stark und grell genug als Messias bezeugt werden konnte.

So, then, with this exposition of the Fourth, it comes to this, that not only that miraculous appearance, which was calculated for Jesus in the synoptic historical circle, and had for him, however, also a personal meaning, is only a mechanism, which alone was to render its services to the Baptist, and was to serve for him only as an external pointer to the Messiah, – it comes to this, furthermore, that the water baptism of John, which in the synoptics has the more general purpose, that it should prepare the people for the near kingdom of heaven and thus work the people from within and turn them towards the future, is only a mechanical means which should provide the Baptist with the personal acquaintance with the Messiah – it finally comes to the fact that the baptism of Jesus, which in the synoptic narrative is an end in itself and has meaning for Jesus himself, has become an external, mechanical means by which the Baptist learns who the Messiah is.

The key words of the synoptic narrative flicker through the representation of the Fourth – but the matter itself, about which the baptism of Jesus is concerned, is completely reversed, shifted between a completely opposite starting point and an opposite goal, the vital relations of the synoptic representation are pulled down and squeezed into the mechanical – the Fourth has brought about and intended this complete transformation and the reason which moved him to this change can still be stated definitely enough. In his gospel, baptism could no longer have any meaning for the self-consciousness of Jesus and for the development of the same, as soon as the eternal Logos, perfected from eternity and conscious of himself, had appeared in him – that Logos, who is personally all the fullness of truth and, as the eternal divine thinking, needs no external impulse in order to attain clarity and certainty about himself and his destiny. Therefore, the baptism had to be as good as concealed, only hinted at darkly and in a roundabout way, since the synoptic presupposition could not be completely suppressed; That is why the miracle of baptism had to take place only for the sake of the Baptist, and so it finally happened that the mechanics of the whole relationship reached even further and even deprived John’s water baptism of its living and historical relationship to the people and restored this relationship only by the roundabout way that the Baptist, if he had come to know the Lord through water baptism, also testified of him before the people.

The reversal of all relations and the transformation of living purposes into dead, mechanical means, however, did not remain without its punishment. The evangelist had wanted to elevate the Eternal by removing Him as much as possible from the involvement with water baptism, and now, using the whole content of the synoptic account to strengthen the testimony of the Baptist, he has fallen into that fear of faith for which This One, this particular person could not be testified strongly and glaringly enough as the Messiah.

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27/28 Jetzt endlich ist das Zeugniß, welches der Täufer am Tage nach dem Zusammentreffen mit der Gesandtschaft der Juden ablegte, zu Ende — aber es ist auch mit diesem Tage, der der Ankunft der priesterlichen Botschaft folgte, sowie diese selbst aufgelöst.

Wenn daher der Evangelist V. 35. an diesen Tag an- knüpft, weiter zählt und von dem folgenden Tage spricht, an welchem der Täufer wieder dasteht und Jesum, der in der Nähe umherwandelt, als das Lamm Gottes zeigt, so fehlt uns für diesen folgenden Tag der Ausgangspunkt oder vielmehr — so könnten wir wenigstens sagen — dieser folgende Tag muß dem vorhergehenden Tage in denselben Abgrund nachstürzen, in Welchem dieser verschwunden ist.

Wenn ferner Jesus heute wieder in jener richtigen Proportion innerhalb deS Gesichtskreises des Täufers erscheint, daß dieser bloß auszublicken braucht, um ihn zu sehen und ihn den beiden Jüngern, die gerade gegenwärtig sind, zu zeigen und als das Lamm Gottes zu bezeichnen, so ist auch diese Proportion — so könnten wir wiederum sagen — mit jener wunderbaren Distanz aufgelöst, in der er gestern zugleich stehen blieb und auf den Täufer zuschritt, als dieser sein ausführliches Zeugniß über ihn ablegte.

Die Sache ist wenigstens entschieden. Die synoptische Voraussetzung, daß Jesus mit dem Täufer nur Einmal, bei der Taufe, persönlich zusammentraf, kann der Vierte nicht durchbrechen; gleichwohl muß er Jesum bei dem Gewicht, welches er auf das Zeugniß des Täufers legt und da er dasselbe in ganzer Sinnlichkeit mit Diesem in Beziehung bringen will, im Gesichtskreis des Täufers erscheinen lassen, aber er darf ihn niemals bis zu demselben herantreten lassen, da er nicht weiß, was er Beide miteinander ansangen lassen soll. Daher schritt gestern Jesus auf den Täufer zu, aber nur so weit und so lange, daß dieser sein Zeugniß vortragen konnte; heute erscheint er wieder in seinem Gesichtskreis, damit der Täufer durch sein wiederholtes, summarisches Zeugniß die beiden Jünger, die gerade um ihn sind, zur Nachfolge Jesu bewegen kann — aber weiter, als daß die beiden Jünger bequem an ihn herantreten und mit ihm in Verkehr treten können, darf Jesus auch heute nicht in den Gesichtskreis des Täufers eintreten.

Now, finally, the testimony that the Baptist gave on the day after the meeting with the Jews has come to an end – but it is also dissolved with this day, which followed the arrival of the priestly message, as well as this message itself.

Therefore, when the evangelist, v. 35, takes up this day, continues counting and speaks of the following day, on which the Baptist stands again and shows Jesus, who walks around nearby, as the Lamb of God, we lack the starting point for this following day, or rather – so we could at least say – this following day must follow the previous day into the same abyss, in which the latter disappeared.

If, furthermore, Jesus appears again today in that correct proportion within the circle of vision of the Baptist that the latter only needs to look out to see him and to show him to the two disciples who are present at the moment and to designate him as the Lamb of God, then also this proportion – so we could say again – is dissolved with that wonderful distance in which yesterday he stood still at the same time and walked towards the Baptist when the latter gave his detailed testimony about him.

The matter is at least decided. The Fourth cannot break the synoptic presupposition that Jesus met the Baptist personally only once, at the baptism; nevertheless, given the weight he places on the Baptist’s testimony and since he wants to relate it to him in all its sensuality, he must let Jesus appear in the Baptist’s visual circle, but he must never let him approach him, since he does not know what he should let the two say to each other. Therefore, yesterday Jesus approached the Baptist, but only so far and so long that the latter could present his testimony; today he appears again in his visual circle, so that the Baptist, by his repeated, summary testimony, can persuade the two disciples who are just around him to follow Jesus – but further than that the two disciples can comfortably approach him and enter into intercourse with him, Jesus may not enter the visual circle of the Baptist today either.

28/29 Heute endlich erst dursten sich ein paar Jünger des Täufers durch das Zeugniß desselben dazu bewogen finden, zu dem Herrn selbst heranzutreten, obwohl Alles heute wie gestern ist, etwas Neues, welches diese Entscheidung erst zur Reife brächte, nicht hinzukommt und die summarische Kürze, mit der der Vierte das Zeugniß des Täufers heut in ein Paar Worten gibt, darauf hindeuten soll, daß die Jünger gestern das ausführliche Zeugniß gehört hatten, heute erst durfte dieß Neue geschehen, weil es im Interesse der Anschauung liegt, die Spitze einer Begebenheit allmählig herdorsteigen zu lassen, weil eS so der Contrast zu dem Unglauben der Priester verlangte und zu der isolirten Stellung des Täufers eine wohlthuende Ergänzung bildet. Unten, in jener niedersten Region, wo Alles noch durch den Unglauben getrennt ist, stehen die Prie- sten des alten Gesetzes, die durch ihre feindliche Ausforschung den Täufer zum Zeugniß bringen, in der Mitte steht das Zeugniß des Täufers frei für sich, außer aller feindlichen Berührung, wie ohne, allen Erfolg — jetzt ist der Glaube gereift, indem durch dasselbe Zeugniß zwei Jünger des Täufers zur Nachfolge Jesu bewogen werden.

Wir könnten also wegen dieses Zusammenhanges mit dem Vorhergehenden sagen: auch dieses Tagewerk ist aufgelöst — wir ziehen eS aber vor, es sich selbst auflösen zu lassen.

Only today, finally, a few of the Baptist’s disciples were moved by his testimony to approach the Lord himself, although everything is the same today as yesterday, nothing new is added that would bring this decision to maturity, and the summary brevity with which the fourth gives the Baptist’s testimony today in a few words, is meant to indicate that the disciples had heard the detailed testimony yesterday, but only today was the new one allowed to take place, because it is in the interest of the view to let the point of an event gradually rise, because the contrast to the unbelief of the priests demanded it in this way, and it forms a pleasant complement to the isolated position of the Baptist. Below, in that lowest region, where everything is still separated by unbelief, stand the priests of the old law, who bring the Baptist to witness through their hostile exploration; in the middle, the witness of the Baptist stands freely for himself, apart from all hostile contact, as without, all success – now faith has matured, in that through the same witness two disciples of the Baptist are moved to follow Jesus.

So we could say because of this connection with the preceding: also this day’s work is dissolved – but we prefer to let it dissolve itself.

29 Die beiden Jünger, sagt der Evangelist, folgten Jesu — sehen wir aber näher zu, so schleichen sie ihm nach. „Folgen”,*) welches sonst, auch in unserm Evangelium, sogar noch in demselben Capitel, V. 44., in der Aufforderung Jesu an PhilippuS der Ausdruck für die freie, offene, beständige Nachfolge ist, dieß Folgen hat hier, wo die Beiden ihrem zukünftigen Herrn heimlich nachgehen, etwas Gedrücktes und Aengstliches. Wir sollen sie uns ferner vom Zeugniß des Täufers so ergriffen denken, daß sie sich mit ihrem vollen Herzen auf der Stelle an den Herrn wenden, und was sagen sie, als derselbe sich umwendet und sie fragt, was sie wollen? Sie fragen ihn nach seiner Wohnung — nach seiner Wohnung, nicht etwa, als wollten sie ihn später daselbst besuchen, als wollten sie ihn spater mit Nuhe sprechen — auf jene Absicht deutet der Evangelist mit keinem Worte hin und die Voraussetzung, daß Jesus jetzt gerade von einer Schaar von Leuten umringt gewesen, wird durch die Anlage der ganzen Situation ausgeschlossen. The two disciples, the evangelist says, followed Jesus – but if we look closer, they sneak after him. “Following”,*) which otherwise, also in our Gospel, even in the same chapter, v. 44, in Jesus’ call to Philip, is the expression for free, open, constant following, has here, where the two secretly follow their future Lord, something oppressive and anxious. We should also think of them as being so moved by the testimony of the Baptist that they turn to the Lord on the spot with their full hearts, and what do they say when he turns around and asks them what they want? They ask him about his dwelling – about his dwelling, not as if they wanted to visit him there later, as if they wanted to talk to him later closely – the evangelist does not indicate that intention with a word and the assumption that Jesus was surrounded by a crowd of people is excluded by the arrangement of the whole situation.
29* *) ἀκολουθεῖν *) ἀκολουθεῖν
29/31 Sie fragen vielmehr nach seiner Wohnung, als enthielte dieselbe oder wäre sie ein Mysterium, ein Allerheiligstes. In der That antwortet ihnen Jesus: Kommt und sehet, d. h. mit Worten, die etwas Kategorisches und so Hochtönendes haben, daß sie nur zu dem höchsten und gehaltvollsten Schauspiel einladen können — mit Worten, die an der Stelle sind, wenn das Lamm Gottes in der Apokalypse C. 6. die Siegel des siebenfach verschlossenen Buches löst, und allerdings dem Zuschauer nur zuaerufen werden können, wenn ein Räthsel gelöst werden soll, das, wie der Apokalyptiker sagt (C. 5., 3.), noch Niemand weder im Himmel noch auf der Erde hat lösen können. War aber die Wohnung Jesu ein Mysterium, zu dessen Besichtigung mit diesen pomphaften Worten eingeladen werden durfte? Allerdings will der Evangelist, daß wir die Sache so ansehen sollen, — er fährt feierlich fort: sie kamen und sahen — aber da er nur hinzufügen kann: wo er wohne, da er die Absicht in der That nicht durchführen, in der Wohnung Jesu das Aller« heiligste und das würdige Tabernakel des Hochwürdigsten uns nicht zur Anschauung ‘bringen kann, so bleibt der Pomp der Aufforderung Jesu im Umbestimmten seiner Ueberschweng- lichkeit stehen oder vielmehr er fällt zur Mattheit herunter, die diese ganze Erzählung niederdrückt. Der Verfasser, der für die einfache Größe, für jene Größe, mit der der Herr z. B. sagt: „hier ist mehr als Jonas, mehr als Salomo!” keinen Sinn hatte und nicht wußte, was es bedeute, wenn Jesus sagt, des Menschen Sohn habe nicht, wo er sein Haupt hinlege, wollte dem Zusammentreffen des Herrn mit seinen ersten Jüngern den Charakter der Größe und Feierlichkeit geben und er konnte die Adepten mit der pomphaftesten Aufforderung des Herrn nur in dessen Wohnung schaffen.

Und wenn er sie nur ruhig hier gelassen, wenn er sie nur nicht mit der chronologischen Genauigkeit, der er sich zu seinem Unglück befleißigt, nur diesen Tag — von zehn Uhr an*) — bei ihrem Herrn gelassen hätte, da er doch jetzt, wie es sich uns bald zeigen wird, die Bildung und Erwählung des bleibenden Jüngerkreises erzählen will — eine Absicht, die er unfreiwillig durch sein Trachten nach chronologischer Genauigkeit selbst zerstört.

They rather ask about his dwelling as if it contained or was a mystery, a holy of holies. In fact, Jesus answers them: Come and see, i.e. with words that have something categorical and so high-sounding that they can only invite to the highest and most substantial spectacle – with words that are at the place when the Lamb of God in the Apocalypse C. 6. 6, when the Lamb of God loosens the seals of the sevenfold closed book, and can, however, only be called out to the spectator when a mystery is to be solved, which, as the apocalypticist says (C. 5, 3), no one has yet been able to solve, neither in heaven nor on earth. But was the dwelling of Jesus a mystery that could be visited with these pompous words? Of course, the evangelist wants us to see it that way – he continues solemnly: they came and saw – but since he can only add: where he lived, since he could not carry out the intention, since he could not show us in the dwelling of Jesus the most holy and the worthy tabernacle of the most reverend, the pomp of Jesus’ invitation stops in the redefinition of its excessiveness or rather it falls down to the dullness that depresses this whole narration. The author, who had no sense for the simple greatness, for that greatness with which the Lord, for example, says: “Here is more than Jonah, more than Solomon!” and did not know what it meant when Jesus said that the Son of Man did not have where to lay his head, wanted to give the meeting of the Lord with his first disciples the character of greatness and solemnity and he could only bring the adepts with the most pompous invitation of the Lord into his dwelling.

And if only he had left them here quietly, if only he had not, with the chronological exactness to which he is wretchedly prone, left them only this day-from ten o’clock*) – since he now, as it will soon become clear to us, wants to tell the formation and election of the remaining circle of disciples – an intention which he himself involuntarily destroys by his striving for chronological accuracy.

30* *) Wahrscheinlich zehn Uhr vor Mittag nach römischer Rechnung, nicht vier Uhr nach Mittag nach hebräischer Rechnung, da der Verfasser doch so viel Bewußtseyn über die Bedeutung der Worte noch behalten haben wird, daß er nur dann, wenn noch der größere Theil des Tages übrig ist, sagen konnte, sie blieben jenen Tag bei ihm. *) Probably ten o’clock before noon according to Roman reckoning, not four o’clock after noon according to Hebrew reckoning, since the author will still have retained so much consciousness about the meaning of the words that he could only say, if still the greater part of the day is left, that they remained that day with him.
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31/32 Indem der Vierte zu einer neuen Begebenheit übergeht, unterlaßt er es, uns zu bemerken, an welchem Tage dieß Neue sich zugetragen habe — dafür hat er aber auch in dem Anfang dieses neuen Absatzes dem Interesse an der Zeit eine Wendung gegeben, die uns hinreichend für den Wegfall jener chronologischen, nun schon zweimal angebrachten Notiz entschädigt. Er berichtet uns nämlich, wie Andreas, einer jener Beiden, die Jesum in seiner Wohnung besucht hatten, zuerst*) seinen Bruder Simon gefunden habe — er hat ihn also mit einem Anderen gesucht und dieser Andere, der weniger glücklich oder vielleicht im Nennen nicht so geübt war wie er, konnte Niemand Andres seyn als jener Genosse, der mit ihm beim Herrn gewesen war. Da sie aber beide nur diesen Tag bei Jesus geblieben, also am Abend nach Hause zurückgekehrt waren, da zwischen ihrer Rückkehr und dem Finden des Simon wenigstens die Nacht dazwischen zu denken ist — so ist dieser Zeitraum für das eilige Umherrennen Beider, für ihren Wettlauf viel zu lang, — er enthält nämlich viel zu viel Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten für ein leichteres und ruhigeres Zusammentreffen mit Simon, als daß wir die schriftstellerische Erfindung des Vierten eine glückliche nennen könnten. Das völlige Mißlingen verräth die Erfindung — das Glück, mit dem der Vierte auch später einen Wettlauf zu dem Grabe Jesu verunstaltet, sichert ihm die Ehre, daß er auch diesen Wettlauf erfunden habe. By passing to a new event, the fourth one omits to tell us on which day this new thing had happened – but for that he has also given in the beginning of this new paragraph a turn to the interest in the time, which sufficiently compensates us for the omission of that chronological, now already twice added note. For he tells us how Andrew, one of those two who had visited Jesus in his dwelling, had first*) found his brother Simon – so he had looked for him with another and this other, who was less fortunate or perhaps not so skilled in naming as he, could be nobody else than that comrade who had been with him at the Lord. But since they both had stayed with Jesus only this day, that is, since they had returned home in the evening, since between their return and the finding of Simon at least the night is to be thought of in between – so this period of time is much too long for the hurried running around of both, for their race, – it namely contains much too many possibilities and probabilities for an easier and calmer meeting with Simon, than that we could call the literary invention of the fourth a happy one. The complete failure betrays the invention – the luck with which the fourth also later disfigures a race to the tomb of Jesus secures him the honor that he also invented this race.
31* *) Einige Handschriften lesen bei der schriftstellerischen Kunst des Vierten ist es zwar kein schlagender Grund gegen diese Lesart: „Andreas fand erst den Simon”, daß der Verfasser nachher fortfahrcn müßte zu zählen, also etwa berichten: nachher fand erden und den, — der Verfasser ist zu Allem fähig, auch dazu, eine eingeschlagene Richtung plötzlich aufzugeben, der Anklang aber an den spätern Wett- lauf, an dem Simon Petrus selbst Theil nahm, und der Umstand, daß durch die Composition der folgenden Glieder der Gedanke daran, daß Andreas nach einander mehrere Bekannte bei Jesus eingcführt habe, geradezu ausgeschlossen wird, — das spricht für die Lesart *) πρῶτος Some manuscripts read in the literary art of the fourth, it is not a convincing reason against this reading: “Andrew first found Simon”, that the author would have to continue counting afterwards, thus report about: the author is capable of anything, also of suddenly giving up a chosen direction, but the allusion to the later race, in which Simon Peter himself took part, and the circumstance that the thought that Andrew had introduced several acquaintances to Jesus one after the other, is virtually excluded by the composition of the following parts, – that speaks for the reading πρῶτος
32/33 Haltlos wie die Situation sind auch die Worte, die Andreas seinem Bruder, als er ihn fand, zurief: „wir haben den Messias gefunden” — finden konnte er ihn, wenn er ihn als diese bestimmte Person gesucht hatte, nachdem er die Gewißheit erhalten hatte, daß der Erwartete gerade jetzt, in diesen Tagen, in diesem Augenblick zu finden seyn müsse — finden konnte er ihn nur, wenn er der bereits erfolgten Ankunft desselben so gewiß war, wie ihm die Existenz seines Bruders Simon feststand, und wenn er überzeugt war, daß er den Erwarteten jetzt gerade irgendwo treffen müsse, wie er darauf rechnen konnte, seinen Bruder irgendwo in der Nähe zu treffen. In dieser Weise hatten aber Andreas und sein Genosse den Messias nicht gefunden, sondern sie waren auf ihn durch den Läufer hin gewiesen — die Jünger wie das Volk überhaupt hatten den Messias als diese Person nicht gesucht, sondern — (nach der sonstigen Voraussetzung der Evangelien) — seine Ankunft erwartet und ihre Erwartung wurde erfüllt, als der Messias kam, sich ihnen zeigte, oder ihnen, vom Täufer etwa, gezeigt wurde, aber nimmermehr war es richtig, von ihnen zu sagen, daß sie ihn fanden.

Haltlos wie dieser Selbstruhm des Andreas ist auch der Gruß, mit dem Jesus dessen Bruder empfängt und zugleich die durchdringende Kraft seines Blicks offenbart: du bist Simon, der Sohn des Jonas, ruft er ihm zu, als ihn Andreas zu ihm brächte, sollst aber Petrus heißen d. h. dein Vater hat dir nur einen Namen geben können, der mit deinem innern Wesen keinen Zusammenhang hat, durch den Zufall hast du, wie es in der natürlichen Welt zu geschehen pflegt, deinen Namen bekommen, da du aber in eine neue Welt eintrittst und von nun an mein Geschöpf bist, so ziemt es sich, daß ich dir einen Namen gebe, der deinem Charakter entspricht: Fels. Indem der Vierte diese Namengebung schon hier bei dem ersten Zusammentreffen des Herrn und des Jüngers geschehen läßt, mag er selber seinen Streit mit Matthäus ausfechten, der (C. 16., 16 —18.) sie erst später eintreten läßt, der sie wenigstens durch das Bekenntniß Petri motivirt, der mit keinem Worte andeutet, daß er von dem früheren Vorfall Etwas wisse, der vielmehr beide Namen, den alten und den neuen so entschieden trennt und sich gegenüberstellt, daß seine Meinung, jetzt erst habe Petrus statt des früheren bedeutungslosen Namen den neuen bedeutenden und angemessenen erhalten, nicht zweifelhaft seyn kann, der endlich den Herrn offenbar etwas Besonderes und für Simon Neues sagen lassen will, wenn er ihm die Worte leiht: ich aber sage Dir, Du bist Petrus. Doch wir brauchen nicht einmal darauf zu warten, bis es dem Vierten beliebt, seinen Streit mit Matthäus auszufechten und für beendet zu erklären: der Streit ist schon zu Ende: nur hier, im ersten Evangelium ist diese Namensgebung motivirt, durch den entschiedenen Glaubensact Simons herbeigeführt — im Bericht des Vierten, wo sie sich auf den Charakter überhaupt bezieht, ist ihr. Boden unhaltbar und muß sie im Abstrakten versinken.

Haltless like the situation are also the words that Andrew shouted to his brother when he found him: “we have found the Messiah” – he could find him, if he had looked for him as this certain person, after he had received the certainty that the expected one must be to be found just now, in these days, in this moment – he could find him only if he was as certain of the already occurred arrival of the same as the existence of his brother Simon was certain to him, and if he was convinced that he must meet the expected one just now somewhere, as he could count on meeting his brother somewhere nearby. In this way, however, Andrew and his comrade had not found the Messiah, but they had been pointed to him by the runner – the disciples as well as the people in general had not looked for the Messiah as this person, but – (according to the other presupposition of the Gospels) – had expected his arrival and their expectation was fulfilled when the Messiah came, showed himself to them, or was shown to them, by the runner, for instance, but never again was it right to say of them that they found him.

Like this self-glory of Andrew is also the greeting with which Jesus receives his brother and at the same time reveals the penetrating power of his gaze: “You are Simon, the son of Jonah,” he calls to him when Andrew brings him to him, “but you are to be called Peter, i.e. your father has given you only one name. Your father could only have given you a name that has no connection with your inner being; by chance you have received your name, as it is wont to happen in the natural world, but since you are entering a new world and from now on are my creature, it is fitting that I give you a name that corresponds to your character: Rock. By letting this naming happen already here at the first meeting of the Lord and the disciple, the fourth may himself fight out his dispute with Matthew, who (C. 16., 16 -18. ) lets it happen later, who at least motivates it by Peter’s confession, who does not imply with a word that he knows anything about the earlier incident, who rather separates and contrasts both names, the old and the new, so decisively that his opinion that Peter has only now received the new significant and appropriate name instead of the earlier meaningless one cannot be doubted, who finally wants to let the Lord obviously say something special and new for Simon when he lends him the words: But I say to you, you are Peter. But we do not even have to wait until the Fourth is pleased to fight out his dispute with Matthew and to declare it over: the dispute is already over: only here, in the first Gospel, this naming is motivated, brought about by the decisive act of faith of Simon – in the account of the Fourth, where it refers to the character in general, its ground is untenable and it must be explained in the fourth Gospel. In the account of the fourth, where it refers to the character in general, its ground is untenable and it must sink into the abstract.

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34/35 Der Verfasser zählt wieder von einem Lage zum andern, wenn er (V. 44., 45.) Jesum den PhilippuS finden und zur Nachfolge auffordern läßt, er sagt, es geschah am folgenden Tage, übersieht aber, daß er es ganz und gar unterlassen hat, uns zu sagen, welches der Tag sey, dessen folgenden er meine. Wir — wir könnten zwar allenfalls es herausrechnen, daß dieser vorhergehende Tag, da Andreas und der Andere, sein ungenannter Genosse den ganzen Tag, als fie dem Herrn nachgeschlichen waren, bei demselben sich aufgehalten hatten, nur der Tag seyn kann, an welchem Petrus zu Jesus kam — allein das wäre nur unsere Rechnung und sogar eine neue und von uns selbst gemachte Rechnung, da wir sahen, daß der Vierte durch das Interesse, welches er an dem Wettlauf des Andreas und seines Genossen nahm, sich dazu verleiten ließ, die Chronologie ganz zu vergessen. Der folgende Tag, der jetzt anbricht, hat daher, da wir nicht auf den Einfall kommen können, die chimärische Zeitrechnung des Vierten fortzubilden, keinen bestimmten vorhergehenden Tag, auf den er folgte.

Wie „fand” nun an diesem chimärischen Tage Jesus den Philippus? Finden konnte er ihn nur, wenn er ihn vorher schon kannte und jetzt nur suchte. Aber auf diese naturgemäße Vermittelung deutet der Bericht nicht nur mit keinem Worte hin, sondern schließt sie aus, da er von vornherein daraus angelegt ist, daß der un berechnete Zufall die ersten Jünger zu Jesus führt, nachdem einmal der Täufer auf ihn, der hierin diesem Kreise als ein Unbekannter vorausgesetzt wird, hingewiesen hatte.

Vielleicht will aber der Vierte dieses Finden motiviren, wenn er nachher, nachdem Philippus bereits gefunden und zur Nachfolge aufgefordert ist — obwohl in diesem Falle die erklärende Notiz zu schleppend nachfolgte — bemerkt, daß Philippus aus der Vaterstadt des Brüderpaars Andreas und Simon war? Aber dann müßte er uns erst beweisen, daß er besser unterrichtet war als die Synoptiker, wenn er Bethsaida und nicht Kapernaum die Vaterstadt des Andreas und seines Bruders nennt — dann müßten wir vielmehr erwarten, daß einer von diesen Brüdern den Philippus fand und zum Herrn führte, oder der Vierte müßte wenigstens erzählt haben, daß die beiden Brüder ihren Landsmann dem Herrn als einen „gesinnungs- tüchtigen” Jsraeliten geschildert, somit empfohlen und dann auch kenntlich gemacht hatten — außerdem wäre es in diesem Falle doch auch noch der Erwähnung werth gewesen, daß der Herr den Philippus suchte. Von alle dem sagt aber der Evangelist Nichts — der Bericht fällt auseinander und schließt sich erst wieder zusammen, wenn wir darauf achten, daß die unabweisbare Nothwendigkeit der Abwechslung diese neue Situation forderte, daß jetzt, nachdem der Täufer die ersten Jünger zum Herrn gewiesen und ein Jünger den Andern zu demselben geführt hatte, er selbst einen Jünger zur Nachfolge auffordern mußte. Der Evangelist gehorchte der Nothwendigkeit, war aber so wenig Meister der Sprache, ist in seiner Angst so wenig Herr über die Composition, daß er die verschiedensten Situationen immer nur durch das Eine Wort „finden” zusammenbringt.

The author again counts from one situation to the other, when he (v. 44, 45) lets Jesus find Philip and call him to follow him, he says it happened on the following day, but overlooks that he has completely omitted to tell us what the day was, whose following day he means. We – we could at best work out that this previous day, since Andrew and the other, his unnamed comrade, had stayed with the Lord all day while they were sneaking after him, can only be the day on which Peter came to Jesus – but that would only be our calculation and even a new calculation made by ourselves, since we saw that the fourth, through the interest he took in the race of Andrew and his comrade, let himself be tempted to forget the chronology altogether. The following day, which now dawns, has therefore, since we cannot come to the idea of continuing the chimerical chronology of the Fourth, no certain preceding day, which it followed.

How did Jesus “find” Philip on this chimerical day? He could find him only if he already knew him before and only looked for him now. But the report does not only not hint at this natural mediation with any word, but excludes it, since it is laid out from the outset from the fact that the uncalculated coincidence leads the first disciples to Jesus, after once the Baptist had pointed to him, who is presupposed here in this circle as an unknown.

But perhaps the fourth wants to motivate this finding, when he notices afterwards, after Philip has already been found and invited to follow him – although in this case the explanatory note followed too slowly – that Philip was from the hometown of the pair of brothers Andrew and Simon? But then he would have to prove to us first that he was better informed than the Synoptics, if he calls Bethsaida and not Capernaum the father city of Andrew and his brother – then we would have to expect rather that one of these brothers found Philip and led him to the Lord, or the fourth one should at least have told that the two brothers had described their compatriot to the Lord as a “competent” Israelite, thus recommending him and then also making him recognizable – besides, in this case it would also have been worth mentioning that the Lord was looking for Philip. But the evangelist says nothing of all this – the report falls apart and only comes together again when we pay attention to the fact that the unavoidable necessity of variety demanded this new situation, that now, after the Baptist had pointed the first disciples to the Lord and one disciple had led the other to him, he himself had to call upon a disciple to follow him. The evangelist obeyed the necessity, but was so little master of the language, is in his fear so little master of the composition, that he always brings the most different situations together only by the one word “find”.

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35/36 Der Jünger, der zuletzt noch in den Kreis gezogen wird, Nathanael (V. 46-52.), konnte daher auch nur gefunden werden — Philippus fand ihn, aber es ist nicht gesagt, wo, noch wann. In dem Augenblicke, da Philippus gefunden wird, sagt zwar der Evangelist, wollte Jesus nach Galiläa aufbre- chen — d. h. Jesus brach noch nicht auf, sondern er war eben erst im Begriff Hinwegzugehen — für die Findung des Phi-lippus Wird nicht eine neue Localität vorausgesetzt, sondern bleibt es noch bei der alten — aber die Scene sollte eben verändert werden, sie war im Begriff verändert zu werden, als Jesus den PhilippuS fand, sie mußte also verändert seyn, als das Neue eintrat, PhilippuS den Nathanael fand. D. h. die Findung des Nathanacl hat keinen Boden auf dieser Erde — der Vierte hat für sie auch keine Zeit bestimmt — sie bleibt im Unbestimmten stehen, in welchem die Notiz, daß Jesus, als er den PhilippuS fand, aufzubrechen im Begriff war, verklingt und der Leser auf die Uebersiedlung nach Kana sich vorbereitet. Sie ereignet sich in diesem Zwischenland und in dieser Zwischenzeit, die sich allein in der unbestimmten Voraussetzung des Evangelisten befinden und in der nebelhaften Anschauung des gläubigen und arglosen Lesers reproduciren.

Wenn nun PhilippuS in demselben Augenblicke, wie er den Nathanacl erblickt, ihm zuruft: „Den, von dem Moses im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, den haben wir gefunden”, so spricht er so geläufig wie ein Buch, wie ein Theoretiker, der schon ein System von Verheißungen besitzt und dasselbe in Jesu erfüllt sieht, wie ein Späterer, der seine alt- testamentliche Dogmatik mit der Erfüllung in Jesu vergleicht, d. h. der Evangelist hat ihm seine Sprache und sein Interesse geliehen.

The disciple who is finally drawn into the circle, Nathanael (v. 46-52), could therefore only be found – Philip found him, but it is not said where, nor when. At the moment when Philip is found, the evangelist says, Jesus wanted to leave for Galilee – i.e. Jesus did not leave yet, but he was just about to leave – for the finding of Philip a new locality is not assumed, but it remains with the old one – but the scene was to be changed, it was about to be changed when Jesus found Philip, it had to be changed when the new thing happened, Philip found Nathaniel. I.e. the finding of Nathanael has no ground on this earth – the Fourth has also not determined a time for it – it remains in the indefinite, in which the note that Jesus, when he found Philip, was about to set out, fades away and the reader prepares for the resettlement to Cana. It happens in this in-between country and in this in-between time, which are only in the indefinite presupposition of the evangelist and reproduced in the misty view of the believing and guileless reader.

When Philip, at the same moment that he sees Nathanacl, calls out to him: “The one of whom Moses wrote in the law and the prophets, we have found,” he speaks as fluently as a book, as a theorist who already has a system of promises and sees it fulfilled in Jesus, as a later one who compares his Old Testament dogmatics with the fulfillment in Jesus, i.e. the evangelist has lent him his language and his interest.

36/38 Philippus fährt fort, wie ein Buch zu sprechen: „Jesum, schließt er nämlich seinen Zuruf, den Sohn Josephs, den — als ob ihn Nathanacl schon kannte! — den von Nazareth.” Der Evangelist bedenkt nicht, daß wenn PhilippuS dem Natha- nael das Wunderbare, daß der Messias gefunden sey, zurufen sollte, höchstens nur noch ein solcher Zusatz erlaubt war, der seinem Bekannten Etwas meldete, was für dessen messianische Erwartung von Wichtigkeit war und ihn bewegen konnte, sich auf der Stelle zum Gefundenen zu begeben. Daran konnte aber der Verfasser nicht denken, da ihn ein Interesse leitet, das ihn in eine ganz andere Richtung hinwies — er fühlte, daß es ermüdend Ware, wenn alle einzelnen Jünger, die sich jetzt um den Herrn sammeln, auf Ein Wort zu diesem Anschluß bereit erklären, er konnte sich die Nothwendigkeit der Abwechslung und des Eontrastes nicht verbergen und ließ nun den Letzten, der gewonnen wird, sich erst zweifelnd dem Herrn nahen, damit derselbe durch den Eindruck der Persönlichkeit desselben erst gewonnen werde und um so bedeutungsvoller für die Kraft dieses Eindrucks zeuge.

Darum muß Philippus wie ein Buch sprechen und die vollständige Formel: „Jesum, den Sohn Josephs, von Naza- reth” hier anbringen, damit Nathanael zweifeln und daran Anstoß nehmen kann, daß der Messias aus einem so unbedeutenden Flecken wie Nazareth Herkommen solle, damit ihn Philippus mit den Worten: „komm und sieh!” auf den Herrn verweisen und dieser dann endlich den Zweifler, indem er ihm andeutet, daß er ihn wunderbar durchschaut habe und die Gedanken kenne, mit denen er sich vor seinem Zusammentreffen mit Philippus unter einem Feigenbaum beschäftigt habe, vollständig gewinnen und von seiner Gottheit überzeugen kann. Ein Wunder mußte diesen Abschnitt und den Jüngerkreis schließen.

Für den Evangelisten, der in seiner Schrift von der Geburt und Kindheit Jesu Nichts erzählt, der aber mit seiner spekulativen Theorie über den Kreis, für welchen diese Geburtsgeschichte ursprüngliches Interesse hatte, längst hinaus ist — für ihn ziemte es sich wenigstens, eine Andeutung zu geben, die den Leser an dieses von seinem Geschichtswerk überschrittene Interesse erinnere, — er thut es indirect, in der Manier, die wir in seiner ganzen Arbeit wiederfinden werden, durch einen Contrast, indem er Philippns so sprechen läßt, daß der Zweifel durch das Scheinbild von der Heimat- Jesu erregt wird — durch einen Contrast, der ihn erfreut, da er ihn in seinem Bewußtseyn und in dem der Gemeinde aufgelöst weiß, den er daher oft wieder benutzen wird, um sich an demselben den Unglauben der Juden strafen zu lassen, und den er hier durch das Wunder Jesu und durch sein Wort von dem Himmel, der über ihm geöffnet sey, sich auflösen läßt.

Philip continues to speak like a book: “Jesus, he concludes his acclamation, the son of Joseph, the one – as if Nathanacl already knew him! – the one from Nazareth.” The evangelist does not consider that if Philip was to call out to Nathanacl the miraculous fact that the Messiah had been found, at the most only such an addition was allowed, which reported to his acquaintance something that was of importance for his messianic expectation and could move him to go to the found one on the spot. But the author could not think of this, since he was guided by an interest that pointed him in a completely different direction – he felt that it would be tiresome if all the individual disciples who are now gathering around the Lord would agree to this connection at a word, He could not conceal the necessity of variety and contrast, so he had the last one to be won first approach the Lord in doubt, so that he would be won over by the impression of the Lord’s personality and would testify all the more meaningfully to the power of this impression.

Therefore Philip must speak like a book and put the complete formula: “Jesus, the son of Joseph, from Nazareth” here, so that Nathaniel can doubt and take offense at the fact that the Messiah should come from such an insignificant place as Nazareth, so that Philip can refer him to the Lord with the words: “Come and see! ” to the Lord, and that the latter may then at last completely win over the doubter by intimating to him that he had wonderfully seen through him and knew the thoughts with which he had been occupied before his meeting with Philip under a fig tree, and convince him of his divinity. A miracle had to close this passage and the circle of disciples.

For the evangelist, who in his writing tells of the birth and childhood of Jesus nothing, but who with his speculative theory has long since gone beyond the circle for which this birth story had original interest – for him it was at least proper to give a hint that reminds the reader of this interest exceeded by his historical work – he does it indirectly, in the manner that we will find again in his whole work, by a contrast, in that he lets Philip speak in such a way that the doubt is aroused by the simulacrum of the homeland of Jesus – by a contrast that pleases him, since he knows it to be resolved in his consciousness and in that of the congregation, which he will therefore often use again to have the unbelief of the Jews punished by it, and which he lets be resolved here by the miracle of Jesus and by his word of the heaven that was opened above him.

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38/40 Nachdem alle Einzelheiten des Berichts in ihren Ursprung, die Absicht des heiligen Schriftstellers verflogen sind, bietet der Bericht selber noch eine Handhabe dar, die ihn zu guter letzt vollends und als das Ganze, als das er sich zur Geltung bringen will, ruinirt.

Darauf wollen wir kein Gewicht legen, daß während nach dem synoptischen Bericht der Herr in Galiläa seine Jünger zu sich beruft und zwar persönlich und durch die Macht seines Wortes und Willens zu sich zieht, ohne daß der Täufer erst nöthig hat, den Mittler in dieser Angelegenheit zu spielen — nach der Darstellung des Vierten im Süden des Landes die Jünger berufen und die Ersten noch dazu durch den Täufer zu Jesus verwiesen werden; — auch darauf wollen wir kein besonderes Gewicht legen, daß nach dem synoptischen Bericht Andreas und Petrus in demselben Augenblick berufen werden, während im vierten Evangelium erst Andreas mit einem Andern durch den Täufer zur Nachfolge Jesu bewogen wird und Petrus durch Vermittlung seines Bruders zu seinem Herrn und Meister kommt — aber die Thatsache, daß der Vierte hier in Judäa dieselbe Bildung des Jüngerkreises geschehen lassen will, die die Synoptiker nach Gatitäa verlegen, wollen wir wenigstens feststellen und darauf Hinweisen, wie er es mit keinem Worte zu erkennen gibt, als habe er die Vorstellung, daß hier, in Ju- däa das Verhältniß zwischen Jesus und den Jüngern sich erst vorläufig angeknüpft habe und erst in Galiläa die feierliche Berufung zur beständigen Nachfolge nachgekommen sey. Im Gegentheil! Nach seiner Anschauung befinden sich die Jünger von jetzt an ununterbrochen im Gefolge ihres Herrn, es bedarf keiner neuen Berufung, die Möglichkeit und Nothwendigkeit einer neuen Anknüpfung ihres Verhältnisses zu Jesu ist sogar ausgeschlossen, da sie bereits wesentlich zu ihm gehören und als diese unzertrennlichen Begleiter des Herrn mit diesem zugleich zur Hochzeit in Kann eingeladen werden — Jesus sagte demnach auch zu PhilippuS: Folge mir, und bannte ihn damit in den geistigen Bereich seiner Persönlichkeit, und als er dem Simon seinen neuen Namen gab, wollte er ihm damit sagen, daß er von nun an der Bürger einer neuen Welt und das Geschöpf seines Meisters sey.

Auch darauf wollen wir kein Gewicht legen, daß im Bericht des Vierten für die Versuchung, die nach der synoptischen Darstellung auf die Taufe Jesu folgt, mit ihren vierzig Tagen kein Raum bleibt — aber den Thatbestand haben wir wenigstens festzustellen. Sehen wir nämlich, wie der Evangelist von Tag zu Tag zählt, wenigstens zu zählen versucht und die Reihenfolge der Ereignisse mit der unmittelbaren Aufeinanderfolge der einzelnen Tage identificiren will, so ist es klar, daß er auch die Taufe Jesu, die der Täufer als geschehen voraussetzt, wenn er zu den Abgesandten der Obrigkeit sagt: er steht mitten unter euch, den ihr nicht kennt, ich aber kenne, nicht zu weit vor der Ankunft dieser Boten als geschehen denkt — mit andern Worten: ein Ereigniß, auf welches er sich im ersten Anfang sei ner Schrift bezieht, wird er nicht weit vor diesen Anfang d. h. nicht ins Leere stellen wollen. Die Taufe Jesu, so will er es, sollen wir uns, wenn er den Täufer sich auf sie beziehen läßt, so nahe, so sehr als kurz vorher geschehen denken, daß für die Versuchung und ihre vierzig Tage aller Raum abgeschnitten wird.

After all the details of the report have evaporated into their origin, the intention of the holy writer, the report itself still offers a handle, which in the end ruins it completely and as the whole, as which it wants to present itself.

We do not want to emphasize that while according to the Synoptic account the Lord calls his disciples to himself in Galilee and draws them to himself personally and by the power of his word and will, without the Baptist first having to play the mediator in this matter – according to the account of the Fourth, the disciples are called in the south of the country and the first ones are even referred to Jesus by the Baptist; – Nor do we want to attach any particular importance to the fact that, according to the Synoptic account, Andrew and Peter are called at the same moment, while in the Fourth Gospel Andrew is first persuaded by the Baptist, together with another, to follow Jesus, and Peter comes to his Lord and Master through the mediation of his brother – but the fact that the Fourth wants the same formation of the circle of disciples to take place here in Judea, But the fact that the Fourth wants the same formation of the circle of disciples to take place here in Judea, which the Synoptics transfer to Galilee, we want to establish at least and point out, as he does not indicate it with any word, as if he had the idea that here, in Judea, the relationship between Jesus and the disciples had only been established provisionally and that only in Galatia the solemn calling to permanent discipleship had followed. On the contrary! According to his view, the disciples are from now on continuously in the entourage of their Lord, there is no need for a new calling, the possibility and necessity of a new connection of their relationship to Jesus is even excluded, since they already essentially belong to him and as these inseparable companions of the Lord they are invited to the wedding in Cana at the same time: Follow me, and thus banished him into the spiritual realm of his personality, and when he gave Simon his new name, he wanted to tell him that from now on he was the citizen of a new world and the creature of his master.

We also do not want to emphasize that in the report of the Fourth there is no room for the temptation, which according to the synoptic account follows the baptism of Jesus, with its forty days – but we at least have to establish the fact. If we see how the evangelist counts from day to day, at least tries to count, and wants to identify the sequence of events with the immediate succession of the individual days, then it is clear that he also presupposes the baptism of Jesus, which the Baptist assumes to have happened, when he says to the emissaries of the authorities: he stands in the midst of you, whom you do not know, but I know, not too far before the arrival of these messengers as having happened – in other words: an event to which he refers in the first beginning of his scripture, he will not want to put far before this beginning, i.e. not in the void. That is, he will not want to place it in the void. He wants us to think of the baptism of Jesus, when he lets the Baptist refer to it, so close, so much as having happened shortly before, that all space is cut off for the temptation and its forty days.

40/41 Nun die Handhabe der letzten Zerstörung! Es ist die Notiz C. 2., 1., daß am dritten Tage eine Hochzeit zu Kana in Galiläa war, zu der auch Jesus mit seinen Jüngern eine Einladung erhalten hatte. Diese Angabe, daß am dritten Tage die Hochzeit war, wollen wir nicht deshalb schon zerstörend nennen, weil sie ins Leere fällt und den Bericht in ihr Schicksal mit hineinzieht — sie fällt aber ins Leere, weil der Verfasser trotz seiner Bemühung, zu zählen, seine Absicht nicht durchführen kann, für die Auffindung deS Nathanael keine wirkliche Zeit geschaffen, also auch den dritten Tag, dem alle Voraussetzung fehlt, in das Reich der Chimäre versetzt hat — doch ihre ganze zerstörende Kraft beweist diese Notiz, wenn wir darauf achten, daß mit dem Herrn auch seine Jünger zur Hochzeit eingeladen seyn sollen. Nur hier, in Bethanien konnte an den Herrn diese Einladung zur Hochzeit kommen, die der Grund seines Aufbruchs nach Galiläa ist — nur diese Einladung soll die äußere und und zufällige Ursache seyn, welche Jesum dießmal wie auch in den spätern Fällen dazu bewegt, Judäa einmal zu verlassen und sich nach Galiläa zu begehen — und doch sollte man in Kana schon wissen, daß er einen Jüngerkreis um sich hatte, der so eng mit seiner Person verbunden war, daß eine Einladung, die an ihn erging, seine Umgebung nicht vergessen durfte? In dem Augenblick, als die Einladung von Kana abging, sammelt er aber erst die Jünger — ja, er sammelte sie nicht einmal, sondern der Zufall führte sie zu ihm — kurz, die ganze Chronologie dieses Abschnitts fällt mit sämmtlichem Detail des Inhalts in das Nichts zurück, dem sie entsprungen, in die schwache und unklare Schöpferkraft des Vierten, der es nicht einmal verstand, die Voraussetzungen, die nur anderwärts zu Hause sind — hier die Voraussetzung, daß Jesus von jetzt an und zumal in Galiläa von seinem Jüngerkreis nicht mehr getrennt werden kann, — nach seinen neuen Voraussetzungen zu verändern und sie mit denselben in einen verständigen Zusammenhang zu bringen.

Der Sturz des Eingangs soll uns aber nicht verhindern, das Gebäude selbst zu betreten und uns durch dasselbe hindurch zu arbeiten.

Now the handle of the last destruction! It is the note C. 2, 1. that on the third day there was a wedding at Cana in Galilee, to which also Jesus with his disciples had received an invitation. This indication, that on the third day the wedding was, we do not want to call already destructive, because it falls into the void and drags the report into its fate with it – but it falls into emptiness, because the author, in spite of his effort to count, cannot carry out his intention, for the finding of Nathanael no real time has been created, thus also the third day, which lacks all preconditions, has been transferred into the realm of the chimera – but its whole destructive power proves this note, if we pay attention to the fact that with the Lord also his disciples are to be invited to the wedding. Only here, in Bethany, could this invitation to the wedding come to the Lord, which is the reason of his departure to Galilee – only this invitation is supposed to be the external and accidental cause, which moves Jesus this time as well as in the later cases to leave Judea once and to go to Galilee – and yet one should already know in Cana that he had a circle of disciples around him, which was so closely connected with his person, that an invitation, which went out to him, could not forget his surroundings? But at the moment when the invitation departed from Cana, he first gathers the disciples – indeed, he did not even gather them, but chance led them to him – in short, the whole chronology of this passage, with all the detail of its contents, falls back into the nothingness from which it sprang, into the weak and unclear creative power of the Fourth, who did not even know how to change the presuppositions, which are only at home elsewhere – here the presupposition that Jesus from now on and especially in Galilee can no longer be separated from his circle of disciples – according to his new presuppositions and to bring them into an intelligible connection with the same.

But the fall of the entrance should not prevent us to enter the building itself and to work our way through it.

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Neil Godfrey

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