2023-03-05

Ch 3 — The Last Supper of Jesus.

 

3.

Das letzte Mahl Jesu.

3.

The last supper of Jesus.

191 Wie die Würde des königlichen Einzugs in Zerufalem durch die wunderbare Herbekschaffung des nöthigen Thieres erhöht wurde, oder vielmehr wie das Große, daß das Volk seinen verheißenen König erhalten sollte, an sich noch nicht für groß genug galt, daß es für sich allein die Anschauung beschäftigen und einnehmen könnte, wie eS vom Wunder der Vorbereitung erst die Vollendung seiner Größe entleihen mußte———- How the dignity of the royal procession in Jerusalem was elevated by the miraculous bringing forth of the necessary animal, or rather how the great fact that the people were to receive their promised king was not considered great enough in itself to occupy and captivate their attention, but rather how it had to derive the completion of its greatness from the wonder of the preparation —–
191/192 so soll auch die wunderbare Besorgung des Saales, in dem das Paschamahl gehalten wurde, auf das Mahl selbst dasjenige Licht werfen, in dem es sich von jedem andern Mahl unterscheidet — oder vielmehr der Hergang beim Mahle selbst, die Aeußerungen Jesu, die Einsetzung des Abendmahls warm an sich selbst noch nicht groß, würdig und bedeutend genug, schienen für sich noch nicht hinzureichen, dem Mahl feine Weihe zu geben, und es von jedem andern Mahle zu unterscheiden — Rein! auch die ersten Vorbereitungen schon und die Art und Weife, wir Jesus diese Anordnungen traf, müssen dazu mitwirken, ihm seine Bedeutung und feinen Borzug zu sichern. just as the miraculous preparation of the room in which the Passover meal was held should shed light on the meal itself, distinguishing it from any other meal, or rather, the course of events during the meal itself, the expressions of Jesus, the institution of the Lord’s Supper, did not seem great, dignified, and significant enough in themselves to give the meal its sanctity and distinguish it from any other meal. Even the first preparations and the way in which Jesus made these arrangements must also contribute to securing its meaning and its special character.
192 Dieser pomphafte und auf die Hoheit der Begebenheit hinweisende Eingang des Berichts führt aber vielmehr nur zu dessen Verderben.

Die Beiden, die Jesus abschickt, als ihn seine Jünger fragten, wo sie für den Abend das Pascha bereiten sollten, erhalten von ihm die Anweisung, wonach sie den Hauswirth, der ihnen den Saal dazu einräumen würde, finden würden, wenn sie einem Wasserträger folgten, der ihnen in der Stadt begegnen würde (Marc. 14, 12—1S). Offenbar wird der Hauswirth selbst als ein Unbekannter vorausgesetzt, der durch die Botschaft der Jünger: „der Meister laßt dir sagen: wo ist die Herberge, wo ich mit meinen Jüngern das Pascha essen kann?” augenblicklich getroffen werden und sich zu Diensten anbieten soll — welcher Luxus also, daß der Mann, den die Jünger selbst erst kraft eines Wunders finden würden, auch erst noch durch ein Wunder getroffen werden soll! Welcher voreilige und unbedachte Luxus, da die Jünger jenen Unbekannten nicht einmal finden konnten, wenn nicht allen Wasserträgern außer einem Einzigen die Straßen Jerusalems vorher versperrt waren!

However, this pompous and indicative entrance to the report leads only to its downfall.

The two who Jesus sends when his disciples asked him where they should prepare the Passover for the evening, receive from him the instruction that they would find the landlord who would provide them with the room if they followed a water carrier they would encounter in the city (Mark 14:12-15). Obviously, the landlord himself is assumed to be unknown, who, by the message of the disciples, “the teacher says to you, ‘Where is the guest room, where I may eat the Passover with my disciples?'” should be immediately found and offer his service – what luxury that the man whom the disciples themselves would only find by a miracle should also be struck by a miracle! What hasty and thoughtless luxury, since the disciples could not even find that unknown person if all water carriers except one were blocked from the streets of Jerusalem beforehand!

192/193 Das erste Gefüge zu seinem Bericht hat der Schöpfer der alttestamentlichen Erzählung nachgebildet, wonach Samuel dem Saul die Wahrzeichen angibt, aus dmm er erkennen sollte, daß er ihm kraft göttlicher Vollmacht die Königsvürde gegeben habe. Während dieser Erzählung der Zug entlehnt ist, daß denen, welche der Gottgesandte abschickt, ein Mann begegnet, der Etwas zum Leben Nöthiges trägt, ist der Wafferkrug wegen der Dienste, die er bereits jenem Knechte Abrahams geleistet hatte, der dem Sohne seines Herrn eine Braut holen wollte, zu der Ehre gekommen, den Jüngern Jesu von neuem als Wahrzeichen zu dienen. Aber nur im alttestamentlichen Original erfüllen die Wahrzeichen ihren Zweck und verdienen sie das Zutrauen, welches auf sie gesetzt war — d. h. hat der Verlauf der Begebenheiten, selbst innerhalb der mährchenhafteu Welt, in der sie sich zutragen, Sinn, Halt und Zusammenhang. Dort, wenn dem Saul die bezeichneten Männer begegnen, ist die Angelegenheit, um die es sich handelt, entschieden und abgemacht — hier, wo der Wasserkrug seine ersten Dienste verrichtet, steht der Knecht schon am Ziele, am Brunnen der Stadt, die Töchter der Stadt kommen, um Wasser zu schöpfen und in derjenigen will er die gesuchte Braut erkennen, die sich freiwillig dazu versteht, auch seine Kameele zu tränken, wenn er sie vorher um einen Trunk Wassers gebeten hat — hier ist nach dem Eintritt des Wahrzeichens die Frage wiederum vollkommen gelöst — der evangelische Kopist hat dem Wahrzeichen dagegen von vornherein eine chimärische Gestalt gegeben und führt die Jünger mittelst desselben an ein Ziel, welches selbst erst wieder durch ein Wunder erobert werden muß. The creator of the Old Testament narrative served as the basis for the structure of this account, in which Samuel instructs Saul on the signs by which he should recognize that he has been given the kingship by divine authority. While this account borrows the element of the messengers encountering a man carrying something necessary for life, the water jug has earned the honor of serving as a sign to Jesus’ disciples once again, due to the services it had already rendered to Abraham’s servant who had gone to find a bride for his master’s son. However, only in the original Old Testament do the signs serve their purpose and deserve the trust placed in them – that is, the events themselves have meaning, coherence, and continuity within the fairy-tale world in which they take place. There, when the designated men encounter Saul, the matter at hand is decided and settled – here, where the water jug performs its first services, the servant is already at his destination, at the city well where the daughters of the city come to draw water, and he will recognize the sought-after bride among them, who willingly offers to also water his camels if he first asks for a drink of water – here, the question is fully resolved again after the sign appears. In contrast, the Gospel scribe has given the sign a chimerical form from the outset and leads the disciples to a goal that must again be won through a miracle.
193/194 Nur Lukas, der sich aber darin versehen hat, daß er Jesum die Jniative ergreifen, den Petrus und Johannes zur Anordnung des Paschamahls abschicken, also anfangs ins Blaue schicken, und ihnen erst auf die Frage nach dem Local die Wahrzeichen angeben läßt — nur Lukas hat diese Anweisung dem Urbericht vollständig vachgeschrieben in der Schrift des Matthäus dagegen hat dieselbe eine noch wunderbarere Gestalt erhalten, wenn der Herr jenen Hauswirth feinen Jüngern nur mit den Worten kenntlich macht: „gehet hin in die Stadt zu Dings da”*) — zu Dings da, der ein Dings da bleibt und dessen Signalement nur deshalb sich in dieser verstandlofeu Myfleriosität hält, weil es dem Matthäus zu langweilig war, den Bericht, den er benutzte und in welchem jener Unbekannte den Jüngern auf eine mysteriöse Weise kenntlich gemacht war, vollständig abzuschreiben, und weil er es nicht verstand, einen Bericht, den er nicht mit allem Detail mittheilen wollte, auf eine geschichte Keife abzukürzen. Only Luke, who erred in giving Jesus the initiative to send Peter and John to prepare the Passover meal, thus initially sending them blindly, and only later giving them the signs for the location – only Luke wrote this instruction completely in his original account. In contrast, in Matthew’s account, the same instruction takes on an even more miraculous form, as the Lord only makes the host known to his disciples with the words “go into the city to so-and-so”*) – so-and-so remains an enigma, whose description only remains in this senseless mystery because Matthew found it too tedious to copy the full account, in which the unknown man was made known to the disciples in a mysterious way, and because he did not know how to abbreviate an account that he did not want to convey in full detail.
193/194* *) C. 26, 18 πρὸς τὸν δεῖνα *) Ch 26:18 πρὸς τὸν δεῖνα
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194 Heut ist Paschaabend — das Mahl, welches die Jünger besorgen sollen, ist die Paschamahlzeit — das ist die Voraussetzung des Urberichts — in dieser Voraussetzung sind ihm auch Lukas und Matthäus treu geblieben.

Nach dem Vierten verhält es sich nicht so — morgen erst ist der Paschaabend (C. 13, 1) — das letzte Mahl Jesu ist nicht die Paschamahlzeit — keine Wunder führen in den Saal, in welchem Jesus zum letztenmale vor seiner Gefangen nehmung mit den Jüngern zu Tische sitzt — dieser wunderbaren Vorbereitungen bedurfte der Vierte nicht, da fein letztes Mahl des Herrn nicht mehr dasjenige ist, an welchem derselbe feinen Jüngern seinen Leib zu essen und fein Blut zu trinken gab — er bedurfte ihrer auch deshalb nicht, weil sein Mahl so reich an Wundern ist, daß er das vorbereitende Wunder nicht mehr zu beachten brauchte.

Today is the evening of Passover – the meal that the disciples are supposed to prepare is the Passover meal – that is the premise of the original account – and both Luke and Matthew have remained faithful to this premise.

However, this is not the case in the fourth gospel – tomorrow is the evening of Passover (13:1) – the last supper of Jesus is not the Passover meal – no miracles lead into the room where Jesus sits at table with his disciples for the last time before his arrest – the fourth gospel did not need these wonderful preparations because the Lord’s last supper is no longer the one at which he gave his disciples his body to eat and his blood to drink – it did not need them also because his meal is so rich in miracles that he no longer needed the preparatory miracle.

194/195 Doch nein! Was kann ihn allein dazu bewegen, ehe er — nur beiläufig! — erwähnt, daß das Folgende bei einem Mahle sich zutrug, ehe er berichtet, daß Jesus vom Mahle auffland, um den Jüngern die Füße zu waschen, was treibt ihn dazu, in diesem Eingänge alle Wendungen feiner Dogmatik aufzubeiten, um den Grund anzugeben, weshalb Jesus die Füße der Jünger gewaschen habe? But no! What could possibly motivate him, before he casually mentions that the following events occurred during a meal, to lay out all the intricacies of his dogma in this introduction, just to explain why Jesus washed the disciples’ feet when he reports that Jesus got up from the meal to do so?
195 Welche Angst trieb ihn in die unfruchtbaren Gefilde feiner Logmatik, um dir entlegensten Gründe zu dieser Handlung auf- zusuchea? Wenn Jesus wußte (C. 13,1—4), daß seine Stunde gekommen sey, zu dem Vater abzuscheiden, mußte er deshalb die Füße seiner Zünger waschen? Daß er wußte, sein Vater habe ihm alles in die Hände gegeben, ist das ein Grund dazu, seinen Jüngern die Füße zu waschen? Weil er wußte, daß er von Gott gekommen und zu Gott zurückkehrte, mußte er deshalb — oder wenn ihn die Liebe zu den Seinkgen dazu bewog, ihnen die Füße zu waschen, ist diese Handlung wirklich der nothwendige und natürliche Beweis der Liebe?

Nachher, wenn Jesus den Züngern die Füße wirklich wäscht, kommen ganz andere Gründe, die ihn zu dieser Handlung bewogen, zu Tage, — was trieb also den Vierten dazu, den Eingang zu feinem Bericht über das letzte Mahl durch die unbeholfene und ängstliche Aufzählung jener Gründe zu überladen und fast ungangbar zu machen?

Nichts als die Verlegenheit und seine Abhängigkeit vom synoptlfchen Bericht. Die Lücke, die seine Auslastung jener vorbereitenden Anstalten zur Folge hatte, wollte er schlechterdings ausfüllen, anders, als er den Bericht vor sich sah, — anders als mit einem ausführlichen Eingänge glaubte er ihn wicht viedergeben zu dürfen — anders als mit einem breiten Eingänge konnte er ihn sich nicht denken und er häufte nun jene Gründe auf, die Jesum zu seiner Handlung bewogen, nachdem er den Eingang, der im Urbericht zum Paschamahl führt, hatte aufgeben müssen. Er will nicht, daß dieses Mahl das des Paschaabend sey!

What fear drove him into the barren fields of his logic to seek out the remotest reasons for this action? If Jesus knew (C. 13:1-4) that his hour had come to depart to the Father, did he have to wash his disciples’ feet? Is the fact that he knew his Father had given him everything a reason to wash his disciples’ feet? Because he knew he had come from God and was returning to God, did he have to – or if love for his disciples compelled him to wash their feet, is this action really the necessary and natural proof of love?

Later, when Jesus actually washes the disciples’ feet, entirely different reasons that motivated him to this action come to light. So what drove the Fourth Gospel writer to overload the introduction to his account of the Last Supper with awkward and anxious enumeration of those reasons, making it almost impassable?

Nothing but his embarrassment and his dependence on the synoptic account. He felt compelled to fill the gap that his omission of those preparatory arrangements had caused, differently than he saw it in the report – he believed he could only render it properly with a detailed introduction – he could not imagine it differently than with a broad introduction, and so he piled up those reasons that had motivated Jesus to his action, after he had to abandon the introduction that leads to the Passover meal in the original account. He did not want this meal to be that of the Passover evening!

195/196 Gilt es nun noch der Frage, woher er gerade die Wendüng seines Eingangs hat, wonach sich in dieser Handlung die ausdauernde Liebe Jesu bewies und bewährte, so wird uns wohl Lukas die Antwort geben, der die lebhafte Bewegung des Urberichts gestört und aufgehatten hat, wenn er den Herrn beim Anfang des Mahls sagen läßt: „mich hat sehr verlangt, vor meinen Leiden das Pascha mit euch zu essen” (C. 22, 15). Ein Künstler wenigstens von der außerordentlichen Begabung des Vierten war im Stande, aus diesem kurz hingeworfenen sentimentalen Zug des Gemäldes ein eignes, selbstständiges Bild hervorzuzaubern. If we now consider the question of where he got the wording of his introduction, according to which Jesus’ enduring love was proven and tested in this action, Luke will probably give us the answer. He disrupted and altered the lively movement of the original account when he had the Lord say at the beginning of the meal, “I have eagerly desired to eat this Passover with you before I suffer” (C. 22:15). Only an artist with the extraordinary talent of the Fourth Gospel writer was able to create his own, independent image from this briefly thrown sentimental stroke of the painting.
196 Und woher hat er die Gründe, mit denen Jesus nachher feine Handlung rechtfertigt und erklärt?

Sehen wir zunächst, ob der Vierte auch nur Einen standhaften Grund hat aufflellen können!

And where did he get the reasons with which Jesus later justified and explained his action?

Let’s first see if the Fourth Gospel writer was even able to establish a single steadfast reason!

196/197 Nachdem er mit seiner marternden Anschaulichkeit, die sich in den allergewöhnlichsten Verlauf erst mühsam hinein versetzt, beschrieben hat, wie Jesus „vom Mahle aufsteht, die Kleider ablegt, ein Handtuch nimmt, sich damit umgürtet, darauf Wasser ins Waschbecken gießt und nun — (wirklich endlich!) — anfängt, den Züngern die Füße zu waschen und mit dem Handtuch, damit er sich umgürtet hatte, abzutrocknen”, müssen die capriciösen Einfälle des Petrus, an den endlich auch die Reihe kommt, dem Herrn zur Deutung seiner Handlung den Anlaß geben, d. h. die Schnur hergeben, auf welcher die Perlen der verschiedenartigsten Deutungen aufgereiht werden. Obwohl der Herr auf die erste Weigerung des Petrus, der so große Herablassung nicht annehmen will, sehr bestimmt darauf verweist, daß seine Handlung ihre Bedeutung habe, muß der Zünger sich dennoch von neuem weigern, damit der Herr die erste Deutung gibt (C. 13, 8), wonach der Umstand, daß den Züngem die Füße gewaschen werden, die Bedingung ihrer Theilnahme anihm selber sey — muß darauf Petrus mit gezierter Heftigkeit und launenhafter Aufwallung die Forderung aussprechen, der Herr möge ihm auch die Hände und das Haupt waschen, damit dieser darauf verweisen kann, daß es gerade nur auf die Füße ankomme und daß von dieser Waschung die Reinheit des ganzen Menschen abhänge (V. 10). After describing in excruciating detail how Jesus “rises from the meal, takes off his clothes, takes a towel, wraps it around himself, pours water into the basin, and now – finally! – begins to wash the disciples’ feet and dry them with the towel he had wrapped around himself”, the whimsical ideas of Peter, who is eventually given his turn to interpret the Lord’s action, must provide the occasion for explaining his action – that is, provide the string on which the pearls of various interpretations are strung. Although the Lord insists very firmly, after Peter’s initial refusal to accept such great condescension, that his action has its meaning, the disciple must still refuse again so that the Lord can give the first interpretation (Jn. 13: 8), according to which the fact that their feet are washed is the condition for their participation with him – then Peter must express, with affected vehemence and capricious outburst, the demand that the Lord also wash his hands and head, so that the Lord can point out that it only matters about the feet and that the purity of the whole person depends on this washing (v. 10).
197 Warum aber gerade die Füße? Warum müssen den Jüngern die Füße gewaschen werden, damit sie rein sind und an dem Herrn Theil haben? Warum mußte der Herr, wenn er den Jüngern feine Liebe beweisen wollte, ihnen die Füße waschen?

Kein Wort wird darüber gesagt, keine der Bedeutungen, die dee Vierte im Eingänge, die der Herr selbst in seinem Zwiegespräch mit Petrus aufstellt — nein! nicht aufstellt, sondern hinwirft und mit der Geziertheit des Geheimnißvollen andeutet, Wird rein durch geführt und wirklich geltend gemacht — es konnte aber auch keine durchgeführt werden, da der Stoff, in welchen der Vierte Alles, was das Abendmahl Bedeutendes hat, übertragen wollte, bei seiner Weichlichkeit und Unnatur Zu sehr widerstrebte und gegen den werthvollen Gehalt, den er nicht ertragen konnte, selbst protestirte.
Nur das Abendmahl hat die Kraft dazu, sich als die Bedingung der Theilnahme am Herrn geltend und von seinem Genuß die Reinheit der Gläubigen abhängig zu machen.

Warum aber gerade die Füße? Warum müssen den Jüngern die Füße gewaschen werden, damit sie rein sind und an dem Herrn Theil haben? Warum mußte der Herr, wenn er den Jüngern feine Liebe beweisen wollte, ihnen die Füße waschen?

Kein Wort wird darüber gesagt, keine der Bedeutungen, die dee Vierte im Eingänge, die der Herr selbst in seinem Zwiegespräch mit Petrus aufstellt — nein! nicht aufstellt, sondern hinwirft und mit der Geziertheit des Geheimnißvollen andeutet, Wird rein durch geführt und wirklich geltend gemacht — es konnte aber auch keine durchgeführt werden, da der Stoff, in welchen der Vierte Alles, was das Abendmahl Bedeutendes hat, übertragen wollte, bei seiner Weichlichkeit und Unnatur Zu sehr widerstrebte und gegen den werthvollen Gehalt, den er nicht ertragen konnte, selbst protestirte.

Nur das Abendmahl hat die Kraft dazu, sich als die Bedingung der Theilnahme am Herrn geltend und von seinem Genuß die Reinheit der Gläubigen abhängig zu machen.

Why specifically the feet? Why do the disciples’ feet need to be washed in order to be clean and have a share in the Lord? Why did the Lord have to wash their feet if he wanted to show them his love?
Not a single word is said about it, none of the meanings that the Fourth Gospel presents at the beginning, or the ones that the Lord himself suggests in his conversation with Peter—not suggested, but thrown out there with the affectation of mystery—are clearly explained and put into practice. It could not be explained, however, because the material into which the Fourth Gospel wanted to convey everything significant about the Last Supper was too soft and unnatural, and resisted even the valuable content it could not bear. Only the Last Supper has the power to establish itself as the condition for participating in the Lord and to make the purity of the faithful dependent on its consumption.
But why specifically the feet? Why do the disciples’ feet need to be washed in order to be clean and have a share in the Lord? Why did the Lord have to wash their feet if he wanted to show them his love?No word is said about it, none of the meanings that the Fourth Gospel hints at in its introduction, which the Lord himself hints at in his conversation with Peter – no, not even hinted at, but thrown out with the affectation of mystery, are carried through and really asserted – but they could not be carried through, since the material in which the Fourth Gospel wanted to convey everything significant about the Last Supper, with its softness and unnaturalness, resisted too much and protested against the valuable content that it could not bear.
Only the Last Supper has the power to establish itself as the condition for participation in the Lord and to make the purity of believers dependent on their enjoyment of it.
197/198 Und warum muß der Herr, in demselben Augenblick, indem er die Reinheit als die Folge der Fußwaschung bezeichnet, die Bemerkung aufstellen (V. 10), „ihr seyd rein, aber nicht Alle”? Wozu denn hier wieder der nun so oft auf den Verräther geworfene gehässige Seitenblick? Unmittelbar darauf folgt die Scene, in welcher der Herr den Verräther der Seinigen Einem auf das deutlichste kenntlich macht, nachdem er im Allgemeinen von feiner schwarzen That gesprochen — warum nmß also kurz vorher der Verbrecher als der Unreine bezeichnet und bloßgestellt werden? And why does the Lord, in the same moment in which he describes purity as the result of foot-washing, make the remark (v. 10), “You are clean, but not all of you”? What is the purpose of this now often cast hateful side glance at the betrayer? Immediately following is the scene in which the Lord clearly identifies the betrayer to his disciples after speaking in general about his black deed – so why is the criminal referred to and exposed as unclean just before this?
198 Derselbe Grund bewog den Herrn dazu, der ihn früher nach dem Gespräch über den Genuß seines Fleisches und Blutes (C. 6, 70) dazu brächte, den Judas als den Teufel unter den Zwölfen zu bezeichnen. D. h. der Vierte hielt es für seine Pflicht sowohl in jenem Gespräch als in dem Bericht von der Fußwaschung denselben gehässigen Fingerzeig auf den Berräther anzubringen, weil Beide das Surrogat find, welches sein Evangelium für die von ihm ausgelassene Einsetzung des Abendmahls darbietet, Beide also auch die Hinweifung auf den Berräther enthalten mußten, die mit dem ächten und ursprünglichen Produkt der evangelischen Anschauung zu fest verwachsen war, als daß der Vierte auch nur auf den Gedanken hätte kommen können, sie in seinem Surrogat auszulassen.

Endlich, nachdem Jesus die Füße der Jünger gewaschen, gibt er eine neue Deutung der Handlung — nein! spricht er, als hakte er noch kein Wort über den Sinn des Auffallenden gesagt, fragt er nämlich die Jünger: „versteht ihr, was ich euch gethan habe?” (V. 12) — d. h. kommt der Vierte zu der Deutung, die ihm sein eigentliches Original an die Hand gab.

The same reason led the Lord to call Judas the devil among the Twelve, after he had earlier prompted him to do so in the conversation about the consumption of his flesh and blood (John 6:70). In other words, the Fourth Gospel considered it his duty to make the same hateful gesture towards the betrayer in both that conversation and the account of the foot washing, because both serve as substitutes that his Gospel offers for the omitted institution of the Lord’s Supper. Therefore, both had to contain the reference to the betrayer that was too firmly intertwined with the authentic and original product of the evangelical worldview, as to even consider omitting it in his substitute.

Finally, after Jesus had washed the disciples’ feet, he gives a new interpretation of the action — no! he speaks, as if he had not yet said a word about the meaning of the striking act, he asks the disciples: “Do you understand what I have done to you?” (John 13:12) — that is, the Fourth Gospel comes to the interpretation that his original source had given him.

198/199 Lukas nämlich hat durch jenen Zank der Jünger über die Frage, wer von ihnen der Größte sey, den ursprünglichen Frieden des Paschamahls gestört, und wenn er in seiner Zurechtweisung der ehrgeizigen Jünger den Herrn jenen Spruch von der Unterordnung vortragen läßt, der ursprünglich dem Erzählungsstück von der Bitte der Zebedäiden angehört, ist er bereits so weit gegangen, den Herrn die gegenwärtige Situation, wo er den Jüngern — (Brot und Wein reichend!) — auf- warte, als ein Vorbild bezeichnen zu lassen: — wie er sich so eben (C.22, 27) als ihr Diener benehme, fo sollen auch sie, die Züuger durch freiwillige Unterordnung die Ehre des Vorrangs erwerben. Namely, Luke disturbed the original peace of the Paschal meal through the dispute of the disciples about who among them was the greatest, and when he allows the Lord to recite that saying of subordination in his reprimand of the ambitious disciples, which originally belonged to the story of the request of the sons of Zebedee, he has already gone so far as to have the Lord describe the present situation, where he is waiting on the disciples — (handing out bread and wine!) — as a model: as he just now (Luke 22:27) behaves as their servant, so should they, through voluntary subordination, acquire the honor of precedence.
199 Aus dieser an sich schon höchst verfehlten Situation hat der Vierte seine Fußwafchung gebildet — sein Herr muß demnach, wie er es in der Schrift des Lukas thut, feine Handlung als ein Vorbild hinstellen, dem die Zönger nachstreben sollen, aber er muß auch noch an die Nachahmung feiner Handlung (C. 13,17) einen besondern Segen knüpfen, denn der Vierte darf das Abendmahl — kann das Abendmahl, dessen Stelle seine Fußwaschung rinnimmt, nicht ganz vergessen — auch fein Surrogat muß den Gläubigen Etwas bieten und himmlischen Genuß gewähreu, natürlich kann er aber die „Seligkeitdie die Wiederholung jener Handlung seines Herrn zur Folge haben soll, nicht detailliren———

Nur das Abendmahl gewährt wirklich himmlischen Genuß.

In jedem Fall soll sich auch das neue Gebot der Liebe, welches der Herr des Vierten im Lauf dieses Ttschgefprächs aufstellt, auf das Gebot jener Handlung beziehen — aber wiederum, mit dem neuen Bunde, dm der Zesus des Urberichts in feinem Blute gibt *), ist es etwas Anderes — in jedem Punkte, wo sich die Fußwaschung mit dem Abendmahl berührt, muß sie als eine gehalt- und gedankenlose Forderung gegen dasselbe zurüSstehen.

„So müßt ihr euch einander die Füße waschen!”

From this already highly flawed situation, the Fourth Gospel has constructed its foot washing — accordingly, his Lord must, as he does in the Gospel of Luke, present his action as an example to be followed by the disciples, but he must also attach a special blessing to the imitation of his action (John 13:17), because the Fourth Gospel cannot forget the Last Supper — even if its place is taken by his foot washing — his surrogate of the Last Supper must offer something to the believers and grant heavenly enjoyment, but of course, he cannot detail the “blessedness” that is supposed to result from the repetition of his Lord’s action.

Only the Last Supper truly grants heavenly enjoyment.

In any case, the new commandment of love, which the Lord of the Fourth Gospel establishes in the course of this discourse, is also supposed to refer to the commandment of that action — but again, with the new covenant that the Jesus of the original account gives in his blood, it is something else — wherever the foot washing touches the Last Supper, it must be regarded as a thoughtless and futile demand against it.

“So you must wash one another’s feet!”

199* *) Joh. 13, 34 ἐντολὴν καινὴν
Marc. 14, 24 τῆς καινῆς διαθήκης
*) John 13:34 ἐντολὴν καινὴν
Mark 14:24 τῆς καινῆς διαθήκης
199/200 Die verkehrte Intellectual-Welt der christlichen Anschauung mußte schon seit langer Zeit bestehen und Verstand und Vernuvst sich unterworfen haben, ehe es einem religiösen Virtuosen wie dem Vierten möglich werden konnte, aus ein Paar Anklängen, die ihm aus dem Lukasevangelium zuflogen, eine so abentheuerliche und abstrakte Forderung zu bilden. The distorted intellectual world of Christian thought had to exist for a long time and submit to reason and common sense before it could become possible for a religious virtuoso like the Fourth to create such a adventurous and abstract demand out of a few allusions that came to him from the Gospel of Luke.
200 Aber der Herr hat hoch die Jünger bis ans Ende geliebt (C. 13, 1. 34)?

Der Schöpfer des Urberichts wußte es besser, worin Jesus seine Selbstverleugnung bethätigt und worin er (Marc. 10, 45) es bewiesen hat, daß er nicht gekommen sey, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen: — darin, daß er sein Leben als Erlös für Viele hingab.

Die Bewunderung, die wie der Schöpferkraft des Vierten zollen, wird vielleicht, wenn es möglich ist, noch höher steigenwenn wir noch auf die Parabel des Lukas von dem Herrn, der seinen treuen Dienern bei Tische auswartet (C. 12,35—37), einen Blick werfen. Ja, sie hat den Vierten in dem Gedanken bestärkt, daß der Herr dann erst seine Dienstfertigkeit und Liebe wirklich bewiesen habe, als er den Jüngern bei einem Gastmahl Knechtsdienste leistete — was hat er aber auch zum Dank dafür aus ihr geschaffen — was hat er nicht z. B. aus dem einfachen Zug des Lukasevangeliums, daß jener Herr sich aufgürtet*), zu machen gewußt!

But the Lord loved his disciples until the end (John 13:1, 34)?

The author of the original text knew better in what way Jesus demonstrated his self-denial and how he proved that he did not come to be served but to serve (Mark 10:45) by giving his life as a ransom for many.

Perhaps the admiration that we pay to the creative power of the Fourth Evangelist will even increase if we take a closer look at the parable of the Lord who waits on his faithful servants at the table in Luke (Luke 12:35-37). It has strengthened the Fourth Evangelist in the thought that the Lord had only truly demonstrated his servitude and love when he served his disciples at a banquet – and what has he created from this gratitude – what has he not, for example, been able to make of the simple detail from Luke’s Gospel that the Lord girded himself*).

200* *) ​​περιεζωσμέναι *) ​​περιεζωσμέναι
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200/201 Was Lukas betrifft, so ist es für den Schöpfer des Urberichts nicht schwer, die Störung, welche derselbe in den Frieden des Paschamahls gebracht hat, wieder zu beseitigen. Hat der Herr den Züngern so eben seinen Leib und sein Blut zum Gemiß dargereicht, hat er ihnen zumal eröffnet, daß ihn einer von ihnen verrathen würde, so ist es ein Ding der Unmöglichkeit, daß sie den Augenblick darauf den kindischen Streit über die Frage, wer von ihnen der Größte sey, erheben konnten — d. h. dieses Gezänk ist ein Zug, der von der ursprünglichen Anlage des Berichts zurückgewiesen wird. As for Luke, it is not difficult for the creator of the original account to remove the disturbance he caused to the peace of the Passover meal. If the Lord has just now offered his body and blood to the disciples for communion, and especially revealed to them that one of them would betray him, it is impossible that they could immediately start a childish argument about who among them is the greatest – that is, this quarrel is a feature that is rejected by the original design of the report.
201/202 Diesen Streit, der schon früher geschlichtet war (Luk. 9, 46—48), hat Lukas von neuem zu so unpassender Zeit und trotz jener Schlichtung wiederum entbrennen lassen, weil er jetzt erst jenes Wort, zu welchem die Bitte der Zebedäiden, von der er oben Nichts berichtet hat, den Anlaß gab, — das Wort über die Unterordnung hier anbringen wollte — und er glaubte ein Recht dazu zn haben, den Stoff jenes ErzählungSstückes von der Bitte der Zebedäiden hier anzubringen, weil der Kelch, von dem Jesus in der Zurechtweisung der beiden Brüder spricht, ihn zu dem Kelch führte, den Jesus beim Pafchamahl austheilte. Uebrigens hat er, was Jesus im Urbericht (Marc. 40, 39) am Ende nur allenfalls zugibt, daß die beiden Ehrgeizigen denselben Kelch (des Leidens) trinken werden, den er trinkt, unpassend genug in die nackte Belobigung verwandelt (Luk. 22, 28): „ihr habt ausgeharrt an meinen Versuchungen” — (als ob sie dann noch so unreif seyn und über den Vorrang sich streiten konnten! Als ob nicht nachher, wenn für sie die wahre Versuchung erst kommt, der Schlaf sie übermannt, während ihr Herr mit der Schwere seiner Aufgabe ringt, als ob sie nicht den Herrn bei seiner Gefangennehmung feige in Stich ließen und Petrus sogar seinen Meister verläugnet) — wenn ferner Jesus in der Zurechtweisung der Zebedäiden (Marc. 40, 40) geradezu versichert, daß eS ihm nicht zustehe, ihnen die Ehrenplätze in seinem Reich anzuweisen, daß diese Plätze vielmehr denen gehörm, denen sie zubereitet sind, hat Lukas diese abweisende Wendung wiederum unterdrückt und läßt er Zesum den kindischen Zänkern (C, 22, 29) zusichern, daß er ihnen das Reich überwache, wie es ihm fein Vater Übermacht habe (V. 29) — erst der spätere Ueberarbeiter des Lukasevangeliums hat den Zusatz (V. 30) hiuzugefügt, daß sie „in feinem Reich an seinem Tische essen und triuken und auf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten sollen.” In Marcions Evangelium hat Epiphanius nach feiner ausdrücklichen Angabe diesen Zusatz nicht vorgefunden. Lukas allowed this dispute, which had already been settled earlier (Luke 9:46-48), to re-emerge at such an inappropriate time and despite that settlement, because he wanted to introduce the word about subordination that was prompted by the request of the sons of Zebedee, from which he has previously reported nothing. And he believed he had the right to bring in the material of that narrative about the request of the sons of Zebedee here because the cup that Jesus speaks of in rebuking the two brothers led him to the cup that Jesus distributed at the Passover meal. Moreover, what Jesus in the original account (Mark 10:39) at most concedes, that the two ambitious ones will drink the same cup (of suffering) that he drinks, is turned by Luke into an unsuitable bare commendation (Luke 22:28): “You have stood by me in my trials” (as if they could still be so immature and argue about precedence then! As if later, when the true trial comes for them, sleep overcomes them while their Lord struggles with the weight of his task, as if they did not cowardly abandon the Lord at his arrest and even Peter denied his Master) — Furthermore, when Jesus in rebuking the sons of Zebedee (Mark 10:40) outright asserts that it is not for him to assign them the places of honor in his kingdom, but rather these places belong to those for whom they are prepared, Luke suppressed this dismissive turn and has Jesus assure the bickering children (Luke 22:29) that he will watch over them in his kingdom as his Father has given him authority. Only the later reviser of the Gospel of Luke added the addition (v.30) that they will “eat and drink at his table in his kingdom, and sit on thrones judging the twelve tribes of Israel.” Epiphanius, according to his explicit statement, did not find this addition in Marcion’s Gospel.
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202 Judem wir uns der Einfachheit des Urberichts immer mehr uähern, will uns der Vierte noch Einmal aufhasten — doch vergebens! — selbst mit seinen neuen Schöpfungen, die uns die Harmonie des Urberichts verleiden sollen, muß er für die Ursprünglichkeit desselben zeugen. As we approach the simplicity of the original account more and more, the fourth [evangelist] wants to hasten us again – but in vain! – even with his new creations that are supposed to spoil the harmony of the original account, he must testify to its originality.
202/203 Der gehässige Seitenblick, den sein Herr während der Verhandlung mit Petrus auf den Verräther wirft — („ihr seyd rein, aber nicht alle” (C. 13, 10. 11) — war dem Vierten noch nicht genug; nachdem der Herr den Züngern die Füße gewaschen und seinen Segen an die Nachahmung dieser Handlung geknüpft hat, muß er noch einmal auf den Bösen zurückkommen und plötzlich (V. 18), ohne daß ihm der geringste Anlaß dazu gegeben wäre, bemerken: „nicht von euch Allen sage ich; ich weiß, welche ich erwählt habe; sondern — (vor lauter Eifer und in der Unruhe seiner Absichtlichkeit vergißt also der Vierte, den Nachsatz zu bilden) — sondern, damit die Schrift erfüllt werde: der mein Brot iffet, tritt mich mit Füßen” — „ich sage es euch, setzt der Herr hinzu (V. 19), ehe es geschieht, damit, wenn es geschieht, ihr glaubet, das ich es sey” — das also war’s, was der Vierte wollte und was ihn beschäftigte — das war’s, was feinem Herrn keine Ruhe ließ und denselben dazu bewog, noch einmal auf den Derräther zurückzukommtu — nicht das Schreckliche der That beschäftigt ihn, er ist vielmehr nur für feine Person und Autorität besorgt und spricht vom Derräther, hört nicht auf, von ihm zu sprechen, damit es recht gewiß wird, daß er das Creigniß in voraus gewußt habe. The hateful glance that his master casts at the traitor during the discussion with Peter – “You are clean, but not all” (John 13:10-11) – was not enough for the Fourth [Evangelist]. After the Lord has washed the disciples’ feet and linked his blessing to the imitation of this act, he must return once more to the evil one and suddenly (verse 18), without the slightest reason, remark: “I am not referring to all of you; I know whom I have chosen. But this is to fulfill the scripture: ‘He who shares my bread has lifted up his heel against me'” – “I tell you this before it happens, so that when it does happen you will believe that I am who I am” (verse 19) – that was what the Fourth wanted and what occupied him – that was what did not give his master any rest and led him to come back to the traitor once again – it is not the terrible nature of the act that preoccupies him, he is rather concerned only for his own person and authority and speaks of the traitor, does not stop speaking of him, so that it becomes quite certain that he had foreknown the treason.
203 Er hat schon öfter, schon früher in Galiläa auf den “Ieufel”, der sich unter den Zwölfen befindet (C. 6,70) hingewiesen, und sagt doch in diesem Augenblicke (C. 13, 19), „von jetzt an” spreche er von dem Frevler — welch’ glänzendes Zeugniß für den Urbericht, in welchem Jesus jetzt erst von dem Lerrath des Judas spricht!

Welch’ glänzendes Zeugniß für den Urbericht ist es ferner, wenn der Vierte nach der interessirten Bemerkung über den Verräther (V. 20) den Spruch von dem Werth der Wohlthaten folgen läßt, die den Glaubensboten erwiesen werden. Betheuert fein Herr: „wer einen meiner Abgesandten aufnimmt, nimmt mich auf und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat”, so führt uns diese mechanische und schlechthin gedankenlose Combination wiederum zum Urbericht, dessen Wort üben den Verräther: „es wäre ihm besser, wenn er nicht geboren wäre” (Marc. 14, 21), der Vierte als Wegweiser zu jenem Spruch von der schrecklichen Verantwortlichkeit benutzte, die derjenige auf sich ladet, der einen der Kleinen ärgert und dem es auch besser wäre, wenn er ins Meer versenkt würde; in der engsten Verbindung mit diesem Spruch fand er nämlich den andern von der Aufnahme eines Kleinen und von diesem ließ er sich endlich zu seiner spätern Variation führen, die uns Matthäus in feiner Instruktion der Zwölfe (C. 10, 40) aufbewahrt hat.

He has already, earlier in Galilee, pointed to the “devil” who is among the Twelve (C. 6:70), and yet at this moment (C. 13:19) he says “from now on” he speaks of the evildoer – what a brilliant testimony to the original report in which Jesus speaks of Judas’ betrayal for the first time!

Furthermore, what a brilliant testimony to the original report it is when the Fourth Gospel, after the interested remark about the betrayer (V. 20), allows the saying about the value of the good deeds shown to the messengers of faith to follow. His Lord asserts, “whoever receives one of my messengers receives me, and whoever receives me receives the one who sent me.” This mechanical and thoughtless combination once again leads us to the original report, whose word about the betrayer (“it would be better for him if he had not been born” – Mark 14:21) the Fourth Gospel used as a guide to that saying about the terrible responsibility that one incurs by causing offense to one of the little ones, for whom it would also be better to be thrown into the sea. In the closest connection with this saying, he found the other one about the reception of a little one, and from this he finally led us to his later variation, which Matthew has preserved for us in his instructions to the Twelve (C. 10:40).

203/204 Der Gedankenlosigkeit dieser Combination entspricht die andere, mit der der vierte, nachdem fein Herr über den Berräther alles Nöthige, ja, noch mehr als dasNöchige und vielmehr das Ungehörigste vorgetragen hat, plötzlich (C. 13, 21) in den Urbericht überspringt und dessen Darstellung der Scene, die von der Aeußerung Jesu über dm verräther eingenommen wird, auf seine mißlungene Variation folgen laßt. Wir sagen es sogleich, daß der Verfasser in das synoptische Geleise überspringt, denn daß jetzt, wenn der Herr noch einmal vom verräther spricht, die Tischgesellschaft (V. 23) ruhig bei Tische sitzt, als sey Nichts vorher vorgefallen, ruhig bei Tische sitzt, während wir vorher denken mußten, daß das Mahl zu Ende war, als Jesus aufstand, um den Jüngern die Füße zu waschen, beweist diesen Wechsel der Geleise so sicher, daß nicht einmal ein Zweifel möglich ist — daß der Herr jetzt, nachdem er die Fußwaschung, diesen Stellvertreter des synoptischen Abendmahls bereits mit dem unentbehrlichen Kontrast versehen hatte, seine Eröffnung über den Verräther (V. 21) mit der Miene und Haltung eines Menschen gibt, der Etwas Neues und noch nie bisher Ausgesprochenes verträgt, daß diese Eröffnung die Jünger wie Etwas Unerwartetes trifft (V. 22), das ist so sicherlich nur aus dem Ueberspringen in das synoptische Geleise zu erklären, daß noch Ein Wort darüber vom Ueberfluß wäre. The thoughtlessness of this combination corresponds to the other one in which the fourth gospel suddenly (C. 13, 21) jumps to the original account after his Lord has presented everything necessary, even more than necessary and much more than inappropriate, about the betrayer. We immediately say that the author jumps onto the synoptic track because the fact that now, when the Lord speaks of the betrayer again, the dinner guests (v. 23) are sitting quietly at the table, as if nothing had happened before, sitting quietly at the table, while we had to think before that the meal was over when Jesus got up to wash the disciples’ feet, proves this change of tracks so surely that there is not even a doubt possible – that the Lord now, after he had already given his opening statement about the betrayer (v. 21) with the expression and attitude of someone who is conveying something new and never before spoken, after he had already given the foot washing, this substitute for the synoptic Last Supper with the indispensable contrast, that this opening statement hits the disciples as something unexpected (v. 22), can only be explained by the jump onto the synoptic track, that’s so sure that even one more word about it would be superfluous.
204 Welche Bereicherung bringt aber auch der Vierte in den synoptischen Bericht, nachdem ihn einmal die Nothwendigkeit — denn er konnte diese Tifchscene nicht auslaffen — in seinen Bereich gezogen hatte. But what an enrichment does the fourth Gospel bring to the synoptic account, once the necessity had brought it within its scope – for it could not leave out this scene at the table.
204/205 Wie lebendig ist sein Gemälde, wenn die Jünger nach jener Eröffnung Jesu „sich einander anfehen, da sie nicht wußten, wen er meine” — als ob es nicht genug wäre, wenn der Herr nur überhaupt beweist, daß er den Berräther kenne, und wenn er über das Schreckliche der That sich auSstrricht — als ob nicht jeder Leser — auf den es in dieser Welt doch nur allein abgesehen ist — schon von selbst wüßte, wen der Herr meint! How vivid is his portrayal when the disciples “looked at one another, uncertain of whom he spoke” after that revelation by Jesus – as if it were not enough that the Lord merely proves that he knows the traitor and speaks about the enormity of the act – as if every reader – and that is ultimately the only purpose in this world – would not already know on their own whom the Lord meant!
205 Wie schön und gediegen ist es, wenn Petrus, von Reugierde geplagt, dem Schooßjünger mit den Augen zubliazelt, er möge doch den Meister fragen, wer es sey!

Welch’ ergreifendes Bild, wenn der Schooßjünger sich an die Brust des Herrn schmiegt, nicht um ihn im Schmerz zu umarmen und ihm zu zeigen, daß er noch treue Anhänger habe — nein! um seine Reugierde zu stillen und von ihm Genaueres über den Teufel zu erfahren!

Seine Reugierde, denn Petrus wird vergessen — doch auch der Schooßjünger ist nicht Zweck der folgenden Handlung Jesu — wirkliche, lebendige Menschen kann der Vierte nicht schaffen — der Schooßjünger muß auch nur fragen, damit der Herr durch das peinliche Signalement: „der ist’s, dem ich den Bissen, den ich jetzt eintauche, geben werde”, den kleinlichen Zweifel, ob er die Person seines Verräthers auch wirklich in feiner Voraussicht getroffen habe, vollständig beseitige.

Zm Trouble seiner häßlichen Interessen hat es der Vierte vergessen, daß der Verräther schon immer (C. 6, 70) der Teufel unter den Zwölfen war — für seine Vergeßlichkeit entschädigt uns aber im Uebermaaß feine Angabe, daß der Teufel gerade mit jenem Bissen dem Verräther in den Leib fuhr!

How beautiful and refined it is when Peter, tormented by regret, looks at the disciple whom Jesus loved with his eyes, asking him to ask the Master who it is!

What a moving scene when the beloved disciple leans on the Lord’s breast, not to embrace him in sorrow and show him that he still has loyal followers – no! but to satisfy his curiosity and learn more from him about the devil!

His curiosity, for Peter will be forgotten – but even the beloved disciple is not the purpose of Jesus’ following actions – the Fourth Gospel cannot create real, living people – the beloved disciple must also ask so that the Lord, through the embarrassing description: “He is the one to whom I will give the piece of bread that I dip in the dish now”, completely eliminates the petty doubt whether he really identified the person of his betrayer in his foresight.

In his preoccupation with his ugly interests, the Fourth Gospel has forgotten that the betrayer was always (6:70) the devil among the twelve – but his forgetfulness compensates us excessively with his statement that the devil entered the betrayer’s body with that piece of bread!

205/206 Er hatte nicht Zeit dazu gehabt, uns zu melden, daß der Verräther bereits mit den Priestern Rücksprache genommen hatte — natürlich kann er uns nun auch nicht begreiflich machen, wie Zudas, wenn er jetzt, da es schon Nacht ist, hinwegging, die Priesterschast in wenigen Augenblicken zusammenlreiben und zu einem Beschluß bringen konnte — wie gelungen ist aber da, für fein Bild von der ruhigen Geistesgröße des Herrn, der dem Verräther, al-er ihm den verhänguißvollen Bissen gegeben (V.27), zurust: “was dir thust, thue bald!” — wie groß und edel war wenigstens seine Absicht, wenn er auch in diesen Worten seines Herrn am Ende nur eine mißnnthige und zugleich aufgespreizte Herausforderung gebildet hat. He had not had time to inform us that the betrayer had already consulted with the priests – of course, he cannot now make it understandable to us how Judas, now that it is already night, could gather the priesthood together in a few moments and come to a decision. But how successful is his portrayal of the calm spiritual stature of the Lord, who, when he gave the fateful morsel to the betrayer (v. 27), urged him to do what he was going to do quickly – how great and noble at least was his intention, even if in these words of his Lord he only formed a resentful and at the same time affected challenge.
206 Der Glanzpunkt seines Kunstwerks aber ist die Situation, wie der Schooßjünger, während Niemand weiß, was diese Herausforderung zu bedeuten hat, während die Andern, denen Judas noch einfach nur als Kaffenträger gilt, hin und her rathen, ob ihm Jesus vielleicht Aufträge zu Ankäufen für das Fest oder zu Almosen gegeben habe, in feiner Erhabenheit ruhig dafitzt und sich seiner Allwissenheit stellt, — und die schönste Probe seines Geschicks legt er endlich ab, wenn er unter der Maske der neugierigen Kinder, die über den Zweck jener Worte Zesu ihre Vermuthungen auSfprechen, mit verstellter Stimme uns daran erinnert, daß dieses letzte Gastmahl seines Herrn nicht dasjenige des PaschaabendS ist. Morgen ist Pascha. The highlight of his artwork, however, is the situation where the beloved disciple, while no one knows what this challenge means, while the others, for whom Judas is still simply a coffee carrier, speculate back and forth whether Jesus may have given him orders to buy things for the feast or to give alms, calmly sits in his exaltation and faces his omniscience–and he finally demonstrates his greatest skill when, under the guise of curious children who express their speculations about the purpose of those words of Jesus, he reminds us with a disguised voice that this last meal of his Lord is not that of the Passover evening. Tomorrow is Passover.
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206/207 Auch Matthäus hat seiner Darstellung etwas Abstoßendes gegeben. Wie Marcus läßt er es zwar sogleich nach Beginn der Mahlzeit das Erste seyn, daß Jesus von dem Verräther spricht, und er hat Recht daran gethan, da dieser Kontrast, daß die Hand des VerrätherS über Tische ist, sobald wie möglich abgemacht seyn muß, damit nachher das Gastmahl ohne störenden Gedanken verläuft — (während Lukas die Anordnung des Ganzen sehr verschiebt und erst nach der Bertheilung des gesegneten Brotes und Kelchs die Rede auf dm Berräther bringt) — aber gegen die Voraussetzung seines eignen Evangeliums hat Matthäus gefehlt, wenn er den Herrn erst unbestimmt fagm läßt, daß ihn Einer von ihnen verrathen werde, und die Zünger dann traurig fragen: ich bin es doch nicht? Matthäus selbst ist er, dessen späteren Nachforschen — (und Erfinden) — die Kett die Nachricht verdankt, daß Jesus zwei Tage vorher sich darauf berufen habe, daß man ihn am Paschafeste kreuzigen werde, (C. 26, 2) — also hätte er eS auch wissen müssen, daß die Unschuldigen nicht mehr so ungewiß fragen konnten, daß der Verräther vielmehr schon entschieden seyn und — Schritte gethan haben mußte. Matthäus also added something repulsive to his account. Like Mark, he makes it the first thing that Jesus speaks of the traitor after the meal has begun, and he was right to do so, since this contrast, that the hand of the traitor is on the table, must be removed as soon as possible so that the rest of the meal proceeds without disturbing thoughts (while Luke shifts the arrangement of the whole and only speaks of the traitor after the distribution of the blessed bread and cup) – but Matthew erred against the assumption of his own gospel when he first leaves the Lord indefinite, that one of them would betray him, and then the disciples ask sadly, “Is it I?” Matthew himself is the one to whom later research (and invention) owes the report that Jesus had referred two days earlier to being crucified at the Passover (26:2) – so he should have known that the innocent could no longer ask so uncertainly, that the traitor must already have been decided and taken steps.
207 In feiner Antwort gibt auch der Jesus des Matthäus ein peinliches Signalement — „der, sagt er, der mit mir, (natürlich sollen wir hinzudenken: so eben,) mit der Hand in die Schüssel getaucht hat, wird mich verrathen” — eine höchst unnütze Bezeichnung, da in einer Gesellschaft von Dreizehaen nicht Alle zu gleicher Zeit darauf achten, wer von ihnen mit der Hand in die Schüssel taucht, und diese Bewegung des Augenblicks sogar zu jenen gleichgültigen gehört, die, sobald sie bemerkt sind, augenblicklich wieder vergessen werden — eine peinliche und unerträgliche Bemerkung, wenn sie den Verräther wirklich entlarvt hätte.

Judas fragt zwar wirklich noch: „bin ich es?” aber Matthäus denkt nicht mehr daran, daß diese Frage unmöglich ist, wenn jenes Signalement treffend und deutlich war — er fühlt es auch nicht, daß sie nicht nur unmöglich, sondern auch ästhetisch widerlich ist, wenn Jesus so eben das Wehe über den Menschen ausgesprochen hatte, dem eS besser wäre, wenn er nicht geboren wäre — er hat jetzt nur Einen Zweck im Auge — er will es nämlich durch die Antwort Jesu: „du sagst es!” außer allem Zweifel stellen, daß derselbe über die Person seines Verräthers sich nicht irrte.

In his response, the Jesus of Matthew also provides an awkward description – “he who has just dipped his hand with me in the bowl will betray me” – a highly useless designation, since in a company of thirteen, not everyone is paying attention to who dips their hand in the bowl at the same time, and this momentary movement is even among those indifferent ones that, once noticed, are instantly forgotten – an embarrassing and unbearable remark if it had truly exposed the traitor.

Although Judas really does ask, “Is it I?” Matthew no longer considers that this question is impossible if that description was accurate and clear – nor does he feel that it is not only impossible but also aesthetically disgusting when Jesus had just pronounced woe upon the man who would be better off not being born – he now has only one purpose in mind – to make it beyond doubt that he was not mistaken about the identity of his traitor, through Jesus’ response: “You have said it!”

207/208 Der Urbericht, den uns Marcus erhalten hat, ist frei von den häßlichen Tendenzen, die Matthäus und der Vierte ihm aufdrängen wollten. Erst sagt Jesus: „wahrlich, ich sage euch, Einer unter euch *) wird mich verrathen”, als die Jünger dann durch das Unerwartete erschüttert fragen: „bin ich es?” erwidert Jesus: „ja, eS ist Einer, (der Zwölfe einer), der mit mir in die Schüssel taucht” — d.h. das ist das Schreckliche, daß nun wirklich eintrifft, was von dem Gerechten Ps. 41, 10 gesagt ist, daß fein Tischgenosse sein Todfeind ist. The original report that has been preserved by Mark is free from the ugly tendencies that Matthew and the Fourth Gospel wanted to impose upon it. Jesus first says: “Truly I tell you, one of you*) will betray me,” and when the disciples are shaken by the unexpected news and ask, “Is it I?”, Jesus replies: “Yes, it is one of you, (one of the twelve), who is dipping bread into the bowl with me” – that is, the terrible thing is that what the Psalmist says of the righteous in Psalms 41:10 comes true, that his close friend at the table becomes his foe.
207/208* *) Der Zusatz: „der mit mir iffet”, Marc. 14, 18, gehört natürlich dem Urberichte nicht an. Das alttestamentliche Original (Ps. 41, 10): „der mein Brot ißt”, hat der Schöpfer des Urberichts erst in die folgende Antwort Jesu (V 20) verarbeitet. Der spätere Bearbeiter des Urberichts sah nicht mehr, worin der Fortschritt in den beiden Aeußerungen Jesu liegt. *) The addition “who eats with me” in Mark 14:18 does not belong to the original report. The Old Testament original (Psalm 41:10), “who eats my bread,” was only incorporated into Jesus’ following answer (verse 20) by the creator of the original report. The later editor of the original report no longer saw what the progress was in the two statements of Jesus.
208 Der Schöpfer des Urberichts wußte es, daß der Kontrast dieser Eröffnung und der Situation, wonach Jesus beim Liebesmahl über den Verrath des Tischgeuoffen klagen mußte, durch keinen andern übergipfelt werden konnte — er übte auch weise Vorsicht, indem er den Verräther nicht mit frecher Stirn auftreten läßt, er erwähnt ihn gar nicht und hat sich endlich sehr gehütet, mit der Znteressirtheit der Spätern darauf hinzmoeifen, daß Jesus über die Person des Berräthers sich nicht täuschte. Er konnte sich mit Recht darauf verlassen, daß die Leser au- seiner plastischen Arbeit gewiß ersehen würden, daß Jesus nicht wider sein Vermuthen dem Verrath erlegen ist. The creator of the original report knew that the contrast between this revelation and the situation in which Jesus had to lament the betrayal of his table companions during the love feast could not be topped by any other means. He also exercised wise caution by not letting the traitor appear with a bold face, not mentioning him at all, and finally being very careful not to speculate on the interest of later generations in the fact that Jesus did not make a mistake regarding the identity of the traitor. He could rightfully assume that readers would certainly see from his vivid portrayal that Jesus did not succumb to betrayal against his expectations.
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208/209 Was endlich noch die Einsetzung des Abendmahls betrifft, so habe ich bereits in meiner Arbeit über den ersten Korintherbrief*) die Ordnung bestimmt, in der die differirenden Berichte entstanden sind, und die Forschung überhaupt auf jenen Punkt gestellt, wo sie das Chaos der Verwirrung, in welcher das kirchliche und das Corporations-Interesse selbst gegen die Kritik noch die Frage nach dem Ursprung der Evangelien zurückhalten wollen, völlig zerstreuen und für ihre an sich schon exakten Ergebnisse den exaktesten historischen Beleg und Beweis aufzeigen konnte. As for the institution of the Lord’s Supper, I have already determined the order in which the differing accounts arose in my work on the First Corinthians letter*) and have brought research in general to the point where it could completely dispel the chaos of confusion, in which the interests of the church and the corporations themselves still want to hold back the question of the origin of the Gospels even against criticism, and show the most exact historical evidence and proof for their already exact results.
208/209* *) Kritik her paulin. Briefe. Zweite Abtheilung. Berlin 1851 *) Critique of the Pauline Epistles. Second Part. Berlin 1851.
209 Ich habe den Beweis geführt, daß der Verfasser des ersten , Korintherbriefs jene Bearbeitung des Urevangeliums vor Augen hatte, die nach ihm Urlukas für seine Kompilation benutzt hat.

Marcus und Matthäus haben uns die Worte, mit denen ZesuS seinen Jüngern das gesegnete Brot und den gebenedeiten Wein überreichte, in der Form erhalten, die ihnen der Schöpfer des Urevangeliums gegeben hat: — nur hat es Matthäus doch nicht unterlassen können, zu ändern, nachdem er nämlich im Anfänge dem Urbericht einfach nachgeschrieben hatte, daß Jesus, als er das Brot austheilte, die Worte sprach: „nehmet hin und esset, das ist mein Leib”, hat er im zweiten Gliede, was ursprünglich als Factum berichtet war, daß Jesus den Kelch nahm, ihn den Jüngern gab und daß sie Alle daraus tranken, als Befehl gegeben: „trinket alle daraus”, und nun mit einem steifen und frostigen „denn” — „denn das ist mein Blut, das Blut des neuen Bundes, das für viele vergossen ist” (C.26,28), den Uebergang gemacht und zum Schluß noch die Bestimmung nachschleppen lassen: „zur Vergebung der Sünden” — eine Bestimmung, die sich von selbst verstand und vom ursprünglichen Bildner, dem es auf Kürze und Einfachheit der Formel ankam, nicht hinzugefügt war (Marc. 14, 22—24).

I have provided evidence that the author of the first Corinthians letter had in mind the version of the Ur-Evangelium that, according to him, Luke used for his compilation.

Mark and Matthew have preserved for us the words with which Jesus gave his disciples the blessed bread and the blessed wine in the form that the creator of the Ur-Evangelium gave them – only Matthew could not resist changing them. After simply copying the original report at the beginning that Jesus said, “Take, eat, this is my body,” when he distributed the bread, in the second part, what was originally reported as a fact, that Jesus took the cup, gave it to the disciples, and they all drank from it, he turned into a command: “Drink from it, all of you,” and then made the transition with a stiff and frosty “for” – “for this is my blood, the blood of the new covenant, which is poured out for many” (Matthew 26:28) and finally added the determination: “for the forgiveness of sins” – a determination that was self-evident and was not added by the original creator, who aimed for brevity and simplicity of the formula (Mark 14:22-24).

209/210 Während der erste Bildner, um dem bestehenden kirchlichen Gebrauch seine historische Legitimation zu geben, den kühnen Widerspruch wagte, daß Jesu-, während er leiblich und persönlich dasitzt, den Jüngern seinen Leib und sein Blut, noch dazu das Blut, das für Viele vergossen ist *), zum Genuß darbietet, versuchten es Spätere, die die Monstrosität dieses Widerspruchs dunkel fühlten, die Beziehung auf die Zukunft, die der Formel an sich zu Grunde liegt, hervorzuheben. Au- jenem Gefühl, aus dieser Absicht — nicht aber etwa aus der Absicht, auf die bildliche Auffassung jener Formel zu führen — ist der Zusatz entstanden: „das thut zu meinem Gedächtniß” — ein Zusatz, dessen fremdes Benehmen und ungeschickte Stellung feinen spätern Ursprung beweist. The first author, in order to give historical legitimacy to the existing church practice, dared the bold contradiction that while sitting physically and personally, Jesus offers his body and blood, and moreover the blood that is shed for many *) for consumption by his disciples. Later writers, who felt the monstrosity of this contradiction, tried to emphasize the reference to the future that underlies the formula. It was from this intention, not from an intention to lead to the figurative interpretation of that formula, that the addition arose: “Do this in remembrance of me” – an addition whose strange behavior and awkward position prove its later origin.
209/210* *) Mark. 14, 24 τὸ περί πολλῶν ἐκχυννόμενον. Vergl. Luk. 11, 50: τὸ ἐκχυμένον ἀπὸ καταβολῆς κόσμου. *) Mark 14:24 τὸ περί πολλῶν ἐκχυννόμενον. Compare Luke 11:50: τὸ ἐκχυμένον ἀπὸ καταβολῆς κόσμου.
210 Der zweimalige Ansatz: „das ist mein Leib”, „das thut zu meinem Gedächtniß” ist nämlich unrhythmisch und unbeholfen, — eine Verbindung zwischen beiden Formeln ist nicht zu bewerkstelligen, und wenn gefragt wird, was die zweite Formel zu thun befehlen will, so ist nicht einmal eine Andeutung der Antwort gegeben — es ist kein Wort darüber gesagt, was die Jünger zum Gedächtniß des Herrn thun, ob sie das Pascha auch in der Zukunft feiern, ob sie seinen Leib und sein Blut auch ferner noch im Brot und Wein genießen sollen — eS ist Nichts gesagt und die einzige Antwort liegt in der Voraussetzung, unter der dieser Zusatz allein entstehen konnte, nämlich in der Voraussetzung, die den Urheber desselben unmittelbar umgab. Die Feier des Abendmahls bestand schon längst, als ein späterer Bearbeiter des Urevangelium- jenen Zusatz in dieser ungeschickten Weise einfögte. The double phrase “this is my body” and “do this in remembrance of me” is in fact un-rhythmic and clumsy, and a connection between the two formulas cannot be achieved. And if it is asked what the second formula wants to command, not even a hint of an answer is given – nothing is said about what the disciples should do in remembrance of the Lord, whether they should continue to celebrate the Passover in the future, or whether they should still enjoy his body and blood in the bread and wine. Nothing is said, and the only answer lies in the assumption that surrounded the author of this addition. The celebration of the Lord’s Supper had long existed when a later editor of the Urevangelium introduced that addition in this awkward way.
210/211 Auch Justinus hatte, wie nun hinreichend bewiesen ist, jme Bearbeitung des Urevangeliums in Händen, die der Verfasser des ersten Korintherbriefs vor sich hatte und die der Verfasser des ursprünglichen Lukasevangeliums benutzt hat. Nur hat Justinus in feinem Citat die Formeln um gestellt *) — nach der Darreichung des Brots konnte ursprünglich nur die Formel folgen, die das gesegnete Brot deutet, und dann erst der neue Zusatz, der den Sinn angibt, in dem die Wiederholung der Handlung geschehen soll. Justin also had, as has now been sufficiently proven, a version of the Urevangelium in his hands, which the author of the first Corinthians had before him and which the author of the original Luke Gospel used. Only Justin rearranged the formulas in his citation *) — after the distribution of the bread, only the formula that signifies the blessed bread could originally follow, and then the new addition indicating the purpose for which the repetition of the act should be done.
210/211* *) Apol. II , 98, τοῦτο ποιεῖτε εἰς τὴν ἀνάμνησίν μου’ τουτἐστι τὸ σῶμά μου. *) = 1 Apol 66 τοῦτο ποιεῖτε εἰς τὴν ἀνάμνησίν μου’ τουτἐστι τὸ σῶμά μου.
211 Der Verfasser des ersten KorintherbriefS hat uns die Formeln (C. 11, 24. 25) in ihrer ursprünglichen und richtigen Stellung mitgetheilt — nur ist er es wahrscheinlich, der zum Leibe in der ersten Formel des ersten Gliedes den Zusatz hinzugefögt hat, „der für euch gebrochen ist”, und da ZustinuS im zweiten Glied noch einfach wie im ersten Gliede citirt: ,Has ist mein Blut”, so dürfen wir auch die Vermuthung wagen, daß jener Pseudo-Paulus es gleichfalls war, der dem zweiten Gliede die Wendung gab: „dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blute.” The author of the first Corinthians has given us the formulas (Ch. 11, 24.25) in their original and correct order – it is only probable that he added the addition “which is broken for you” to the body in the first formula of the first clause. And since Justin simply quotes “This is my blood” in the second clause just as in the first, we may also venture to guess that it was that pseudo-Paul who gave the second clause the phrase: “This cup is the new covenant in my blood.”
211/212 Urlukas, der, wie ich bewiesen habe, den ersten Korintherbrief kannte und für sein Evangelium benutzte, hat dessen Zusatz wahrscheinlich für seine Bestimmung des Leibes: „der für euch gegeben wird” benutzt, sein zweites Glied aber mit der Formel des Urevangelium eombinirt und sicherlich nur dadurch die Verwirrung herbeigeführt, die gränzenlos und nur unter der Voraussetzung dieses mechanischen Verfahrens zu erklären ist. Das Ungeheuer von Formlosigkeit: „dieser Kelch, der neue Bund in meinem Blute, das für euch vergossene” (C. 22, 20), konnte er nur bilden, weil er zu gleicher Zeit in den ersten Korintherbrief und in eine evangelische Quellenschrift, die noch die ursprüngliche Formel enthielt, hlneinbliSte und nicht daran dachte, ihre Formeln, die ohnehin dasselbe sagten, wenigstens grammatisch richtig mit einander zu verbinden. Ur-Luke, who, as I have proven, knew the First Epistle to the Corinthians and used it for his Gospel, probably used its addition for the specification of the body: “which is given for you,” but combined its second clause with the formula of the Ur-Gospel, and certainly only brought about the confusion that is boundless and can only be explained under the assumption of this mechanical process. The monstrous formlessness: “this cup, the new covenant in my blood, which is poured out for you” (C. 22, 20), he could only form because he simultaneously looked into the First Epistle to the Corinthians and an evangelical source text, which still contained the original formula, without thinking of at least grammatically connecting their formulas, which already said the same thing.
212 Keiner der spätern Fortbildner und Compilatoren hat die Kürze und Einfachheit der ursprünglichen Formel zu würdigen gewußt, keiner hat es bemerkt, daß sie der Schöpfer des Urberichts der Formel, mit der Moses den alten Bund einweihte*), nachgebildet hat. None of the later developers and compilers knew how to appreciate the brevity and simplicity of the original formula; none of them noticed that it was modeled after the creator of the original formula with which Moses inaugurated the Old Covenant.
212* *) 2. Mos. 24, 8. λαβὼν — (es folgt die bei diesem Nehmen bezweckte Handlung Moses, sodann sein Wort) — καὶ εἶπεν ἰδοὺ τὸ αἷμα τῆς διαθήκης ἧς … wie Marc. 14, 23 auf das λαβὼν die bei diesem Nehmen bezweckte Handlung und dann das deutende Wort folgt: καὶ εἶπεν . . . τοῦτό ἐστι τὸ αἷμά μου, τὸ τῆς καινῆς διαθήκης. *) Exodus 24, 8. λαβὼν — (follows the intended action of Moses, then his word) — καὶ εἶπεν ἰδοὺ τὸ αἷμα τῆς διαθήκης ἧς … like Marc. 14, 23 to which λαβὼν follows the intended action and then the interpretive word: καὶ εἶπεν . . . τοῦτό ἐστι τὸ αἷμά μου, τὸ τῆς καινῆς διαθήκης.
212/213 Beiläufig haben wir noch zu bemerken, daß Urlukas zweimal den Herrn den gesegneten Kelch austheilen läßt. Da er nämlich nach der eigentlichen Deutung des Kelchs das Wort über den Verräther (C. 22, 21) und den Zank der Jünger über den Vorrang folgen lassen wollte, so hatte er für das Nachwort, welches Jesus im Urbericht dieser Deutung nachschickt (Marc. 14, 25), keinen Naum, gleichwohl wollte er es nicht ganz aus- lassen, da eS — „(vom Gewächs des Weinstocks werde ich hinfort nicht mehr trinken, bis zum Tage, da ich es neu im Reiche GolteS trinken werde)” — die Deutung des Abendmahls, in welchem der Glaube das Opfer genießt und des Kommenden sich vertröstet, erst vollendet — er half sich somit ungehörig genug, indem er eine besondere Austheilung des Kelches voranschickte und mit dieser die abschließende Deutung verband (V. 17.18). Wie des Epiphanius Beschreibung von MarrionS Evangelium beweist, so hat erst der spätere Bearbeiter (V. 16) die müßige und nachlässig gebildete Parallele hinzugefügt, daß Jesus auch in Bezug auf das Paschalamm — das Lamm,

Welches für den Gläubigen durch das gesegnete Brot völlig in Vergessenheit gebracht wird! die Bemerkung macht, „er werde davon nicht mehr essen, bis daß im Reich Gottes erfüllt werde.”

By the way, we have to note that Luke has the Lord distribute the blessed cup twice. Namely, since he wanted to follow the word about the betrayer (22:21) and the dispute among the disciples over who is the greatest, according to the proper interpretation of the cup, he had no name for the concluding remark that Jesus added in the original account (Mark 14:25). Nevertheless, he did not want to omit it entirely, since it completes the interpretation of the Last Supper, in which faith enjoys the sacrifice and trusts in the future. He therefore resorted to an inappropriate solution by adding a special distribution of the cup and combining it with the concluding interpretation (vv. 17-18). As Epiphanius’ description of Marcion’s Gospel proves, it was only the later editor (v. 16) who added the unnecessary and poorly formed parallel statement that Jesus also said about the Passover lamb –

which is completely forgotten by the believer through the blessed bread – “I will not eat it again until it is fulfilled in the kingdom of God.”

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Neil Godfrey

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