2023-03-19

Ch 8 – The Crucifixion, Death and Burial of Jesus

249 8.

Kreuzigung, Tod und Begrabniß Jesu.

8.

Crucifixion, Death, and Burial of Jesus.

249/250 Daß man auf dem Zuge nach der Nichtstätte einen Menschen, der so eben vom Felde kam (Marc. 15,21. Luk. 23, 26) — als ob der Zug selbst ohne Begleiter war und nur Ein Mensch geradevon draußen kommen konnte!— Simon von Cyrene*), dazu reguirirte, das Kreuz zu tragen — dieses Zwischenereigniß ist rein und allein zu dem Zwecke gebildet, damit der Leser ja darauf achte, daß Golgatha draußen vor der Stadt liege — draußen, wo Jesus als das Sündopfer des Versöhnungstages, dessen Opferleib außerhalb des Lagers verbrannt wurde, leiden mußte. Der Verfasser des Hebräerbriefs hat demnach die Anschauung, der der Schöpfer des Urberichts folgte, richtig (E. 13,11.12) gedeutet, Lukas und Matthäus haben den Bericht einfach copirt, nur daß der Letztere die bedeutsame Bemerkung, daß Simon gerade vom Felde kam, nicht beachtet, vielmehr ausgelassen hat (C. 27, 32) — der Vierte dagegen hat diesen Zug, weil er seine Bedeutung nicht mehr verstand, ganz ausgelassen und hofft die Sache empfindlicher zu machen, wenn er (C. 19, 17) Jesum selbst „das Kreuz tragend” zur Schädelstätte hinausgchen läßt. That on the way to the place of nothingness, a man who had just come in from the field (Mark 15:21, Luke 23:26) was requisitioned to carry the cross – as if the procession itself was unaccompanied and only one person could have come from outside! – This intermediate event is solely and purely designed to ensure that the reader takes note that Golgotha lay outside the city – outside, where Jesus, as the sin offering of the Day of Atonement, whose sacrificial body was burned outside the camp, had to suffer. The author of the Hebrews has therefore correctly interpreted the view followed by the creator of the original account (Hebrews 13:11-12). Luke and Matthew simply copied the account, except that the latter did not take note of the significant remark that Simon had just come in from the field, but rather omitted it (Matthew 27:32) – the fourth, however, because he no longer understood its significance, omitted this detail entirely and hoped to make the matter more poignant by having Jesus himself “carrying the cross” out to the Skull Place (John 19:17).
249/250* *) Der Zusatz im Marcusevangelium: „den Vater des Alexander und RufuS” ist eine U’cbcrfülle, die dem Urbericht fremd war. Die beiden Namen sind den neulestamcntlichcn Briefen entnommen. *) The addition in the Gospel of Mark, “the father of Alexander and Rufus,” is an interpolation that was foreign to the original account. The two names are taken from the New Testament letters.
250 Lukas hat das Geleite der klagenden und weinenden Frauen geschaffen: — er hatte nämlich an den Anticipationen der Rede Jesu über die letzte Krisis noch nicht genug und hielt es für passend, daß derselbe auch jetzt noch, wo er vielmehr die Rechnung mit der ganzen Welt und ihrer Geschichte längst abgeschlossen hat, eine Variation auf jene Rede ««bringe. Er enilehnt zu diesem Zwecke seinen Quellen eine Variation des Spruchs über das beklagenswerthe Schicksal der Schwängern und Säugenden (Marc. 13, 17) und fügt, damit er es uns ja recht gewiß macht, daß er nur compilirt (C. 23, 31), den abschließenden Spruch hinzu: „wenn das am grünen Holz geschieht, was wird am dürren geschehen” — d. h. einen Spruch, der das Vorhergehende vielmehr im Unbestimmten verklingen läßt, da in den Schwängern und Säugenden, wenn sie wirklich zum Gegensatz gehören sollen, nur die Eine Seite desselben gegeben ist, die andere aber schlechthin unbekannt bleibt. Luke created the procession of weeping and mourning women. He apparently was not satisfied with Jesus’ previous discourse on the final crisis and deemed it appropriate to add a variation on that speech, even now when Jesus had long since settled accounts with the entire world and its history. For this purpose, he took a variation of the saying about the unfortunate fate of pregnant and nursing women from his sources (Mark 13:17) and adds, to make it clear that he is merely compiling (Luke 23:31), the concluding saying: “If they do these things in the green tree, what will happen in the dry?” – meaning a saying that lets the previous words fade away in the indefinite, as the pregnant and nursing women, if they are really meant to be the opposite, only present one side of the contrast, while the other remains unknown.
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251 Die zahlreichen und überaus tiefsinnigen Untersuchungen über die Gründe, die Zesum dazu bestimmten, den bittern Trank, den man ihm sogleich bei der Ankunft auf der Schädclstätte dar- reichte, zurückzuweisen, werden wir damit zum Abschluß führen, daß wir die ganze Frage streichen.

Der Urbericht wußte nur von Einem bittern Trank, den man Jesu reichte, — es ist der Essig, mit dem man ihn im Augenblick vor seinem Verscheiden tränkte, damit er dem Gerechten gleich würde, dem man (Ps. 69, 21), wenn ihn dürstete, Essig zu trinken gab.

Wenn dagegen Matthäus und Marcus noch von einem frühern Trank — jener spricht von Essig mit Galle, dieser von Wein mit Myrrhe — zu erzählen wissen (Matth. 27,34. Marc. 15,23), so reißen sie durch diese Notiz das nothwendig Zusammenhängende, daß man Jesum nach Golgatha brächte und daselbst kreuzigte, mitten durch und fügen sie in den Niß eine Specialität, einen einzelnen Zug, dessen Mißklang zu den allgemeinen Wendungen — (daß man Jesum hinaus- führte und kreuzigte) — gebieterisch seine Entfernung fordert.

Der Urbildner hat in der Einen Tränkung in seiner plastischen Weise die alttestamentliche Angabe verarbeitet — Matthäus hat die erste Darreichung des bittern Trankes rein und allein in der Absicht gebildet, um die Bitterkeit desselben durch die Galle zu erhöhen, von der der Gerechte des A. T- klagt, daß man sie in seine Speise thut, und Marcus? Die Antwort wird sich am Schluß unserer Arbeit ergeben!

The numerous and exceedingly profound investigations into the reasons that led Jesus to reject the bitter drink that was immediately offered to him upon his arrival at the Skull Place will be concluded by striking the entire question.

The original account only knew of one bitter drink that was given to Jesus – it is the vinegar with which he was moistened just before his passing, so that he would become like the righteous one to whom (Psalm 69:21) vinegar was given to drink when he was thirsty.

However, if Matthew and Mark still tell of an earlier drink – the former speaks of vinegar with gall, the latter of wine with myrrh (Matthew 27:34, Mark 15:23) – through this note they disrupt the necessary coherence that Jesus was brought to Golgotha and crucified there, and they add a special detail, a single aspect, whose discordance with the general statements – (that they led Jesus out and crucified him) – imperatively requires its removal.

The original writer incorporated the Old Testament reference into the one instance of moistening in his characteristic way – Matthew created the first offering of the bitter drink solely for the purpose of increasing its bitterness through the gall, of which the righteous one of the Old Testament complains that it is added to his food. And Mark? The answer will become clear at the end of our work!

251/252 Lukas hat es erfahren, daß der Tempelvorhang, der im Urbericht erst der Macht des Opfertodes Jesu weicht, im letzten Augenblicke vor dem Tode zerriß (C. 23, 45) — diese unglückliche Entdeckung hatte ihm daher den Naum für jene Tränkung entzogen und ihn gezwungen, sie früher (V. 36), also zur Unzeit anzubringen; der Vierte endlich ist in das Mysterium der Leidensgeschichte so tief eingedrungen, daß es ihm klar geworden ist, wie gerade diese Tränkung die Erfüllung der Schrift vollendete. Sein Jesus weiß in diesem letzten Augenblicke, daß nun Alles erfüllt ist, damit demnach die letzte Erfüllung der Schrift herbeigeführt würde, ruft er: „mich dürstet!” und nachdem er den Esstgtrank erhalten, kann er vollkommen beruhigt ausrufen: „es ist erfüllt!” (C. 19, 28—30). Luke learned that the temple curtain, which in the original account only yielded to the power of Jesus’ sacrificial death, was torn in the last moment before his death (Luke 23:45) – this unfortunate discovery had thus robbed him of the basis for that moistening and forced him to mention it earlier (v. 36), thus out of sequence. Finally, the fourth evangelist had penetrated so deeply into the mystery of the passion story that it became clear to him how precisely this moistening completed the fulfillment of the scripture. In this final moment, Jesus knows that everything is now fulfilled, so to bring about the last fulfillment of the scripture, he cries out, “I thirst!” and after receiving the drink, he can calmly exclaim, “It is finished!” (John 19:28-30).
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252 Den Psalmspruch, der es verschrieb, daß über die Kleider des Gerechten das Loos geworfen wurde, und den der Verfasser des Urberichts in der Plastik seiner Arbeit wiedergegeben hat, hat erst Matthäus (C. 27, 35) citirt. Der Vierte aber, der vie beiden parallelen Ausdrücke dieses Spruchs: „meine Kleider vertheilen sie unter einander und über mein Gewand werfen sie das Loos”, als Bezeichnungen für verschiedene Theile der Kleidung betrachtete, hat daraus die Geschichte gebildet, daß die Soldaten, die auf einmal zu Vieren geworden sind, die Kleider Jesu zu vier Theilen thaten und unter einander verteilten, über den Nock aber, da er im Ganzen gewebt war und sie ihn nicht auftrennen wollten — als ob sie die andern Kleider bei der Theilung aufgetrennt hätten! — das Loos warfen — damit, wie der Vierte mit Anführung des Psalmspruchs bemerkt, die Schrift erfüllt würde (C. 19, 23. 24). The Psalm verse that prescribed that lots be cast for the clothing of the righteous one, which the author of the original account had rendered in the plasticity of his work, was only quoted by Matthew (Matthew 27:35). However, the fourth evangelist, who saw the two parallel expressions of this verse, “they divide my garments among themselves and for my clothing they cast lots,” as designations for different parts of the clothing, created the story that the soldiers, who had suddenly become four in number, divided Jesus’ clothes into four parts and distributed them among themselves, and cast lots for his tunic, which was woven in one piece and they did not want to tear apart – as if they had torn apart the other clothes in the division! – so that, as the fourth evangelist notes, the scripture would be fulfilled (John 19:23-24).
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252 Der Urbericht weiß nur von Verspottungen, die Jesus am Kreuz erlitten hat. The original account only knows of the mocking that Jesus endured on the cross.
253 Die Tafel mit der Inschrift: der Judenkönig! ist die Fortsetzung des Spotts, den die römischen Soldaten im Hofe des Negierungsgebäudes mit ihm getrieben hatten.

Zu seinen beiden Seiten kreuzigt man zwei Räuber, um ihn dadurch den Verworfenen gleichzusetzen, in Wahrheit aber wurde damit nur die Schrift erfüllt, welche sagt: „er wurde unter die Verbrecher gezählt” (Jes. 53, 12)*).

Die Vorübergehenden und die Priester spotten seiner, wie auch der Gerechte des A. T. darüber klagt (Ps. 22, 7.8), daß Alle, die ihn sehen, seiner spotten — die Leute höhnen ihn, indem sie dem Spott, den der Gerechte des A. T. ertragen muß, eine Wendung geben, die den vermeintlichen Wunderthäter und König Israels recht empfindlich treffen soll — Matthäus hat daher Etwas Ueberflüssigcs gethan, wenn er die Leute außerdem noch (C. 27, 43) den Hohnspruch jenes Psalms: „er hat auf Gott vertraut, der reiße ihn nun aus der Noth, wenn er ihn will”, wörtlich anbringen läßt.

Auch die mit ihm gekreuzigt sind, spotten des Herrn.

Als er endlich durch den Ausruf: „mein Gott, mein Gott (Eloi! Eloi!)! warum hast du mich verlassen” sich als den Gerechten des A. T. (Ps. 22, 2) ausgewiesen, spotteten Einige über sein nahes Verhältniß zu Elias: „er ruft den Ellas!” und selbst derjenige, der ihm den Essig reichte, entnahm seinen Spott dem Verhältniß, welches den Messias und den kommenden Elias verbindet Marc. 15, 26—36).

The board with the inscription “The King of the Jews!” is a continuation of the mockery that the Roman soldiers had been making with him in the courtyard of the Praetorium.

Two robbers are crucified on either side of him, thus equating him with the condemned, but in reality, only fulfilling the scripture which says, “he was numbered with the transgressors” (Isaiah 53:12)*.

Passersby and priests mock him, as the righteous one of the Old Testament complains (Psalm 22:7-8) that all who see him mock him. The people taunt him by giving a twist to the ridicule endured by the righteous one of the Old Testament, to hit hard at the supposed miracle worker and king of Israel. Therefore, Matthew has done something redundant when he has the people also recite the taunt from that Psalm: “He trusts in God. Let God rescue him now if he wants him” (Matthew 27:43).

Even those crucified with him mock the Lord.

Finally, when he cries out, “My God, my God, why have you forsaken me?” (Eloi, Eloi, lama sabachthani?) and thus identifies himself as the righteous one of the Old Testament (Psalm 22:2), some mocked his supposed relationship with Elijah, saying, “He is calling for Elijah!” Even the one who offered him vinegar for his thirst, derived his mockery from the relationship between the Messiah and the coming Elijah (Mark 15:26-36).

253* *) Nur Marcus (C. 15, 28) hat dießmal die Verweisung auf die Schrift — keiner der drei Andern — der Urbericht hatte nur das bedeutsame Factum. *) Only Mark (Mark 15:28) this time makes reference to scripture – none of the other three do so. The original account had only the significant fact.
253/254 Während Matthäus den Urbericht im Wesentlichen unverändert wiedergibt, mußte Lukas gewaltsame Aenderungen vornehwen, da er nicht nur von Verspottungen zu erzählen weiß, sondern auch von einer Huldigung berichtet, die Jesu am Kreuz zu Theil wurde — in seiner Schrift höhnt nämlich nur Einer der Verbrecher, die neben Jesu am Kreuz hingen, der Andere dagegen macht ihm wegen seiner Rohheit Vorwürfe. Epiphanias meldet zwar, daß in Marcions Evangelium die Antwort fehlte, die Jesus diesem wohlgesinnten Verbrecher gibt, als derselbe ihn bittet, er möge sein gedenken, wenn er in sein Ncich kommt — unmöglich kann aber diese Antwort: „wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese seyn”, allein gefehlt haben, mit der Bitte, die sie berichtigt, sofern dieselbe sich nur auf die ferne Zukunft bezog, hängt sie viel zu eng zusammen, und die Bitte selbst würde ohne Beantwortung viel zu isolirt stehen, als daß wir dem Schluß entgehen könnten, daß wenn die Antwort fehlte, auch die Bitte nicht vorhanden war — weiter dürfen wir aber nicht gehen, weiter können wir nicht zurückschließen, hätte auch der Kern der Episode gefehlt, so würde es Epiphanius auch bemerkt haben. Der Kern der Episode gehörte vielmehr schon der Schrift des Urlukas an und die Angabe des Kirchenvaters hilft uns nur den Widerspruch erklären und beseitigen, der zwischen dem Kern und dem spätern Zuwachs, den der Ueberarbeitcr des Lukasevangeliums hinzufügte, stattfindet. In der ursprünglichen Episode spricht der wohlgesinnte Verbrecher von Jesus nur wie von einem Menschen, der Nichts Unrechtes gethan hat (Luk.23, 39—41) — das schien den Spätern nicht genug, sie verlangten eine ausdrückliche Anerkennung Jesu als des Messias — daher die Bitte des Verbrechers und Jesu Antwort (V. 42. 43). While Matthew essentially reproduces the original account, Luke had to make violent changes, as he not only tells of the mockery Jesus endured but also reports an act of homage that he received on the cross. In his writing, only one of the criminals who hung beside Jesus mocks him, while the other one reproaches him for his rudeness. Epiphanius reports that Marcion’s Gospel did not include Jesus’ response to the sympathetic criminal who asked him to remember him when he came into his kingdom. However, it is impossible for this response, “Truly I tell you, today you will be with me in paradise,” to be missing alone, since it is closely linked to the request that it clarifies. If the request only referred to the distant future, it would be much too isolated to stand without an answer, leading to the conclusion that if the response were missing, the request was also not present. We cannot go any further, nor can we make any further inferences; even if the episode’s core were missing, Epiphanius would have noticed it. The episode’s core already belonged to the original version of Luke’s Gospel, and the church father’s statement only helps us explain and eliminate the contradiction between the core and the later additions made by the reviser of Luke’s Gospel. In the original episode, the sympathetic criminal speaks of Jesus only as a man who has done nothing wrong (Luke 23:39-41). This did not seem sufficient to later writers, who demanded an explicit recognition of Jesus as the Messiah. Hence the criminal’s request and Jesus’ response (v. 42-43).
254/255 Sowohl die Ausbreitung dieser Episode, als auch die voreilige Notiz von der Verfinsterung der Sonne haben die Darreichung des Essigs in der Schrift des Lukas weiter nach vorn geschoben und dadurch die Neihefolge der Verspottungen in Unordnung gebracht — es fehlt endlich der Spott, der an die Vorstellung von der Verbindung des Messias mit dem kommenden Ellas anknüpft, weil der Ausruf: „mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen”, durch einen andern, den der 31ste Psalm bot: „ich befehle meinen Geist in deine Hände”, verdrängt ist. Diejenige Quellenschrift, der Lukas folgte*), so wie die andere, wenn es eine andere war, der er die Bitte Jesu: „Vater, vergib ihnen!” entnahm, hatten also bereits die Anlage des Urberichts, wonach Jesus seinen einzigen Ausruf demselben Psalm entlehnen sollte, in welchem der Spott der Leute vorgebildet ist, nicht mehr verstanden. Both the expansion of this episode and the hasty note about the darkening of the sun have pushed the presentation of the giving of vinegar in Luke’s scripture further forward and thereby disrupted the sequence of the mockeries – finally, the mockery that connects with the idea of the Messiah’s association with the coming Elijah is missing because the exclamation “My God, my God, why have you forsaken me” is displaced by another one provided by Psalm 31: “Into your hands I commit my spirit.” The source text that Luke followed*), as well as the other one, if there was another, from which he took Jesus’ plea “Father, forgive them!”, had already not understood the structure of the original account according to which Jesus was to borrow his only exclamation from the same Psalm in which the mockery of the people is prefigured.
254/255* *) Auch Zustinus (viol. c. 7^pk. p. 333) las in seinen apostolischen Denkwürdigkeiten diesen neuen Spruch. *) Justin (Apologia I, ch. 35) also quoted this new saying in his “apostolic memoirs.”
255/256 Der Vierte war natürlich am wenigsten dazu fähig, die Anlage des Urberichts zu begreifen: — das Interesse, das er am ungenähten Stock nahm, machte ihn für einen Theil des Details blind — die Bedeutung, die der Durst Jesu für die Erfüllung der Schrift hatte, verdrängte den letzten Spott und gab dem letzten Ausruf Jesu eine andere Gestalt — die ersten Spottreden der Anwesenden und Vorübergehenden mußten wegfallen, nachdem der unfruchtbare Streit der Hohenpriester mit Pilatus wegen der Überschrift am Kreuz**) durch den Umstand, daß die Richtstätte nahe bei der Stadt war (!) und viele Juden demnach (!) den Spott des Pilatus lasen, auf das mühseligste herbeigeführt war — was endlich von Raum noch vorhanden war, nahm die Episode der Verhandlung Jesu mit dem Lieblingsjünger in Betreff seiner Mutter ein, eine Episode, der zu Liebe der Vierte die Frauen, die im Urbericht (Marc. 15, 40), wie es sich für sie ziemte, „von weitem” zusahen, bis an den Fuß des Kreuzes vorgedrängt hat. The Fourth Evangelist was, of course, the least capable of understanding the structure of the original account – his interest in the unbroken bone distracted him from a part of the details – the significance of Jesus’ thirst for fulfilling the scripture displaced the final mockery and gave the final cry of Jesus a different form – the first mocking speeches of the present and passersby had to be eliminated after the futile argument between the high priests and Pilate over the inscription on the cross**) had been brought about in the most laborious manner by the fact that the execution site was near the city (!) and many Jews therefore (!) read Pilate’s mockery – finally, the episode of Jesus’ discussion with the beloved disciple about his mother took up the remaining space, an episode that the Fourth Evangelist expanded to include the women who, in the original account (Mark 15:40), as was fitting for them, “watched from afar” until they pushed forward to the foot of the cross
255/256** **) Daß diese Ueberschrift hebräisch, griechisch und lateinisch geschrieben war, hat der Vierte von Lukas erfahren. **) The fact that this inscription was written in Hebrew, Greek, and Latin, the Fourth Gospel learned from Luke.
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256 Die Angaben des Urberichts über die Dauer der setzten Leiden Jesu sind sehr genau und durch eine gewisse Symmetrie bestimmt. Es war die dritte Stunde, als man Jesum ans Kreuz schlug, die sechste, als die Finsterniß eintrat, die bis zur neunten dauerte, die neunte ging zu Ende, als Jesus verschied. Die sechste ist demnach die Stunde des Mittags, da diese ganze Symmetrie auf dem Contrast beruht, daß die Finsterniß eintrat, als die Sonne ihren Culminationspunkt erreicht hatte.

Während Marcus (C. 15, 25) uns auch die Stunde meldet, in der man Jesum ans Kreuz schlug, melden uns Matthäus und Lukas nur die Zeit und Dauer der Finsterniß — die Ueberfüllung, die jener durch seine Reflexion über die Verloosung der Kleider, dieser durch das Gebet Jesu für seine Feinde in den Anfang des Erzählungsstücks gebracht hatte, ließ ihnen für jene Notiz keinen Raum übrig — dem Vierten endlich hatte die Menge seiner Episoden sogar den Raum für die Notiz von der Finsterniß entzogen, und wenn er doch einmal eine Zeitangabe für nothwendig hält, so greift er aufs gerathewohl in die Berichte seiner Vorgänger, greift er die erste beste Zahl auf und meldet er uns (C. 19, 14), es sey zur sechsten Stunde gewesen, als Pilatus dem stürmischen Andringen der Juden endlich nach- gab und ihnen Jesum zur Kreuzigung überlieferte.

The details given in the Urtext about the duration of Jesus’ suffering on the cross are very precise and determined by a certain symmetry. It was the third hour when Jesus was crucified, the sixth hour when darkness set in, which lasted until the ninth hour, and the ninth hour had just ended when Jesus died. Therefore, the sixth hour is the hour of noon, as this whole symmetry is based on the contrast that the darkness set in when the sun reached its culmination point.

While Mark (Chapter 15, verse 25) informs us of the hour at which Jesus was crucified, Matthew and Luke only report the time and duration of the darkness. The overflow, which Mark brought into the beginning of the narrative piece by his reflection on the division of the garments, and which Luke brought through Jesus’ prayer for his enemies, did not leave them room for that note. Finally, for the Fourth Gospel, the abundance of its episodes even deprived it of the space for the note about the darkness, and if he felt the need for a time reference, he randomly picked a number and reports (Chapter 19, verse 14) that it was the sixth hour when Pilate finally yielded to the Jews’ clamor and handed Jesus over to be crucified.

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257 Auch für das Große und Ungeheure, daß beim Verscheiden Jesu der Tempelvorhang zerriß, die Gottheit also das Privilegium des gesetzlichen Heiligthums aufhob, hatte der Vierte kein Auge — hatte er bei der Menge und Größe seiner neuen Interessen keine Aufmerksamkeit übrig behalten — ebenso hatte ihm seine Angst für die Reinigkeit der Juden, die heut Abend das Paschalamm genießen wollen (E. 19, 31), nicht erlaubt, das Zeugniß des römischen Hauptmanns für das Opfer des jüdischen Hasses zu beachten, und die großmächtige Offenbarung, die er am Leichnam Jesu beobachtete, hätte ihm dieses Zeugniß, falls es seine Augen auf sich ziehen wollte, sehr gleichgültig machen müssen.

Nachdem im Urbericht das Maaß des Spottes voll geworden und Jesus, während er am Kreuze hing, nur Spott erfahren hatte, beginnt im Augenblick seines Verscheidens die Umwendung, der Tempelvorhang zerreißt, von oben bis unten, in zwei Stücke, das Judenthum verliert den ausschließlichen Besitz der Gottheit und in demselben Augenblick bekennt der römische Hauptmann, der mit seinen Soldaten zur Execution befohlen war: „wahrlich, der ist in Wahrheit — (wieMatthäus und Marcus berichten) — Gottes Sohn — (wie Lukas berichtet und der Urbildner, der Nichts übereilt, wahrscheinlich auch geschrieben hat) — ein Gerechter gewesen!”

The Fourth [Gospel writer] was also unable to comprehend the significance of the great and tremendous event of the tearing of the temple veil at Jesus’ death, which signaled the lifting of the privilege of the legal sanctuary by the divine, as he was preoccupied with his many new interests and had no attention to spare. Similarly, his fear for the purity of the Jews who were to enjoy the Passover lamb that evening (John 19:31) prevented him from taking note of the testimony of the Roman centurion for the victim of Jewish hatred. Furthermore, the magnificent revelation that he observed on the body of Jesus would have left him indifferent to this testimony if it had caught his eye.

In the original account, Jesus, while on the cross, had only received mockery once the measure of scorn was full. However, at the moment of his passing, the reversal began, and the temple veil was torn in two from top to bottom. The Jewish people lost their exclusive possession of the divine, and at the same time, the Roman centurion, who had been ordered to execute Jesus with his soldiers, declared, “Truly, this man was the Son of God” (as Matthew and Mark reported) or “Truly, this man was innocent” (as Luke reported, and the original author, who was deliberate in his writing, likely wrote).

257/258 Lukas, der bereits den Zug nach der Richtstätte durch das Geleite der weinenden und wehklagenden Frauen verherrlicht hat, läßt die Haufen, indem sie sich auf die Brust schlagen, von der Richtstätte nach Hause zurückkehren, d. h. die Weissagung des Zacharias von der Klage über den Ermordeten (Zach. 10, 12) sich erfüllen — Matthäus endlich hat die beiden zusammengehörigen Notizen von dem Zerreißen des Tempelvorhangs und vom Ausruf des Hauptmanns durch die neue Episode, wonach in diesem Augenblick in Folge eines Erdbebens die Gräber sich öffneten und die Ahnväter des Volks aus den Gräbern stiegen, in die heilige (!) Stadt gingen und Vielen sich zeigten*), von einander gerissen (C. 27, 50—54). In der Verwirrung dieser Notizen hat er sogar den ungehörigen Schein erzeugt, als ob der Hauptmann erst durch den Vorgang bei dem Erdbeben, also auch durch die Erscheinung der Erzväter zu seinem Ausruf gebracht sey — d. h. er hat die Auferstehung der Heiligen zu einem bloßen Schauwunder gemacht, während sie nach der Absicht des ursprünglichen Erfinders vielmehr selbstständige Bedeutung hatte und rein und allein das Schreckliche des Geschehenen zur Anschauung bringen sollte: — was das Volk so eben begangen hat, ist so entsetzlich, daß es die Ahnen aus dem Todesschlafe weckt, sie aus der Grabesruhe aufschreckt, und wenn sie nun dastehen und die Gräuelthat ihres Volks sehen, so konnte es ihnen nicht in den Sinn kommen, der „heiligen” Stadt einen Besuch abzustatten — die Stadt ist vielmehr entweiht, das Heiligthum seines Privilegiums beraubt — der Erfinder der Episode hat daher die Ahnen des Volks nur in der Absicht aus ihren Gräbern gerufen, damit sie den entweihten Boden verlassen und dem Volk als Zeugen des unvermeidlichen Strafgerichts erscheinen. Luke, who had already glorified the procession to the place of execution with the escort of weeping and wailing women, has the crowds return home from the execution site, beating their breasts, thus fulfilling the prophecy of Zachariah about mourning for the murdered (Zach. 10:12). Finally, Matthew has torn apart the two related notes about the tearing of the temple veil and the exclamation of the centurion with the new episode in which, as a result of an earthquake at that moment, the graves opened and the ancestors of the people came out of the graves, went into the holy (!) city, and appeared to many*). In the confusion of these notes, he even created the inappropriate appearance that the centurion was only brought to his exclamation by the earthquake, and thus also by the appearance of the ancestors – that is, he reduced the resurrection of the saints to a mere spectacle, while according to the intention of the original inventor, it had a more independent meaning and was intended solely to show the horror of what had happened: what the people have just done is so terrible that it wakes the ancestors from their sleep of death, startles them from their graves, and when they now stand and see the abomination of their people, it could not occur to them to pay a visit to the “holy” city – the city is rather desecrated, its sanctuary robbed of its privilege – the inventor of the episode has therefore only called the ancestors of the people out of their graves for the purpose of leaving the desecrated ground and appearing to the people as witnesses of the inevitable judgment.
257/258* *) und zwar jeht, sogleich nach ihrer Auferstehung, nicht nach seiner, Jesu Auferstehung, wie die spätere Scrupulosität geändert hat, um Jesu Las Privilegium, wonach er der Erstling der Auferstehung ist, zurückzugeben. *) and that too, immediately after their resurrection, not after his (Jesus’) resurrection, as later scrupulosity has changed it, in order to restore Jesus’ privilege, according to which he is the firstfruits of the resurrection.
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258/259 Für den Schöpfer des Urberichts ist Joseph von Arimathia nur ein „honnetter” Mann, da diese Ehrbarkeit seines Wesens und seiner Haltung hinreichte, um seine Theilnahme für den Gekreuzigten und den Muth zu erklären, den er bewies, als er den Landpfleger um den Leichnam Jesu bat — ein Rathsherr, damit die geweissagte Umwendung, wonach der Messias nach seinem Tode bei dem Reichen sein Grab finden soll, nachdem man es ihm bei den Verbrechern bestimmt hatte (Zes. 53, 9), in Erfüllung gehe, hat endlich die Verwunderung des Pilatus über das frühe Verscheiden Jesu und seine Erkundigung beim Hauptmann der Wache einfach die Bestimmung, den Tod Jesu als wirklich erfolgt zu constatiren (Marc. 15, 42—46). For the creator of the original account, Joseph of Arimathea was just an “honest” man, as his honesty and behavior were enough to explain his sympathy for the crucified Jesus and the courage he showed when he asked the governor for Jesus’ body. As a member of the council, Joseph was chosen so that the prophecy that the Messiah would find his grave with the rich after his death, instead of with the criminals (Isaiah 53:9), would be fulfilled. Finally, Pilate’s surprise at Jesus’ early death and his inquiry with the captain of the guard simply served to confirm Jesus’ death as a real event (Mark 15:42-46).
259 Diese Verhandlung, deren Bedeutung er nicht mehr kannte, hat Lukas ausgelassen — dafür hat er den Eingang des Berichts überfüllt, indem er auf die Notiz, daß Joseph ein „guter und gerechter” Mann war, die unnöthige Uebertreibung folgen läßt, daß er (C. 23, 5) „ihrem — ihrem! er meint seine Kollegen! — ihrem Rath und ihrer That nicht beigestimmt hatte und auch selbst das Reich Gottes erwartete*)” — sodann entschädigt er uns für das Ausgelassene noch durch die Neuigkeit, daß in dem Grabe, in dem Jesu Leichnam beigesetzt wurde, noch Niemand gelegen habe.

Matthäus, der die Verhandlungen über den wirklichen Eintritt des Todes Jesu gleichfalls ausläßt, hat es endlich erfahren, daß Joseph dem Herrn als Jünger angehangen hatte, und nennt ihn, um das Stichwort der Weissagung seinem Berichte einzufügen, einen reichen Mann (C. 27, 57).

Luke omitted this trial, the significance of which he no longer knew. Instead, he filled the beginning of his account with unnecessary exaggeration, following the note that Joseph was a “good and just” man, with the statement that he (in Luke 23:5) “had not consented to their – their! he means his colleagues! – decision and action. He was waiting for the kingdom of God himself*)” Then he compensates us for what he omitted by the news that no one had ever been buried in the tomb where Jesus’ body was laid.

Matthew, who also omits the proceedings regarding the actual death of Jesus, finally learned that Joseph was a disciple of the Lord and called him a rich man (in Matthew 27:57), in order to add the cue of the prophecy to his account.

259* *) Diese schleppende und den Fortgang der Erzählung aufhaltende Notiz im gegenwärtigen Marcusevangelium gehört dem Urberichte nicht an *) This dragging and story-delaying note in the current Gospel of Mark does not belong to the original report.
259/260 Und der Vierte? — der hat noch mehr in Erfahrung gebracht — seinen Nachforschungen verdanken wir die Notiz, daß Nikodemus, die Metamorphose des reichen Mannes der Synoptiker, dem Joseph bei der Einbalsamirung des Leichnams Jesu und bei der Beisetzung Hilfe leistete, daß Joseph, ein Jünger Jesu, nur aus Furcht vor den Juden sich bisher verborgen gehalten habe — jetzt also, wo es keine Juden mehr zu fürchten gab, ohne Scheu hervortrat! — ohne seine Nachforschungen, deren Mühseligkeit die andere entspricht, mit der er uns seinen Fund mittheilt (C. 10, 41. 42), würden wir es nicht wissen, daß der Ort, wo Jesus sein Grab fand, ein Garten war, dessen Nähe man benutzte, weil die Zeit drängte und der Sabbath in Kurzem anbrach — (wegen des Rüsttags der Juden, sagt er mit der Schwerfälligkeit eines Menschen, der mit den Sitten der Juden recht vertraut thut und sich gleichwohl erst mit Mühe in dieselben zurückversetzen mutz). And what about the Fourth [Gospel]? – he has discovered even more – we owe to his research the note that Nicodemus, the metamorphosis of the rich man in the Synoptics, assisted Joseph in embalming and burying the body of Jesus, and that Joseph, a disciple of Jesus, had only hidden himself out of fear of the Jews – now, therefore, where there were no more Jews to fear, he came out without fear! – without his research, the difficulty of which corresponds to the other with which he shares his findings (John 19:41-42), we would not know that the place where Jesus found his tomb was a garden, whose proximity was used because time was pressing and the Sabbath was approaching – (because of the Jews’ day of preparation, he says with the ponderousness of someone who pretends to be very familiar with Jewish customs and yet hesitates to immerse himself in them).
260 Die Nähe des Sabbaths drängte auch die Juden, als sie den Landpfleger angingen und ihn baten, die Leichname noch vor dem Anfang des heutigen Tages abnehmen zu lassen.

Der Sabbath, nicht nur der bevorstehende Anbruch des Paschaabends, ist auf einmal das Motiv geworden, welches die handelnden Personen bestimmt — aber es bleibt dabei, datz heute Pasch «abend ist, denn als die Soldaten dem Anträge der Juden gemäß, die nicht nur die Leichname von den Kreuzen abgenommcn, sondern auch (nach einer unerhörten und sonst unbekannt gebliebenen Sitte) „ihre Gebeine” zerbrochen haben wollten, mit den Leichnamen der beiden Verbrecher verfahren waren, überhoben sie sich dieser Procedur, als sie zu Jesus kamen und sahen, daß derselbe schon todt war, und stach ihm nur einer der Soldaten in die Seite.

The proximity of the Sabbath also urged the Jews when they approached the governor and asked him to have the bodies removed before the beginning of the current day.

The Sabbath, not only the impending start of the Passover evening, has suddenly become the motive which determines the actions of the persons involved. But it remains the fact that today is the evening of Passover, because when the soldiers had dealt with the bodies of the two criminals according to the Jews’ request, who not only wanted the bodies taken down from the crosses, but also (according to an unheard-of and otherwise unknown custom) wanted their bones broken, they dispensed with this procedure when they came to Jesus and saw that he was already dead, and only one of the soldiers stabbed him in the side.

260/261 Den Gräuel jener Sitte hat der Vierte erst erfunden, um an dem Umstände, daß Jesus mit der Grecution verschont wurde, den Beleg für seinen Satz zu gewinnen, daß Jesus als das wahre Paschalamm hingeschlachtet war, als die Juden in Begriff waren, das alte, nun zum Schatten herabgesetzte Paschamahl zu genießen — daß Jesu die Beine nicht zerbrochen wurden, sagt er selbst (V. 36), geschah, damit die Schrift (jene Verordnung in Betreff des Paschalammes) erfüllt würde——die Schrift wurde aber auch erfüllt, als jener Soldat Jesu in die Seite stach — d. h. der Vierte hat diesen Lanzenstich erst gebildet, um auch für jenes Wort des Zacharias: „sie werden ihn sehen, nach dem sie gestochen haben”, die Erfüllung zu gewinnen. The horror of that practice was invented by the Fourth Evangelist in order to obtain evidence for his assertion that Jesus was slaughtered as the true Paschal Lamb when the Jews were about to enjoy the old Paschal meal, which had now been reduced to a mere shadow. He himself says that Jesus’ legs were not broken (John 19:36) in order to fulfill the scripture (that ordinance regarding the Paschal Lamb). However, the scripture was also fulfilled when that soldier pierced Jesus’ side – that is, the Fourth Evangelist invented this spear wound in order to fulfill that word of Zechariah: “They will look on him whom they have pierced.”
261 Doch er beabsichtigte noch mehr! Er wollte uns beweisen, daß er den sogenannten ersten Brief des Johannes gekannt, aber nicht verfaßt hat. Nur die Wendung dieses Briefs (C. 5, 6.8), daß Jesus mit Wasser und Blut, d. h. mit der Wasser- und mit der Bluttaufe gekommen sey, hat ihn darauf gebracht, als jener Soldat in die Seite Jesu stach, Blut und Wasser aus der Wunde fließen zu lassen.

Wie mächtig ist der Vierte! Es genügt nur, daß er eine Absicht hat, und augenblicklich steht die Erfüllung da! Wie reich ist er an Motiven! Erst bestimmte die Nähe des Paschaabends die handelnden Personen — jetzt wirkt auch der Umstand, daß heut Abend zugleich der Sabbath beginnt.

Im Urbericht war gestern Paschaabend und reichte Jesus das Blut des neuen Testamentes seinen Jüngern in demselben Augenblick, als die Juden den Schatten, das gesetzliche Paschaopfer genossen — heut, da er gekreuzigt wird, ist der erste Paschatag und der Sabbath, während dessen er im Grabe liegt, ist nun das Gegenbild zu jenem Sabbath, an dem Gott einstens ruhte, — der Sabbath, an dem der Sohn Gottes ruhte, nachdem er die neue Welt geschaffen hatte — ein Tag, dessen Bedeutung hinreichend durch die Sabbathsruhe des Herrn gesichert ist

But he intended even more! He wanted to prove to us that he knew, but did not write, the so-called First Epistle of John. Only the phrase from that epistle (5:6,8) that Jesus came with water and blood, i.e. with the water and blood of baptism, led him to have the soldier pierce Jesus’ side, causing blood and water to flow from the wound.

How powerful is the Fourth Gospel! It is enough for him to have a purpose, and immediately the fulfillment is there! How rich he is in motives! First, the proximity of the Passover evening determines the actors – now the fact that tonight is also the beginning of the Sabbath is also at work.

In the original account, it was the evening of the Passover when Jesus offered his disciples the cup of the new covenant, at the same time as the Jews were celebrating the shadow, the legal Passover sacrifice. Today, as he is being crucified, it is the first day of Passover and the Sabbath, during which he lies in the tomb, is now the counterpart to that Sabbath on which God once rested – the Sabbath on which the Son of God rested after creating the new world. The significance of this day is sufficiently secured by the Lord’s Sabbath rest.

262 Der reiche Mann, der Vierte, hat also dieses chronologische Kunstwerk, diese urchristliche Schöpfung zerstört, als er es mit seiner angstvollen Schwerfälligkeit erst aus der Größe jenes Sabbathstages — (weil er zugleich der erste Paschatag war) — erklärte (C. 19, Zt), daß die Juden die Abnahme der Leichname von den Kreuzen so eifrig betrieben. Die Bedeutung dieses Sabbaths, der als solcher schon einzig und für den Gläubigen hochherrlich war, hat er verwischt, wie er dem letzten Mahle Jesu den Charakter des großen Opfermahles genommen hat.

Uebrigens war es eine höchst unnöthige Ueberfüllung, wenn Lukas (C. 23, 54) den ersten Paschatag, an welchem Jesus gekreuzigt wird, als Nüsttag bezeichnet und ihm somit seine selbstständige Bedeutung nimmt. Der Urbericht enthielt diesen störenden Ueberfluß noch nicht, und wenn sein Verfasser die Eile, mit der Joseph die Abnahme und Beisetzung des Leichnams Jesu besorgte, erklären wollte, so genügte ihm der Umstand, daß es schon „Abend wurde”, daß es also auch des schnellen Entschlusses bedurfte, den Joseph ausführte, als er sich mit seiner Bitte an Pilatus wandte — d. h. die Notiz, die der Erklärung dieser Eile im gegenwärtigen Marcusevangelium nachschleppt, die Notiz (Marc. 15, 42): „da es Nüsttag, der Tag vor dem Sabbath war”, ist erst vom Ueberarbeiter des Urberichts eingefügt, und wie die Construction beweist *), dem vierten Evangelium (C. 49, 31) entlehnt.

Am unglücklichsten hat Matthäus das verwirrende Stichwort angebracht, wenn er den Tag, an welchem der Gekreuzigte ruht, nicht einmal als Sabbath, sondern als den folgenden Tag nach dem Rüsttage einführt (C. 27, 62).

The rich man, the Fourth, thus destroyed this chronological artwork, this creation of early Christianity, when he clumsily explained (in Chapter 19, verse 31) that the Jews were so eager to remove the bodies from the crosses because it was the first day of Passover and also the Sabbath. He blurred the significance of this Sabbath, which was already singular and highly revered for believers, just as he had taken away the character of the great sacrificial meal from Jesus’ last supper.

Moreover, it was a highly unnecessary addition when Luke (in Chapter 23, verse 54) referred to the day on which Jesus was crucified, the first day of Passover, as the day of preparation, thus depriving it of its independent significance. The original account did not contain this superfluous addition, and if the author wanted to explain the haste with which Joseph took care of the removal and burial of Jesus’ body, the fact that it was already “evening” was sufficient reason for Joseph’s swift action when he made his request to Pilate. That is to say, the note which the current Gospel of Mark drags along to explain this haste – the note (in Mark 15, 42): “And now when the evening was come, because it was the preparation, that is, the day before the sabbath” – was only inserted by the reviser of the original account and was borrowed from the fourth Gospel (in Chapter 19, verse 31), as the syntax shows *).

Matthew has introduced the most confusing keyword when he refers to the day on which the crucified one rests not even as Sabbath, but as the day following the day of preparation (in Chapter 27, verse 62).

262* *) ἐπεὶ ἦν *) ἐπεὶ ἦν
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Neil Godfrey

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